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Leben in Hannover Dieser Gärtner ist ein Kaffeekenner
Hannover Leben in Hannover

Eastcoffee: Ronny Jocius-Schneider verkauft auch lokale Lables

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08:10 22.12.2021
Lebt, was er liebt: Ronny Jocius-Schneider vor seinem Shop an der Lister Meile 52.
Lebt, was er liebt: Ronny Jocius-Schneider vor seinem Shop an der Lister Meile 52. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Morgens steht er immer rechtzeitig auf, um ausreichend Zeit für sein Morgenritual zu haben. „Ich liebe Filterkaffee, mahle dafür die Bohnen frisch und genieße die erste Tasse Kaffee ganz bewusst“, sagt Ronny Jocius-Schneider (42). Filterkaffee – das klingt in den Ohren vieler Espresso-Experten wie die Plörre von gestern. „Ich mag das Klare an dem Kaffee“, hält Jocius-Schneider dagegen. „Die Fruchtnoten kommen beim Filterkaffee besser zur Geltung.“

Da hört man es schon raus: Der 42-Jährige ist vom Fach, hat sich unter anderem zum Kaffee-Sommelier fortbilden lassen. „Mit der Zeit schmeckt man ganz deutlich die Zitrusnoten, Beeren- oder Schokoladenaromen der einzelnen Sorten heraus“, versichert der Mann, der an der Lister Meile das Fachgeschäft „Eastcoffee“ führt, „das ist reines Training.“

Mit Kaffee hatte er anfangs nichts am Hut

Dabei war Ronny Jocius-Schneider nach Hannover gekommen, um Landschaftsarchitektur zu studieren, damals im Jahr 2003. Er war gelernter Gärtner, hatte vier Monate in den Niederlanden Praktika gemacht, nun sollte das Studium seine Kenntnisse vertiefen. „Mit Kaffee hatte ich zu der Zeit nichts am Hut. Ich habe morgens eine Tasse getrunken, das war es.“

In der Oststadt: der Café-Shop von außen. Quelle: Nancy Heusel

Das änderte sich, als der Student begann, nebenbei in dem Café „Contigo“ (später „Camolini“) am Weißekreuzplatz zu jobben. Wie entstand die Leidenschaft für das Thema Kaffee? „Es passierte einfach“, sagt der 42-Jährige. „Ich habe mich intensiv eingelesen, ich habe begonnen zu rösten, die verschiedenen Zubereitungsarten kennengelernt, Fortbildungen gemacht.“ Und er entdeckte: „Kaffee ist so vielseitig, das Handwerk ist faszinierend. Und Röster sind echte Künstler!“

Ronny Jocius-Schneider

*24. Juni 1979 in Osterburg in der Altmark. Nach dem Abi Grundwehrdienst in der Bundeswehr in Hildesheim und Munster. Jocius-Schneider absolviert eine Ausbildung zum Garten- und Landschaftsbauer in Stendal (Altmark). Nach einem Gärtner-Praktikum in den Niederlanden beginnt er 2003 das Studium der Landschaftsarchitektur in Hannover. Nebenbei steigt er in das Kaffeebusiness ein, bildet sich zum Barista und Kaffee-Sommelier weiter und übernimmt schließlich das „Contigo“ am Weißekreuzplatz, heute führt er den Nachfolger „Eastcoffee“ an der Lister Meile 52. Jocius-Schneider lebt im Pelikanviertel, liebt das Gärtnern und die Fotografie.

Sein Chef damals war der „Camolini“-Betreiber Thomas Brinkmann, der parallel auch die Kaffeeschule Hannover eröffnete und immer noch die Roastfactory betreibt, bei der Jocius-Schneider auch seine Sorten rösten lässt. Die Leidenschaft für den Kaffee wuchs immer mehr, das Studium rückte in den Hintergrund: „Ich sah mich nicht in dem Job des Landschaftsarchitekten, der den ganzen Tag im Büro sitzt und Pläne zeichnet.“

Es gibt auch wechselnde „Gast-Kaffees“

Aus der Festanstellung wurde schließlich die Selbstständigkeit. Seit dreieinhalb Jahren führt der gebürtige Altmärker das „Eastcoffee“ an der Lister Meile, verkauft dort 18 bis 20 Kaffeesorten, die in der hannoverschen Roastfactory geröstet werden, aber auch wechselnde „Gast-Kaffees“, derzeit von den „Coffee Pirates“ aus Wien, sowie eine Auswahl an Zubehör.

Lokal: T-Shirts aus der „Roderbruch.de“-Kollektion. Quelle: Nancy Heusel

Doch das ist nicht alles. In dem nur gut 30 Quadratmeter großen Shop finden Kunden viele Naschereien – und viele Produkte von Hannover-Kreativen, die mit Kaffee rein gar nichts zu tun haben. Labels wie Roderbruch.de haben ihre Bio- und Fairtrade-Shirts im „Eastcoffee“ hängen. Das lokale Label Hint Looks stellt Fliegen, Einstecktücher, Socken und Westen her – auch von diesen individuellen Accessoires für den Mann hält Jocius-Schneider eine Auswahl bereit.

Meist kommt der Kontakt mit den kleinen Händlern persönlich und per Zufall zustande. Poisy Liebermann von Poipottery stellt individuelle Keramik her. „Sie war als Kundin hier, wir kamen ins Gespräch, fanden uns sympathisch“, erzählt Ronny Jocius-Schneider. Nun kann man bei ihm die Tassen und Becher – allesamt Unikate – der Hannover-Kreativen erstehen.

Unikate: Becher von dem Label Poipottery. Quelle: Nancy Heusel

Erst seit Kurzem sind Mützen von der Limmerei im Sortiment, Ketten und Armbänder von dem Label Pearlmemore sind ein weiteres Beispiel für lokale Kooperation. „Es muss eine Verbindung zwischen den Händlern und mir da sein“, sagt der Kaffee-Experte.

Neben den vielen Hannover-Labels verkauft der 42-Jährige aber auch feine, kleine Produkte, die ihm einfach Spaß machen. Lakritze aus Finnland und Schweden zum Beispiel, die sich Kunden individuell zusammen stellen können, „das ist ein Selbstläufer“. Und er hat Gebäck aus seiner Heimat im Angebot. „Verzuckert Osterburg“ ist eine Serie des traditionellen Café Behrends seiner Heimatstadt, die inzwischen von der jungen Generation übernommen wurde, „die machen moderne Produkte, probieren viel aus.“

Seit Kurzem im Sortiment: Mützen von der „Limmerei“. Quelle: Nancy Heusel

Die Corona-Epidemie hat Ronny Jocius-Schneider bislang kaum geschadet. „Ich bin Einzelhändler mit Lebensmitteln und musste im Lockdown nicht schließen.“ Umso glücklicher waren die kleinen Start-ups, bei ihm etwas Verkaufsfläche bekommen zu können. Auch in Zukunft will der Kaffee-Liebhaber sein Sortiment stets neu komponieren. „Ich bleibe nicht stehen“, sagt er, „ich möchte immer wieder besondere Produkte entdecken. Das ist es, was mich an der Selbstständigkeit reizt.“

Von Julia Braun