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Leben in Hannover Ein Leben am Mikro: Gasse ist der "Rhetorikheld"
Hannover Leben in Hannover Ein Leben am Mikro: Gasse ist der "Rhetorikheld"
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Von Mirjana Cvjetkovic
Tim Christopher Gasse ist auch der Stadionsprecher der Recken.
Tim Christopher Gasse ist auch der Stadionsprecher der Recken. Quelle: Sielski
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Hannover

Praktikantenjob ist eben nicht gleich Praktikantenjob: „Ich dachte, ich soll Kaffee kochen, durchsaugen, Fenster putzen“, erinnert sich Tim Christopher Gasse (31) an seine Anfänge 2004 bei Radio Aktiv in Hameln. „Die haben mir aber gleich ein Mikro in die Hand gedrückt.“ Seitdem steht das Mundwerk des Mannes in der Öffentlichkeit nicht mehr still.

Wenn es bei Spielen vom TSV Hannover Burgdorf in der Swiss Life Hall „Hannover! Attackeee!“ aus den Lautsprechern dröhnt - Gasse wars! Er ist schon in der dritten Saison Stadionsprecher des Handball-Bundesligisten. „Sport hat mir schon immer gut gelegen“, erzählt Gasse der NP. So gut, dass er 2008 für seinen Live-Kommentar „Hannover 96 - Werder Bremen. Die Schlussphase“ mit dem Niedersächsischen Radiopreis ausgezeichnet worden ist. Laudator war übrigens Dieter Hecking (50), damals noch Trainer von 96.

Im gleichen Jahr landete Gasse auch vor der Kamera. „Ich kann doch gar kein Fernsehen“, meinte er eigentlich, und fand sich bei Sat.1 in den Regionalstudios wieder - berichtete vom Castor-Transport, entflohenen Büffeln und dem Prozess um Ex-Bundespräsident Christian Wulff (55). Auch wenn er immer auf Zack war (und ist), die aktuelle Nachrichtenlage sein Leben prägte, empfand er seine TV-Zeit als Stillstand, „es ging nicht voran.“ Über viele Monate hinweg überlegte er, sich als Medientrainer und Moderator selbstständig zu machen. „Irgendwann standen auf meiner Liste 17 Punkte für eine Kündigung, 15 sprachen dagegen.“

Im Sommer 2014 folgte der Schritt, mit „Rhetorikhelden“ gründete er seine eigene Firma, mit der er in der Halle 96, dem Zentrum für Kreative, im Hanomaghof sitzt. „Ich kombiniere konventionelle Methoden mit dem, was in Zukunft zählt“, erläutert er sein Konzept. Dazu gehören Interviews und Präsentionen wie Video-Marketing fürs Internet und Umgang mit Social Media. Er weiß, „dass auf gewissen Ebenen ein anderer Umgangston herrscht.“ Der 31-Jährige grinst: „Zurzeit treffen Generationen aufeinander - das ist meine Chance. Vielleicht nicht heute, aber in fünf Jahren.“

Angst vorm Scheitern hat er nicht, die Entscheidung einen sicheren Job gegen die ungewisse Existenzgründung zu tauschen, war ja eine bewusste. „Klar kann man mal falsch abbiegen. Aber so lernt man Land und Leute kennen.“ Wie immer hat er einen Spruch parat. Land und Leute kennenlernen, macht er auch in seiner Freizeit - mit dem Wohnmobil. „Wenn mir im Büro die Decke auf den Kopf fällt, arbeite ich auch mal einen Tag aus dem Wohnmobil heraus“, erzählt er. Zum Beispiel ist er nach Cuxhaven gefahren, hat sich in Shorts und Tanktop ins Watt gesetzt - und gearbeitet, mit dem Laptop auf dem Schoß. Das Gefährt ist sonst für Trips nach Südfrankreich und die Toskana gedacht. Immer mit an Bord: Freundin Juliane (32). In den Osterferien geht es nach Sankt Peter-Ording an die Nordsee. Ob Gasse es da mal ruhiger angehen lässt? Seine Freundin weiß: „Er arbeitet selbst. Und ständig.“