Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Leben in Hannover Enzo Andreuzzi - die Wal-Heimat ist seine Wahl-Heimat
Hannover Leben in Hannover Enzo Andreuzzi - die Wal-Heimat ist seine Wahl-Heimat
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:54 14.01.2015
Von Toni Lieto
DER HANNOVERANER UND DAS MEER:Enzo Andreuzzi paddelt auf dem Board, als eingewaltiger Buckelwal vor ihm auftaucht. EinBar-Besucher fotografiert die Szene.
DER HANNOVERANER UND DAS MEER: Enzo Andreuzzi paddelt auf dem Board, als ein gewaltiger Buckelwal vor ihm auftaucht. Ein Bar-Besucher fotografiert die Szene.
Anzeige

Solche Abenteuer erlebt man nicht in Hannover: Enzo Andreuzzi (43) wollte an der australischen Ostküste nur auf einem dieser neumodischen Stand-up-Boards im Pazifik paddeln, doch plötzlich stockte ihm der Atem, den Gästen seiner in Sichtweite befindlichen Strandbar blieben Smoothie und Steakburger im Halse stecken. Ein gewaltiger Buckelwal erhob sich vor dem 43-Jährigen aus dem Ozean. Der etwa zwölf Meter lange, tonnenschwere Meeressäuger tauchte erst neugierig auf, dann friedlich ab und schließlich „direkt unter mir hindurch“, erzählt Andreuzzi und gibt zu: „Ein faszinierender Moment, aber auch ein bisschen angsteinflößend.“

Der Hannoveraner wirkt, als fürchte er sich sonst eher selten im Leben. Lässig kommt er daher mit seiner coolen Sonnenbrille, dem silberfarbenen Ohrring, der Statur eines leidenschaftlichen Triathleten und dem gebräunten Teint. Man könnte meinen, er sei Australier. Auf dem Papier und auch im Herzen ist er das tatsächlich, inzwischen hat der Walflüsterer einen australischen Pass. Geboren wurde Andreuzzi aber in Saarbrücken. „Als ich drei Monate alt war, bin ich mit meinen Eltern nach Hannover gezogen“, erzählt der Sohn eines halbitalienischen Vaters. Sein Deutsch ist mit einem australischen Akzent angehaucht: „Ich habe in Bothfeld gewohnt und bin in der IGS Roderbruch zur Schule gegangen.“

Dann lernte er als Bühnenmanager in Braunschweig Danielle kennen, verliebte sich in die Australierin - und zog nach Down Under. Das war vor 14 Jahren. Vor fast elf Jahren eröffnete er in Hervey Bay nahe Fraser Island das „Enzo’s on the Beach“. Der Name ist Programm: „Es gibt kaum eine vergleichbare Bar im Bundesstaat Queensland, die direkt am Strand liegt“, schwärmt Andreuzzi.

Die Flachdach-Location (Spezialität sind die Steakburger) hat Kultcharakter. So sehr, dass sich Tyson Stephens (18), einer der fast 20 Angestellten von Andreuzzi, kürzlich den Schriftzug „Enzo’s on the Beach“ auf den rechten Unterarm tätowieren ließ. Das findet selbst der Strandbar-Chef „verrückt“.

Andreuzzi war früher Ho-ckeyspieler bei den hannoverschen Klubs HCH und DHC, er informiert sich „im Internet immer noch regelmäßig über Hannover, auch über 96“. Kontakte zu damaligen Weggefährten haben Bestand - wie mit seinem früheren Schulkameraden Tim, der ihn im November besucht hat. Andreuzzi pflegt seine Fernfreundschaften mit Hilfe sozialer Netzwerke, da sind selbst 16 000 Kilometer Distanz kein Hindernis.

Wale sehen, Wassersport treiben, am Great Barrier Reef in eine farbenfrohe Welt eintauchen, am Strand spazieren gehen, der Sonne beim Auf- und Untergang zublinzeln - Australien-Auswanderer Andreuzzi hat sich die Wal-Heimat als Wahl-Heimat ausgesucht und ist darüber „sehr glücklich“. Auch wenn im vermeintlichen Paradies nicht alles perfekt ist und er die australische Bürokratie im Vergleich zur deutschen als „noch viel schlimmer“ bezeichnet, würde er sein jetziges Leben nie aufgeben wollen. Zu sehr hat er sich verguckt in den Kontinent der Kängurus, Korallen und Koalas. Und die nächste Buckelwal-Begegnung kommt bestimmt.