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Leben in Hannover Vor 40 Jahren: Wie Enzo Fumiento die „Rumpelkammer“ übernahm
Hannover Leben in Hannover

Enzo Fumiento übernahm 1981 die „Rumpelkammer“ in Hannover

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15:11 30.09.2021
Das Gesicht der „Rumpelkammer“: Enzo Fumiento betreibt die Kneipe am Lister Platz seit 40 Jahren.
Das Gesicht der „Rumpelkammer“: Enzo Fumiento betreibt die Kneipe am Lister Platz seit 40 Jahren. Quelle: Dröse
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Hannover

Als er seinerzeit gehört hatte, dass der Laden zu haben ist, konnte er kaum mehr an etwas anderes denken: Eine eigene Kneipe im Herzen der List, „da war ich gleich Feuer und Flamme“. Die Begeisterung von damals kommt zurück, wenn Enzo Fumiento (60) an den Tag zurückdenkt, als er in der „Rumpelkammer“ als Chef das erste Bier hinterm Tresen gezapft hat. Dass das am 1. Oktober genau 40 Jahre zurückliegt, kann er selbst kaum glauben.

50.000 Mark hatte der junge Fumiento für die Übernahme auf den Tisch gelegt, für die Einrichtung, die Kühlanlage, das Inventar. Nicht nur für jemanden, der da gerade mal 20 gewesen ist, eine große Summe. „Ich habe gearbeitet und gespart, 16-Stunden-Tage in der Gastronomie zugebracht“, erinnert er sich im Gespräch mit der NP. „Zeit, das Geld auszugeben, hatte ich gar keine.“ Die Investition hat sich gelohnt. Es war ein Glücksgriff – auch, weil er in der Kultkneipe seine heutige Frau Annette (57) kennengelernt hat.

Liebt den Nippes in seinem Laden: Enzo Fumiento hat immer wieder mal Deko-Elemente hinzugefügt. Quelle: Dröse

Neben der Summe auf der hohen Kante war es vor allem der Zuspruch von Werner Staude (†93), der Fumiento damals den Schritt in die gastronomische Selbstständigkeit möglich machte. Der Getränkegroßhändler war Pächter der Gaststätte, Fumiento wurde bei ihm vorstellig. „Es hat gleich gefunkt“, sagt er über die Begegnung in Staudes Langenhagener Büro. „Er hat mir auf die Schulter gehauen und gesagt: ,Junge, ich vertraue dir. Du schaffst das.’ Für mich war das ein Ritterschlag.“ Kann man so sagen – er hatte 50 Mitbewerber ausgestochen! Bis zu Staudes Tod im September 2020 waren die beiden im Austausch.

2022 will Fumiento sich und den Laden feiern

Unternehmer Staude sollte richtig liegen, Fumiento hat es geschafft. Er ist einer der wenigen in der Stadt, die seit sagenhaften vier Jahrzehnten in ein und demselben Gastrogeschäft geblieben sind. „Die ersten Jahre waren eine Herausforderung“, erzählt der Mann, der wie sein Laden in diesem Jahr runden Geburtstag gefeiert hat, er ist im April 60 geworden. Eigentlich wollte er den genau wie seinen 30. und 40. Geburtstag ordentlich feiern, Corona hat der 100-Jahr-Feier (Fumiento plus „Rumpelkammer“) einen Strich durch Rechnung gemacht. „Hole ich im nächsten Jahr nach“, sagt der Gastronom in einer ruhigen Art, die man wohl typisch nennen kann.

Historischer Moment: Enzo Fumiento mit seiner Familie am Eröffnungstag, dem 1. Oktober 1981. Seine Schwestern Ramona (rechts) und Manuela sowie seine Mutter Inge waren dabei. Quelle: Dröse

Kneipen-Situationen, in denen es in all den Jahren Handgreiflichkeiten gegeben hat, kann er „an einer Hand abzählen. Das wurde alles mit Worten geklärt.“ Und es gibt nichts, was in der Pinte nicht schon gefeiert worden ist: Hochzeiten, Geburtstage, Jubiläen, Junggesellenabschiede. Atze Schröder (56) kehrte mit seiner Crew nach Auftritten häufiger ein, die beiden verstanden sich auf Anhieb. Der Comedian lud Fumiento immer wieder mal in seine Shows ein, empfing ihn sogar im Backstage-Bereich. „Ein super Typ, sehr bodenständig“, schwärmt der Wirt.

