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Leben in Hannover "Doc" Wego Kregehr hat endlich Zeit zum Kochen
Hannover Leben in Hannover "Doc" Wego Kregehr hat endlich Zeit zum Kochen
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18:42 19.03.2014
Von Mirjana Cvjetkovic
NP-Sprechstunde bei Wego Kregehr.
NP-Sprechstunde bei Wego Kregehr. Quelle: Florian Petrow
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Hannover

So ganz kann er es nicht lassen: „Von hier aus sehe ich sogar das Geheimtraining.“ Wego Kregehr (53) grinst, als er aus seiner Privatpraxis auf die HDI-Arena guckt. Tatsächlich: Aus der zweiten Etage kann man den Platz, auf dem Hannover 96 trainiert und spielt, einigermaßen gut einsehen.

Für den Kniespezialisten ist es kein Thema mehr, dass er für die Mannschaft in ärztlicher Hinsicht nicht mehr die Nummer eins ist. „Ich habe Abstand gewonnen“, betont er, „zu Spielen gehe ich noch, gehöre aber nicht mehr in die heiligen Katakomben.“ Nach zwölf Jahren als Mannschaftsarzt war er 2009 entlassen worden: „Das war der Hammer“, erzählt der Schnurrbartträger, den alle nur „Doc“ nennen, als er die NP zur Sprechstunde empfängt. „Es hat mich fertig gemacht.“ Seinem Unmut machte er damals Luft - auch öffentlich: „Ich brauchte das, auch wenn es vielleicht doof war.“ Aber die Tränen, die der gestandene Mann vergossen hat, sind längst getrocknet.

Nur wenn er von Robert Enke († 32) spricht, steigt ihm das Wasser wieder in die dunklen Augen: „Ich habe jeden Tag gesehen, was sich dort abspielte“, erinnert sich der 53-Jährige an die Tage im November 2009. Hunderte Fans pilgerten nach Enkes Selbstmord zur Arena, legten Blumen, Kerzen, Briefe nieder. Sein Abschiedsspiel gegen die Bayern, das sich der Arzt ausgesucht hatte, „wurde so was von egal. Ich hatte an Anderes zu denken, als an mich - an Robert nämlich.“

So war Kregehrs Abgang dann eher ein stiller. Mannschaftsarzt blieb er aber noch gut drei Jahre - von den Hannover Indians nämlich: „Ich konnte den Scheiß einfach nicht lassen“, sagt Kregehr lachend. Glauben wir sofort - 96 war ja nicht der erste Klub, den er betreute: Erst kamen der ECH, dann American-Football-Teams, Damenhandball, Rugby ...

Das Diagnostizieren auf dem Spielfeld kann er bis heute nicht lassen: „Ich habe sofort gesehen, dass es eine Schulterluxation ist“, so der 53-Jährige über die fiese Ausrenkung, die sich 96-Stürmer Mame Diouf (96) beim Leverkusen-Spiel zugezogen hatte. Der Mediziner setzt ein Siegerlächeln auf. Man spürt aber, dass er losgelassen hat: „Ich bin zeitlich selbstbestimmt“, sagt er und erwähnt nur beiläufig, dass er nur ein einziges Mal (!) nicht bei einem 96-Match (Bundesliga, Freundschaftspiele, Pokal, Europapokal, Trainingslager) dabei war: „Da hatte mein Sohn Konfirmation.“ Der heißt Adrian und ist mittlerweile 26. Was macht der so? Kregehr zieht eine Augenbraue hoch: „Medizin studieren.“ Fragt Adrian (ist im achten Semester) um Rat? „Nee, er glaubt, dass ich das nicht richtig erklären kann. Er guckt lieber in die Bücher.“

Kregehr weiß, dass er zu Hause gefehlt hat - besonders an den Wochenenden. Aber: „Die Familie hat es immer mitgetragen.“ Bestimmt freut sich Gattin Ute (53), dass ihr Mann (seit 27 Jahren verheiratet) öfter zu Hause in Isernhagen ist. „Klar, jetzt koche ich an Wochenenden.“