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Leben in Hannover Der gute Geist von Schloss Marienburg
Hannover Leben in Hannover Der gute Geist von Schloss Marienburg
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22:14 11.03.2014
Von Mirjana Cvjetkovic
VERBUNDEN: Tatjana Pohl mochte schon alsKind das Schloss Marienburg.
VERBUNDEN: Tatjana Pohl mochte schon als Kind das Schloss Marienburg. Quelle: Dröse
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Hannover

Die Enttäuschung saß ganz schön tief: Als 16-Jährige machte Tatjana Pohl (41) mit finnischen Austauschschülern eine Führung durch das Schloss Marienburg. „Da hieß es nur ‚links, Bild alt; rechts, Schrank alt‘, das war wirklich nicht schön.“ Und die Gymnasiastin machte ihrem Unmut Luft: „Ich fand die Führung blöd“, petzte sie beim Hausmeister. Der drückte ihr einen Katalog des Schlosses in die Hand und sagte: „Dann mach es besser.“

Gesagt, getan! „Ich habe individuelle Führungen erstellt“, erzählt Pohl beim Milchkaffee mit der NP im Schlossrestaurant. Und so führte die Blondine durch das Welfenanwesen. Das ging während des Studiums (Logopädie) sehr gut, „in der Arbeitswelt nicht mehr. Ich musste es nach sieben Jahren schweren Herzens aufgeben.“

Aber nachdem Welfe Ernst-August Junior (30) mit der Umstrukturierung „das Schloss aus dem Dornröschenschlaf erweckt hatte“, wie Pohl es nennt, war sie wieder dabei. Und vielleicht haben einige sie jetzt ja erkannt: Sie ist die Hofdame Henriette von Klenck, die französische Kammerzofe Claudette de Rovel, Herzogin Eleonore d’Olbreuse und ab Juli schlüpft sie in auch die Rolle der Königin Marie - der Schlossherrin von einst!

„Inhaltlich dreht es sich um den letzten Abend der Königin auf dem Schloss 1867“, erläutert die 41-Jährige, „immer von einer anderen Rolle erzählt.“ Dann plappert sie mit „errlischem französischem Dialekt“ los (de Rovel), wechselt zur Hofdame und säuselt: „Ist das Ihr Gemahl? Halten Sie mal!“ Improvisation ist bei Führungen gefragt: „Es soll lebendig und interaktiv sein, wir wollen Gäste einbinden.“ Wenn also ein Besucher aus Versehen das Handy angelassen hat und es klingelt, stürmt Pohl in einer ihrer Rollen auf die Person zu und fragt: „Ist das da eine Spieluhr in Ihrer Hose?“

Es ist spürbar, wie sehr Pohl ihre Arbeit auf dem Schloss liebt, mit welcher Begeisterung sie die Rollen ausfüllt - Inhalte aus Literatur und authentischem Material hat sie akribisch zusammengesucht. Nicht selbstverständlich, dass sie das so machen kann: Vor neun Jahren hatte sie bei Pattensen einen schweren Autounfall: Sie war Rehen ausgewichen und gegen einen Baum geprallt. „Für ein Jahr war ich außer Gefecht gesetzt, lag im Koma, sämtliche Knochen gebrochen.“ Folgen sind ihr auch im Gesicht anzusehen: „Alles aus Titan“, erklärt sie, „ganz schön wertvoll.“ Pohl lacht: „Ich bin ein kleines Weltwunder! Niemand hätte gedacht, dass ich heute so vor Ihnen sitzen könnte.“ In der Tat: wirklich beeindruckend! Darüber freut sicher auch der Hausmeister - den gibt es nämlich immer noch.

Termine und Preise zu den Führungen gibts im Netz unter www.schloss-marienburg.de