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Leben in Hannover Eisenmenger gründete vor 20 Jahren das "Lo & Go"
Hannover Leben in Hannover Eisenmenger gründete vor 20 Jahren das "Lo & Go"
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12:36 20.12.2016
Von Mirjana Cvjetkovic
MISTER MODE: Rolf Eisenmenger kleidet mit „Lo & Go“ zum Beispiel auch Mister Germany 2014Oliver Sanne ein.   Fotos: Dröse (2), Archiv
MISTER MODE: Rolf Eisenmenger kleidet mit „Lo & Go“ zum Beispiel auch Mister Germany 2014 Oliver Sanne ein. Quelle: Rainer Droese
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Eigentlich ist er kein Phrasendrescher. Wenn es um die Historie seines Geschäfts geht, macht Rolf Eisenmenger (62) eine Ausnahme: „Es sollte nur ein kleiner Spaß werden“, sagt er über die Eröffnung von „Lo & Go“, die sich Donnerstag zum 20. Mal jährt, „und aus Spaß wurde Ernst.“ Der Mann mit dem zurückgekämmten weißen Haar schmunzelt und spricht leise.

Das, was der Unternehmer dann zu erzählen hat, überrascht: „Eigentlich wollte ich Fußballer werden“, berichtet er in seinem Laden an der Windmühlenstraße. Ziemlich gut war er als Teenager, er kickte in Frankfurt mit späteren Größen wie Wolfgang Kraus (63) und Rainer Blechschmidt (62). „Bei einem Spiel in England erlitt ich einen Meniskusriss“, erinnert er sich. Noch schlimmer: „Im Krankenhaus wurde ein Herzfehler entdeckt, die Karriere war beendet.“ Für den jungen Eisenmenger brach eine Welt zusammen: „Ich habe damals schon mehr Geld verdient als mein Vater.“

Er entschied sich für eine Lehre als Groß- und Außenhandelskaufmann. Der damals 16-Jährige hängte sich rein und riss während der Ausbildung 70, 80 Stunden in der Woche ab. Durch Kontakte landete Eisenmenger im Versicherungsgeschäft, stieg in der Branche kometenhaft auf und wurde 1983 bester Außendienstmitarbeiter der amerikanischen Firma - weltweit: „Es waren ja nur 48 000 andere dabei.“ Arroganz ist da aber nicht zu hören: Eisenmenger berichtet sachlich - und weiterhin in leisen Tönen. Aufgrund seiner Gabe, „die Dinge ziemlich schnell zu erkennen, einzuordnen, auf mich umzumünzen und anwenden zu können“, verdiente der Karrieretyp schnell großes Geld - „zehnmal mehr als vorher“.

Was litt, war das Privatleben. Weil er von 365 Tagen im Jahr „280 im Hotel verbringt“, ging auch die zweite Ehe zu Bruch. Gut, dass es Cornelia Warnecke (62) gab - und immer noch gibt, seine heutige Ehefrau. Er stellte sie ein, sie arbeiteten zunächst nach dem Motto „1000-mal berührt, 1000-mal ist nichts passiert“ zusammen. Bis bei einer Reise nach Teneriffa die Dinge plötzlich anders waren: „Ich hätte es nie für möglich gehalten“, sagt sie heute und lacht. Beide waren damals noch anderweitig liiert, klärten aber die Fronten: „Wir haben uns für die Liebe entschieden.“

Das war 1993. Seitdem verbringt das Paar auch privat jede Minute zusammen. Die beiden gründeten zwei Firmen (Versicherung, Unternehmensberatung) und kauften nach der Wende neun Firmen im Osten. „Plötzlich hatte man ein paar tausend Mitarbeiter“, sinniert Eisenmenger. Wenig später deutete sich die Wende bei ihm an: Es gab Ärger unter den Gesellschaftern, die Eisenmengers verkauften ihre Anteile. Dass er später einen hohen Batzen Schulden an der Backe hatte, erzählt er auch. Aber: „Ich habe mich wieder aufgerappelt.“

Denn kurz darauf urlaubte das Paar am seinem Lieblingsrückzugsort Sylt. Beim Italiener saßen sie mit Freunden, Einzelhändlern aus der Modebranche, zusammen. „Die wussten nicht, wohin mit ihren alten Dingen aus der Vorsaison“, erinnert sich Eisenmenger. Ob er die nicht einfach für ein paar Wochen in Hannover verkaufen könne, fragte er in die Runde. „Logo!“ lautete die Antwort, und die Geschäftsidee für einen Pop-up-Store mit Designerklamotten war geboren.

„Drei Monate waren vorgesehen“, sagt der 62-Jährige über die neuartige Form („Outlets gab es noch nicht, wir waren bundesweit Vorreiter“) des Verkaufs in der Galerie Luise. Behelfsmäßig stellten sie Baugerüste als Regale auf: „Die Leute fanden es cool.“ Und rannten ihm die Bude ein. Nach zwei Stunden war ihm klar: „Das mache ich weiter.“ Seine Frau klapperte mit einem Lkw in ganz Deutschland Einzelhändler ab, die ihre Ware loswerden wollten, es folgten Ableger in Hamburg, Bremen und Buxtehude.

Als im Jahr 2000 Outlets wie Pilze aus dem Boden schossen, entschloss sich Eisenmenger, an der Rathenaustraße einen Fachhandel zu eröffnen. Männermode ist sein Ding: „Schon als Junge habe ich Zeitungen ausgetragen, damit ich die geilsten Hosen kaufen kann. Solche, wie die Bee Gees hatten.“ Mittlerweile hat er das „Lo & Go“-Geschäft an der Windmühlenstraße seit 2008. Die Kicker von Hannover 96, Spieler der Indians, Mister-Germanys und TV-Bachelors kleiden sich bei ihm ein.

Eisenmenger hat noch einiges vor: „Ich will weitermachen, bis ich 70 bin.“

NPVISITENKARTE

Geboren am 3. Mai 1954 in Frankfurt am Main. Seine Mutter ist Metzgereifachverkäuferin, der Vater Galvanoplastiker. Nach dem plötzlichen Aus als Fußballer findet er im Handel bis heute ein anderes Feld, das ihn begeistert. Mit seiner Frau Cornelia (62) lebt er in Gehrden, sie haben am 22. Dezember zwölften Hochzeitstag, den sie auf Sylt verbringen. Sie essen sehr gerne: „Sie kocht, ich räume ab.“ Für das eigene Label „Roconi“ (Rolf und Coni) entwirft er Mode für Männer, alle Entwürfe probiert er an sich aus: „Ich bin eine wandelnde Schaufensterpuppe.“ www.lo-and-go.de