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Leben in Hannover Die spezielle Empfangsdame im GOP
Hannover Leben in Hannover Die spezielle Empfangsdame im GOP
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09:24 07.04.2015
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Hannover

Die Welt von Nikita Troy (verrät ihr Alter nicht) ist die Welt der Illusionen. „Ich liebe es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Sobald die Perücke sitzt, bin ich ein anderer Mensch“, sagt die Künstlerin und schiebt sich demonstrativ eine rotbraune (unechte) Haarsträhne beiseite. An diesem Abend hat sich die Hannoveranerin mit den haselnussbraunen Augen (die sind echt!) in die Palast-Diva des GOP verwandelt. Eine Gastgeberin mit Stil eben!

In dem verspielten Chiffonkleid mit Schleife sieht sie bezaubernd aus. Natürlich ist es kein Zufall, dass die aktuelle Varieté-Show „Zauberhaft“ heißt: „Ich kreiere zu jedem Programm ein passendes Outfit. “ Und Troy wäre nicht Troy, wenn sie nicht allem ihren Stempel aufdrücken würde. „Die spezielle Nikita-Note“, formuliert sie es charmant, und irgendwie weiß man gleich, was sie meint, blickt man auf ihr Lederjäckchen und die schwarzen Lack-Stilettos. „Schrill, extravagant, im-mer ein bisschen sexy“, sagt sie kokett, ohne eingebildet zu klingen. Die kecke Hannoveranerin ist eben ein alter Hase im Showgeschäft.

Papa Bernd Reckemeier (†) hatte sie zum sechsten Geburtstag mit einem Besuch bei Zirkus Roncalli auf dem Waterlooplatz überrascht. „Als die Nummer mit dem Trapez kam, hab ich zu ihm gesagt: ,Das will ich auch machen‘“, erinnert sich die zierliche Dame. Fünf Jahre später hing sie das erste Mal am Trapez im Kinderzirkus, mit 16 Jahren gings an die Artistenschule nach Berlin. „Ich habe aber abgebrochen, weil ich einen anderen Schwerpunkt als Trapez wählen sollte. Das wollte ich nicht“, erzählt sie resolut, zugleich liegt in ihrer Stimme immer etwas Sanftes. Nein, verbiegen lassen hat sie sich noch nie. Gut so!

Wer weiß, ob sie sonst den Weg eingeschlagen hätte, der im Rückblick irgendwie perfekt zu ihr passt: wild, aufregend, bunt. Sie tauchte ein in die Berliner Nachtszene, blühte auf in der schnelllebigen Welt aus Make-up, Kostümen, Glanz und Gloria. Die Künstlerin Nikita Troy wurde geboren. „Mit 19 wanderte ich nach Spanien aus, hatte En-gagements auf Mallorca, später auf Mykonos“, erzählt sie, als sei das eine Selbstverständlichkeit. Eine ihrer Paraderollen: der Frank N. Furter aus der „Rocky Horror Show“. Ja, sie ist auch als Drag-Queen gefragt, „obwohl ich eine Frau bin“. Vielleicht wäre es ewig so weitergegangen, ihr rastloses Leben. „Aber dann wurde mein Vater schwer krank, hatte nicht mehr viel Zeit, die wollte ich bei ihm sein“, betont sie und legt die Hände ineinander, als könnte sie sich so selbst Halt geben. Familie und Freunde sind für die Künstlerin sehr wichtig: „Hinter der Maske bin ich sehr sensibel und harmoniebedürftig.“

2009 zog sie zurück nach Hannover – und blieb, auch nach dem Tod von Papa Bernd. Der Grund? „Das GOP!“ Natürlich gibts dazu wieder eine spezielle Nikita-Geschichte. „Ein Freund schleppte mich vor gut zwei Jahren mit. Ich kannte das Varieté vorher gar nicht“, gibt sie zu. Aber als sie das erste Mal den Georgspalast betrat, „dachte ich sofort: Warum stehe ich nicht hier und begrüße die Gäste? In der Rolle habe ich mich sofort gesehen.“ Und wieder einmal ließ die Troy nicht locker. Sie sprach bei Marketing-Chef Bobo Weinzierl (36) vor. „Der war von der Idee sofort begeistert“, sagt sie – wie auch GOP-Chef Dennis Bohnecke (35). Seit gut einem Jahr ist das Varieté nun „ihr Reich. So hat Dennis es mal bezeichnet. Schön, oder?“

Noch besser ist aber: „Ich habe im GOP endlich das erste Mal das Gefühl, angekommen zu sein“, sagt die Künstlerin, die in Herrenhausen wohnt. Sie lächelt zufrieden. Das liegt auch daran, dass „wir wie eine große Familie sind“. Oft geht sie mit Kollegen nach der letzten Vorstellung noch auf einen Drink ins HeimW oder in die Sternwarte an der Theaterstraße. „Zum Feiern auch gerne in den Wasserturm“, ergänzt das Energiebündel. Da kann man sie übrigens auch oft in schrecklich-schöner Maskerade bei den „Horror Nights“ von Mark Terenzi (36)sehen.

Sesshaft wird das verrückte Huhn aber wohl nie. Mit eigenen Shows ist Troy weiter weltweit unterwegs. Aber Hannover ist jetzt wieder richtig zu ihrer Heimat geworden: „Ich liebe das Neue Rathaus. Es sieht aus wie ein Märchenschloss.“ Womit wir wieder bei der Welt der Illusionen wären. Hannover verzaubert eben auch. Passt doch perfekt zu Nikita Troy.

Jana Meyer

Die Show läuft von Dienstag bis Sonntag täglich. Karten kosten zwischen 15 und 44 Euro. NP-Leser mit Abo-Plus-Pass bekommen beim Kauf von zwei GOP-Tickets einen Rabatt angerechnet.