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Leben in Hannover Gottschalk & Jauch: „Eine Show ist ein Pflasterstein“
Hannover Leben in Hannover Gottschalk & Jauch: „Eine Show ist ein Pflasterstein“
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00:15 11.09.2013
Von Sebastian Scherer
Im NP-Interview: Thomas Gottschalk und Günther Jauch.
Im NP-Interview: Thomas Gottschalk und Günther Jauch. Quelle: Andreas Friese
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Das ist die x-te Challenge-Show. Brauchen wir das?
Gottschalk: Brauchen wir das x-te Fußballspiel? Es sind immer 22 Leute, die auf zwei Tore spielen. Es geht aber immer anders aus. Brauchen tun wir gar nichts. Es ist Challenge, es ist Quiz, es gibt nichts anderes. Ich merke, dass ich einfach nicht versuchen darf und will - das gilt, glaube ich, auch für Günther - unglaublich innovativ zu sein, indem ich nun Facebook in den Mittelpunkt der Sendung stelle. Ich habe das bei meinem Vorabend erlebt, als man mir erklärte, was ein Hashtag ist.

Wollen Sie einen Quotenhit?
Gottschalk: Mein Gott, ich könnte in Malibu sitzen und sagen „Scheiß aufs Fernsehen“ und bittere Kommentare schreiben. Ich bin weder ermüdet noch ermattet, bin weder verzweifelt noch muss ich irgendetwas beweisen. Ich komme nicht aus der tiefen Depression und habe nicht meinen guten Freund Günther gebeten, mich wie Sankt Christophorus Huckepack zu nehmen, damit das Christkind noch einmal strahlen kann.

Ihre Kritiker sehen das anders ...
Gottschalk: Ich bin inzwischen Blogger gewohnt, die nachts um zwei mit einem bekleckerten T-Shirt dasitzen und sagen: Wen kann ich jetzt vollrotzen? Und wenn Spiegel Online dann schreibt „Gottschalk wieder bei RTL“, schreibt der drunter „Schmeißt doch die Millionen gleich auf den Müll“. Wenn du das erst mal grundverdaut hast, dann sagst du wieder: Jetzt erst recht.

Ist die Show für Sie eine letzte Ausfahrt?
Gottschalk: Ich gebe nicht auf. Im Ernst, es ist ganz einfach: Malibu ist meine letzte Ausfahrt. Ob man mir nachlästert oder nachweint, kann mir wurscht sein. Ich habe die Spielfreude und weiß, dass es in irgendeiner Form für mich noch ein Plätzchen gibt, und wenn es bei der Häkel-Generation ist.

Würden Sie noch einmal „Wetten, dass..?“ übernehmen?
Gottschalk: Ganz eindeutig nein. Ich habe nicht alles richtig gemacht, aber ich habe nichts falsch gemacht. Das Ende von „Wetten, dass..?“ kam zum richtigen Zeitpunkt. Ich hätte das Ding zu Ende verwalten können. Ich habe mit 18 Millionen Zuschauern angefangen und wäre heute nicht viel weiter als Kollege Lanz.

Jauch: Weil das jetzt diese Dinosaurier-Fragen sind: Als Harald Schmidt Richtung Sky ging und Thomas bei „Wetten, dass..?“ aufhörte, hieß es immer, wann ich denen als letzter fälliger Dinosaurier in die Parkgarage des Privatlebens folge. Ich sehe diese ganz großen existenziellen Fragen für uns nicht. Dass wir nicht mehr über Quoten, die weit über dem liegen, was man heute als erfolgreiches Maß im Fernsehen bezeichnet, hinausschießen werden, das sehe ich auch.

In den USA wird ein Comebackversuch eher gefeiert als belächelt ...
Gottschalk: Ich wünsche mir das amerikanische Publikum. Die reagieren mit einer solchen naiven Fröhlichkeit auf Unterhaltung. Ich habe das im direkten Vergleich beim „Supertalent“ gemerkt, dort „America Got Talent“. Solche Shows sind Seifenblasen. Bei uns gibt es keine Seifenblasen. Bei uns ist so eine Show ein Pflasterstein, der irgendwo hinfliegt und der dann besprochen und analysiert werden muss, wo das Basalt und der Beton auseinanderdividiert werden. In Amerika ist ein rotes Licht im Studio, das geht an und alles klatscht. Wenn in Deutschland ein rotes Licht angeht, auf dem „Applaus“ steht, sagen alle: „Moment! Wer zwingt mich jetzt zu klatschen? Für das Geld, das der da vorne kriegt, da muss der erst mal lange durch die Wüste gehen, bevor ich klatsche“.

Herr Jauch, was haben Sie Herrn Gottschalk nach „Wetten, dass..?“ empfohlen?
Jauch: Dass er zwei Jahre gar nichts machen sollte. Ich habe von allem abgeraten. Gar nicht, weil ich es besser wusste, sondern weil ich glaubte, dass ein Zwei-Jahre-Wegsein ihm erstens nicht schadet, zweitens die Begehrlichkeiten und die Sehnsucht und unter Umständen auch die Nostalgie größer werden lässt. Und weil ich von mir ausgegangen war.

Gottschalk: Ich habe wider besserer Beratung etwas riskieren wollen. Und diese Risikobereitschaft ist mir im Nachhinein auch der einzige Trost in der Veranstaltung. Nach 28 Jahren hat man auch mal einen gut.

Jauch: So gesehen bewundere ich Thomas Gottschalk für den Mut, auch zu scheitern. Dafür, dass er da mutiger ist als ich, wird er natürlich auch mehr verprügelt. Was so gesehen auch wieder ungerecht ist.

Gottschalk: Ich bin Dienstleister und nicht das Genie, das sich verwirklichen muss. Ich sage, ich kann etwas, ich bin Gesichtsvermieter. Wer meint, er kommt mit dem Gesicht ein Stückchen weiter, der kann es haben. Die Mieten sind günstiger geworden.

Wie wichtig ist ein Erfolg?
Jauch: Ein möglicher Erfolg dieser Sendung würde an meinem Leben nichts ändern, genau wie ein möglicher Misserfolg.

Gottschalk: An meinem schon. Du hast ja auch noch deinen Sonntagabend, was habe ich? Denk doch auch ein bisschen an mich. Naja, du hast Sonntagabend, ich habe Malibu.