Enzo Fumiento

*5. April 1961 in Hannover. Er wächst als Jüngster mit zwei Schwestern in Vahrenheide auf, besucht dort die Grundschule. Die Familie zieht in die List, nach dem Schulabschluss lernt er Hotelfachmann. Eigentlich will er auf einem Schiff arbeiten, „ich wollte die Welt sehen“. Er lernt seine erste Frau kennen, bleibt in der Stadt. Fumiento arbeitet im Restaurant seines Onkels mit, ehe er 1981 die „Rumpelkammer“ übernimmt. Dort lernt er seine heutige Frau Annette (57) kennen. Fumiento hat zwei Kinder und drei Enkel. Gereist ist er viel, sieht die Karibik und viel von Europa. Seitdem Labradoodle Milly zur Familie gehört, geht es häufig an die Ostsee und oft in die Eilenriede.

Sportler gehen in der „Rumpelkammer“ ein und aus, ob Eishockeyspieler der Indians wie Thomas Jungwirth, der „König vom Pferdeturm“ Mark Maroste, 96-Legenden wie Steven Cherundolo (42) und Mannschaftskollege Altin Lala (45), Ex-Bundespräsident Christian Wulff (62) war da, mit Heinrich Plochg (62), dem Pfarrer der katholischen St. Josef-Gemeinde List/Vahrenwald, gibt’s sogar geistlichen Beistand.

Illustre Truppe bei der „Nacht der Gastronomie“, die man genau so auch in der „Rumpelkammer“ antreffen könnte: (von links) Sämi Ouafi (Warsteiner), Sascha Casado (Plan Bar, „Glücksbringer“), Thorsten Meier (Ex-96-Stadionchef) und Enzo Fumiento. Quelle: Archiv

Gäste mögen nicht nur die Gemütlichkeit in seiner „Rumpelkammer“ und das dort ausgeschenkte Bier, die Mischung von Jung und Alt kommt bei den Leuten gut an, so Fumiento. „Manchmal sind vier Generationen hier.“ Generationsübergreifend geht es auch auf dem Lister-Meile-Fest zu, eine Institution und weit über die Stadtteilgrenzen hinaus beliebt: Mitte der 1990er war er es, der mit Buchhändler Klaus Eberitzsch (84) und anderen von der „Aktion Lister Meile“, der Interessengemeinschaft der dortigen Geschäftsleute, dem Fest neuen Schwung verliehen hat. Und auch der Weihnachtsmarkt ist beliebt.

Noch ein Jubiläum: 2011 feiern die Macher Enzo Fumiento, Klaus Eberitzsch und Henner Fastje (von links) 40 Jahre Lister-Meile-Fest. Quelle: Martin Archiv

„Beides ein großer Erfolg“, findet Fumiento. „Es gibt den Verein, der dafür sorgt, dass die Gastronomien vor Ort bevorzugt werden und es viel für Kinder gibt.“ Er selbst hat zwei Kinder, eine Tochter (37) aus erster Ehe, sein Sohn aus der Ehe mit seiner Annette ist 26 Jahre alt. Seit 37 Jahren ist sie die Frau an seiner Seite, vor ein paar Tagen haben sie 29. Hochzeitstag gehabt. „Sie war einmal die Woche mit ihrer Handballmannschaft in der „Rumpelkammer“’, erzählt Fumiento. „Ich wollte sie gleich heiraten.“

Der „Rumpelkammer“-Wirt war auch so etwas wie ein Vorreiter für Außengastronomie: „Die Leuten saßen früher ungern draußen. Draußen hat sich kaum einer getraut, Bier zu trinken.“ Bis Fumiento zwei, drei Plastik-Gartentische vor die Tür gestellt und so einen Anfang gemacht hat. Heute wird ganz selbstverständlich unter freiem Himmel ein Pils gezischt, nicht nur wenn Spiele von Hannover 96 über die Leinwand flimmern.

Reise in die Vergangenheit: NP-Redakteurin Mirjana Cvjetkovic erzählte Enzo Fumiento vor Ort, wie er die „Rumpelkammer“ übernahm. Quelle: Dröse

25 Jahre hat Fumiento die Biere selbst gezapft. Bis der Rücken nicht mehr mitspielte, ein Bandscheibenvorfall legte den Vollblutwirt lahm, zwei Operationen folgten. „Seitdem bin ich weniger hinter dem Tresen aktiv.“ Was nicht bedeutet, dass er weniger hart mit anpackt: „Das, was ich vom Personal einfordere, mache ich auch selbst.“

Machen – das will der 60-Jährige, solange er gesund ist. Das Beste aber: „Ich muss nicht. Es macht mir nur so unheimlich viel Spaß.“ Darauf sollte er am 1. Oktober, seinem Jubiläumstag, dann doch anstoßen – trotz Corona.

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Von Mirjana Cvjetkovic