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Leben in Hannover Gesprächskarambolage auf dem Sofa
Hannover Leben in Hannover Gesprächskarambolage auf dem Sofa
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10:56 18.03.2013
Von Mirjana Cvjetkovic
KEIN ENTSPANNTES GESPRÄCH: Moderatoer Hinnerk Baumgarten mit Schauspielerin Katja Riemann.
KEIN ENTSPANNTES GESPRÄCH: Moderatoer Hinnerk Baumgarten mit Schauspielerin Katja Riemann.
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Hannover

Einen besseren Namen gibt es dafür nicht - „Gesprächskarambolage“ betitelte Blogger Stefan Niggemeier (43) die Zusammenkunft von Schauspieldiva Katja Riemann (49) und Moderator Hinnerk Baumgarten (45). Für Niggemeiers Beschreibung des Zusammenpralls brach zwischenzeitlich seine Internetseite zusammen.

In der 45-minütigen Show war viel schiefgegangen: Riemann machte keinen Hehl daraus, keine Lust auf das Gespräch zu haben. Baumgarten war bemüht, sich über die Sendezeit zu retten. Folge: Ein „Best-of“-Zusammenschnitt sowie ein Komplett-Mitschnitt der „Das!“-Sendung vom Donnerstag erreichten bei Youtube bis gestern fast 600000 Klicks, Tendenz steigend. Bei Facebook und Twitter bildeten sich zwei Lager: diejenigen, die über Baumgartens Interview-Stil lästerten - und die Anti-Riemann-Partei, die ihre Art unerhört fanden. Die 49-Jährige reagierte zügig auf die Schelte: Sie ließ ihre offizielle Facebook-Seite vom Netz nehmen - zumindest war sie gestern nicht mehr auffindbar.

Zuvor hatte sie dort von ihrer „Facebook-Verantwortlichen“ Peggy Bronzel verlauten lassen: „Nicht der Umstand ihres Aufwachsens in Kirchweyhe oder gar die Menschen, die im Einspieler zu Wort kamen, waren ihr wahnsinnig peinlich, sondern ausschließlich das vom NDR gewählte Format, das diese Menschen, die teilweise in sehr privater Ebene in Katja Riemanns Leben eine Rolle spielen oder spielten, vor die Kamera gebeten wurden. Dies hat sie emotional sehr bewegt.“ Nach dem Einspieler hatte die „Gesprächskarambolage“ ihren Lauf genommen ...

Baumgarten sagte der NP: „Natürlich existiert das Risiko, dass ein Gespräch nicht verläuft, wie wir uns das vorstellen. Mit Katja Riemann war das leider so ein Fall, der glücklicherweise nur sehr selten vorkommt.“ Er fügte hinzu: „Ich finde es aber gerade in diesem Fall sehr schade, da mich Katja Riemann als Schauspielerin sehr begeistert und ich ihre Arbeit faszinierend finde. Vielleicht will sie ja beim nächsten Mal etwas mehr darüber erzählen. Mich würde es freuen!“

Medienexperte Jo Groebel (62) hat sich den Mitschnitt für die NP angesehen. „Da gibt es zwei Fehler“, analysiert er, „den des NDR, Frau Riemann einzuladen, und den von ihr, da hinzugehen.“ Es sei bekannt, dass Riemann „unberechenbar“ sei, der NDR habe sich aber trotzdem vorgenommen, „sie zu knacken“. Das Ergebnis war „unfreiwillige Promotion - aber keine gute“, urteilt Groebel. Es gebe keine Gewinner, und es sei „kein Musterbeispiel für eine gelungene Geschichte“. Riemanns Art nennt er „bösartige Verweigerung“, „Ungehörigkeit“ und „durchgehende Beleidigung gegenüber dem Gastgeber“. Kurzum: Sie sei ein unhöflicher Gast gewesen, der sich um Konventionen nicht geschert habe.

Baumgarten wirkte auf ihn weder souverän noch rhetorisch geschickt. Er habe besser darauf vorbereitet sein müssen, dass das Gespräch schiefgehen könne. Dies sei aber nebensächlich, die Vorlage habe Riemann geliefert: „Der Moderator hat Contenance bewahrt und gemerkt, dass er sich wie auf einem Minenfeld bewegt.“ Am besten wäre gewesen, das Gespräch abzubrechen, findet Groebel. Schwierig: Die Sendezeit hätte rasant neu gefüllt werden müssen.