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Leben in Hannover Ein „Halleluja“ für die Las-Vegas-Orgel
Hannover Leben in Hannover Ein „Halleluja“ für die Las-Vegas-Orgel
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23:30 18.12.2013
Von Andrea Tratner
SEIN REICH: Im Instrumentenlager hat Lutz Krajenski Platz für neun Orgeln.
SEIN REICH: Im Instrumentenlager hat Lutz Krajenski Platz für neun Orgeln. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Donnerstagabend beim ausverkauften Konzert mit Juliano Rossi alias Oliver Perau (42) im Ballhof sollte eigentlich der erste große Auftritt sein. Aber das Instrument ist trotz perfekter Lackierung doch noch eine „Baustelle“.

„Unendlich viele Arbeitsstunden“ stecken in der Orgel, die der 40-Jährige Anfang des Jahres einem Hamburger abgekauft hatte: „Sie war in einem jämmerlichen Zustand.“ Zusammen mit Tischlermeister Sascha Westermann (37) und Elektronik-Spezialist Carsten Meyer (53) hat er sie auf Vordermann gebracht. Jetzt ist seine 130 Kilo schwere „Las-Vegas-Orgel“ („Vielleicht war sie ja mal mit Supertramp auf Tour, wer weiß“) das Glanzstück des kleinen Orgelmuseums, das sich das musikalische Multitalent in seinem Lager eingerichtet hat.

Wersi, Wurlitzer, Technics, Lowrey, Yamaha, 50 Jahre Musikgeschichte. Zu jedem Gerät kann Krajenski eine Anekdote erzählen, während seine Finger über die Tasten flitzen. Neun Orgeln stehen im Raum, eine ist auf dem Flur zwischengelagert, eine andere bleibt im Hamburger Thalia-Theater, wo der Hannoveraner regelmäßig Musik macht. „Da steht auch eine Hammond, sie wurde 1955 in Chicago gebaut. Mit ,Der Kirschgarten‘ waren wir in Sibirien auf Gastspielreise - sie hat also den Klassenfeind besucht“, sagt er und lacht.

Krajenski sammelt seit zehn Jahren Orgeln - aber eigentlich nur Instrumente, die ihn an seine Kindheit erinnern. Als er vier Jahre alt war, baute ihm der Großvater ein Akkordeon zur Tischorgel um. Später folgte ein Orgelbausatz der Marke Dr. Böhm. Bis zu 40 000 Mark kosteten damals die wuchtigen Heimorgeln - unerschwinglich! „Heute kann ich mir leisten, wovon ich als Kind nur geträumt habe.“ Eine Yamaha-Orgel aus den 80ern („Die sieht aus wie ein Raumschiff“) kaufte er für schmales Geld einem Entertainer in Basel ab, eine wuchtige Wersi („mein Brummer“) bekam er von einem älteren Herrn aus Linden geschenkt. „Die sollte auf den Sperrmüll!“ Teuer seien aber immer noch echte Hammonds: „Die B-3 ist ein Oldtimer. Und für die Ewigkeit gebaut.“ Noch zwei Tage Arbeit, dann soll das weiße Las-Vegas-Modell perfekt sein. „Man muss schon verrückt sein für so ein Hobby“, sagt Krajenski. Aber er weiß jetzt schon: „Halleluja, das wird ein großer Auftritt!“

3 Wer Interesse an einer Führung hat, findet Infos im Internet:

www.lutz-krajenski.de