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Leben in Hannover Ein rastloser Bankmanager wird 75
Hannover Leben in Hannover Ein rastloser Bankmanager wird 75
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22:03 13.11.2014
Von Mirjana Cvjetkovic
Quelle: Behrens
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Hannover

50 Mark. Das war das erste Geld, das Manfred Bodin (75) als Auszubildender bei der Stadtsparkasse Münster verdient hat - 1957. Drei Jahrzehnte später konnte die Nord/LB, an deren Spitze er als Vorstandsvorsitzender 13 Jahre tätig war, eine Bilanzsumme von 200 Milliarden Euro vorweisen.

Da liegen Welten dazwischen. Aber übers Geld wollen wir mit dem gebürtigen Münsteraner im „Röhrbein“ an der Joachimstraße (sein Lieblingsrestaurant) gar nicht sprechen. Zumindest nicht in dem Sinne, den Bodin als Bankmanager in Interviews gewohnt war. Also: Wofür gibt er gern den einen oder anderen Euro aus? Lange muss er nicht überlegen: „Für Bücher“, sagt er prompt. Aber nicht für herkömmliche Exemplare: „Für alte Schriften, die ich in Antiquariaten aufstöbere, bin ich bereit, auch mehr zu bezahlen.“ Es sind volkswirtschaftliche Inhalte, die ihn interessieren. Aber auch Lesestoff zu Kunstthemen. Und Klassiker aus der Literatur: „Werke von Goethe und Schiller in alter Form sind wunderbar. Das ist eine ganz andere Art, darin zu blättern.“

Viel Zeit hat Bodin dafür nicht: „Ich bin zwar pensioniert, aber arbeitslos keineswegs.“ Warum das so ist, erschließt sich schnell: Er ist in der Internationalen Stiftung Neurobionik, in der Lavesstiftung und im Niedersächsischen Zentrum für Biomedizintechnik, Implantatforschung und Entwicklung engagiert, sitzt im VHV-Verwaltungsrat, ist im Förderkreis der Kestnergesellschaft und im Kuratorium des niedersächsischen Instituts für Wirtschaftsfor-schung ...

Seine Meinung, sein Wissen sind immer noch gefragt. Und er kann liefern. Auch wenn sich die Umstände geändert haben: „Früher bekam ich drei zusammengefasste Seiten vorgelegt, heute muss ich Wirtschaftsberichte ganz lesen“, erzählt der 75-Jährige, nippt am Cappuccino und lacht. Wenigstens hat er sich mittlerweile mit der Technik (Tablet, Smartphone) angefreundet, „als ich pensioniert wurde, konnte ich damit nicht so gut umgehen“. Da kam schon mal ein Dankesschreiben, „weil ich einen handgeschriebenen Brief verfasst hatte. Dabei war es nur eine Notlage.“

Als Bodin 1939 geboren wurde, herrschte im ganzen Land Notlage, es war Krieg. „Es war eine andere Zeit. Man war gewohnt, auf sich selbst aufzupassen“, erinnert sich das heutige Geburtstagskind. In der Schule aufzupassen, war nicht immer leicht: „Wir mussten die Gebäude oft wechseln, da viele zerstört waren.“ Er hat sich aber nie von seiner Idee abbringen lassen, Bankkaufmann zu werden. Auch der Wille seines Vaters konnte das nicht verhindern: „Er wollte, dass ich ein guter Beamter werde.“ So ist der junge Manfred Bodin heimlich zur Sparkasse gegangen, er bat um einen Termin beim Vorstand. Dem trug der damals 18-Jährige vor, warum es keine andere Alternative für ihn gebe: „Er hat mich zwar erst ganz groß angeguckt, aber ich erhielt den Ausbildungsplatz.“

Es folgte eine steile Karriere, auch wenn die so nicht wirklich geplant war. „Ich habe es drauf ankommen lassen“, erläutert Bodin seine erste Bewerbung auf einen Vorstandsposten. Da war er gerade mal 30 Jahre alt. Wieder bekam er die Stelle. Es folgten 34 Jahre als Vorstand, 28 davon hatte er sogar den Vorsitz inne. Eine lange, intensive Zeit - wenn er heute am Nord/LB-Gebäude am Aegi vorbeifährt, „gibt es da sicherlich Emotionen“. Die kommen auch mal hoch, wenn er im Garten in Burgwedel den kaputten Anschluss sucht, der die Beleuchtung des Grundstücks lahmgelegt hat: „Das habe ich selbst installiert, es ist mittlerweile sehr komplex. Ich habe ein Faible für elektrische Anlagen.“

Wir wünschen viel Spaß beim Weiterbasteln - und beim Auffinden des defekten Anschlusses!