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Leben in Hannover Dieter Thomas Kuhn: „Die Föhnwelle ist immer noch echt!“
Hannover Leben in Hannover Dieter Thomas Kuhn: „Die Föhnwelle ist immer noch echt!“
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20:42 06.09.2013
Von Andrea Tratner
GELEGT, NICHT GEWICKELT: Dieter Thomas Kuhn im Glitzerfummel – der Schwabe wird auch „die singende Föhnwelle“ genannt.
GELEGT, NICHT GEWICKELT: Dieter Thomas Kuhn im Glitzerfummel – der Schwabe wird auch „die singende Föhnwelle“ genannt. Quelle: Florian Schwinge
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Hallo, hier ist Dieter Thomas Kuhn.

Oh! Sie melden sich ja sogar am Telefon mit dem Namen ihrer Kunstfigur. Gibts denn gar keine Unterschiede mehr zum bürgerlichen Thomas Kuhn ...?
Ich lebe diese Figur seit 20 Jahren - und habe gemerkt, dass diese zwei Persönlichkeiten doch sehr eng miteinander verknüpft sind. In dem Dieter Thomas auf der Bühne steckt ganz viel von mir drin. Die Emotionen sind echt. Ich würde nur privat niemals ein Brusthaar-Toupet tragen (lacht).

Wie wurden Sie denn DTK?
Ich habe im Chor der Band eines Italieners gesungen, der hat sich aber aus dem Staub gemacht. Ich wurde dann Frontmann. Und im Proberaum haben wir festgestellt, dass es italienische Hits auch auf Deutsch gab - wir haben das umgedreht. Als es um das erste Konzert ging, habe ich gesagt: Ich kann da nicht mit Jeans und T-Shirt rausgehen! Die Freundin eines Musikers war Friseurin - sie hat uns den Look verpasst. Die Föhnwelle hab ich bis heute.

Und warum der „Dieter“?
Ich bin Jahrgang 1965, ich war als Kind mittendrin in dieser „Hitparaden“-Zeit mit Dieter Thomas Heck, die ist nicht wegzudenken aus meinen Erinnerungen.

Gibt es Songs aus der Zeit, die Sie gern gehört haben?
Ich bin dank meiner älteren Geschwister eigentlich sozialisiert mit Bands wie Steely Dan und Ten CC, Pink Floyd war meine Welt. Ich fand aber auch von Karel Gott „Einmal um die ganze Welt“ sehr schön. Und der Traum eines jeden Heranwachsenden war natürlich Peter Maffays „Und es war Sommer“. Mir geht heute noch das Herz auf, wenn ich diese Zeile höre „Ich war 16 und sie 31 ...“

Haben Sie eigentlich den Schlager gerettet?
Naja (lacht). Wir haben ihn zurückgeholt zu einer Zeit, in der er am meisten in Vergessenheit geraten war. Ob ich die Rettung war? Ich weiß es nicht ...

Wer kommt zu den Konzerten: Leute, die Schlager lieben? Oder die es lieben, sich über Schlager lustig zu machen?
In erste Linie kommen Leute, die Dieter Thomas Kuhn lieben! Es ist inzwischen fast zweitrangig geworden, was ich singe. Es geht auch darum, sich selbst und diesen Abend zu feiern - mit uns als Medium oder Katalysator. Flokati, Perücken, große Sonnenbrillen und Prilblumen gehören dazu. Die Leute brechen aus ihrem Alltag aus. So empfinde ich das auch auf der Bühne.

Haben Sie noch weitere Songs aus den 70ern im Visier?
Es gibt noch jede Menge Schätze zu heben! Wir sind so weit, dass wir jetzt Songs ins Programm nehmen, die wir vor 15 Jahren noch abgelehnt haben. Das ist ein natürlicher Prozess, weil man plötzlich Dinge sieht, die man früher nicht erkannt hat. Vielleicht ist es auch eine Frage von Alter und Weis- heit ...

Gibt es eigentlich Reaktionen der echten Künstler?
Reinhard Mey war der Einzige, der es nicht lustig fand, dass wir „Über den Wolken“ gesungen haben. Er hat uns gerichtlich gedroht, es kam aber nie etwas dabei raus. Ansonsten gabs viel Lob, wir haben ja fast alle aus dieser Zeit irgendwann mal kennengelernt. Michael Holm und Bata Illic fanden es jedenfalls toll.

Haben Sie schon mal die Finger ausgestreckt nach Stücken aktueller Stars wie Andrea Berg oder Helene Fischer?
Wir werden uns hüten, das zu tun! Unsere Fans sehen die Konzerte ja mit einem Augenzwinkern. Die Ernsthaftigkeit der echten Schlagerszene ist bei uns außen vor. Bei Dieter Thomas Kuhn herrscht eher das Gefühl des Rock ’n‘ Roll.

Und wie gehts die nächsten 20 Jahre weiter?
Ich werde hoffentlich den richtigen Zeitpunkt erkennen, wenn wir aufhören sollten. Ein kleiner Schritt wäre es ja vielleicht erstmal, das Brusthaar-Toupet grau zu färben (lacht). Ich bin ja zum Glück von einer Glatze verschont worden, die Föhnwelle ist immer noch echt - auch wenn die Haare dünner werden.

Wie machen Sie die Haare bühnentauglich?
Für die Frisur brauche ich 30 Minuten. Zwei Stunden vor dem Konzert gehts in die Garderobe - das ist ein Ritual, ein Gläschen Ramazzotti inklusive.