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Leben in Hannover „Die jungen Ärzte“: VOX zeigt Serie mit zwölf MHH-Medizinern
Hannover Leben in Hannover „Die jungen Ärzte“: VOX zeigt Serie mit zwölf MHH-Medizinern
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12:35 13.08.2012
Von Michael Lange
TRÖPFCHEN FÜR TRÖPFCHEN: 
Iyas Hamwi wird als Hämato-
Onkologe viel mit Blut zu tun haben 
– in seinem Beruf geht es vorwie-
gend um Leukämie-Erkrankungen.
TRÖPFCHEN FÜR TRÖPFCHEN: Iyas Hamwi wird als Hämato-Onkologe viel mit Blut zu tun haben – in seinem Beruf geht es vorwie-gend um Leukämie-Erkrankungen. Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Neuigkeiten für Fans von Krankenhaus-Serien: Junge Ärzte sind gar nicht so. Junge Ärzte tappen nicht pausenlos in Sexfallen liebestoller Krankenschwestern oder -pfleger (oder stellen selber welche). Junge Ärzte bedienen sich nicht zwanghaft im Ta-blettenschrank (oder saufen wie die Ziegen). Manche haben nicht einmal Ähnlichkeit mit Fernsehstars. Wenn ein Klischee stimmt, dann dieses: Junge Ärzte haben reichlich Stress, nicht nur wegen der elend vielen Überstunden. Marc Riemer weiß das: „In dem Job geht es nicht ums gute Aussehen. Es geht darum, Komplikationen zu erkennen und Komplikationen zu beherrschen. Das Wichtigste ist, einen kühlen Kopf zu bewahren.“

Der 28-Jährige sollte wissen, wovon er spricht. Schließlich wird Riemer als einer von gut 650 Assistenzärzten an der Medizinischen Hochschule Hannover zum Facharzt ausgebildet. Und obendrein ist der angehende Chirurg demnächst in einer Krankenhaus-Serie zu sehen: Ab dem 25. August, jeweils sonnabends ab 22 Uhr, läuft auf VOX „Die jungen Ärzte“. Die fünfteilige Reportagereihe begleitet zwölf Mediziner-Azubis - vier Frauen und acht Männer von der MHH - in ihrem ganz und gar realen Berufs- und gelegentlich auch privaten Alltag.

Die Dreharbeiten von September bis Dezember 2011 waren eine Herausforderung. Was damit zu tun hat, dass der Job unablässig Stress durch neue Situationen schafft. „Die wollten uns in der Hektik erleben“, erinnert sich Riemer, „die haben die Kameras nicht ausgemacht, wenn man Dinge zum ersten Mal gemacht hat. Das ging schon an die Substanz.“

Auch für Assistenzarzt Iyas Hamwi war die Nähe der Kamera „mega-ungewohnt“. Der 29-Jährige spezialisiert sich auf Hämato-Onkologie, wird es als Facharzt also überwiegend mit Leukämiefällen zu tun haben. Gefilmt wurde er beispielsweise bei einer Knochenmark-Entnahme, bei der es dann zu Komplikationen kam. Hamwi war absolut nicht böse, dass ihm Oberärztin Stefanie Buchholz zur Seite stand. „Man ist unsicher“, gibt Hamwi zu, „macht man etwas zum ersten Mal, denkt man: Habe ich nicht irgendetwas übersehen?“ Allerdings wird der Ärzte-Nachwuchs in schwierigen Situationen nie allein gelassen: „Man hat immer einen Supervisor, man hat immer jemanden, den man fragen kann“, sagt Hamwi.

Insgesamt 20 Kandidaten gab es beim Mediziner-Casting an der MHH, zu den zwölf Auserwählten gehörte auch Anna Gößling. Obwohl die künftige Frauenheilkundlerin anfangs gar nicht wollte: „Man gibt sehr viel von sich preis, da musste man mich erst mal überzeugen.“ Die Argumente der TV-Macher überzeugten die 31-Jährige schließlich. Die Kölner Produktionsfirma Fandango („Mieten, Kaufen, Wohnen“) war an ihrer Mitwirkung auch deshalb sehr interessiert, weil Gößlings Mann Thomas ebenfalls Klinikarzt ist und das Paar zwei kleine Kinder hat: „Die wollten wissen, wie man das zusammenbringt: Beruf und Familie.“

So wurde Gößling nicht nur bei Geburten im Kreißsaal gefilmt, sondern auch zu Hause - um zu zeigen, wie die Familie ihren keineswegs unkomplizierten Alltag organisiert: „Die Dreharbeiten haben den Kindern Spaß gemacht“, war die anfangs skeptische Gößling angenehm überrascht.Die Intention der Serie findet sie ohnehin gut: „Ärzte sind ja keine Götter in Weiß - sondern Menschen, die den Beruf erlernen müssen“, sagt sie, „man wächst da halt rein.“

60-Stunden-Woche, Druck, Verantwortung - das ist die berufliche Realität, und das will der Fünfteiler abbilden. Gestellt sei nichts, sagt Onkologe Hamwi: „Da ist nichts geschönt, das macht alles einen Sinn.“ Er findet es „gut, wenn andere mal sehen, was wir machen, ohne romantische Soße und so“. Vielleicht riskieren ja auch Krankenhaus-Serien-Liebhaber mal einen Blick in die Realität. Hannovers junge Ärzte zeigen sie ihnen gern.

Laura Zacharias 06.08.2012
Zoran Pantic 09.08.2012