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Leben in Hannover Der Herzensbrecher der Volksmusik
Hannover Leben in Hannover Der Herzensbrecher der Volksmusik
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14:39 10.08.2013
Von Andrea Tratner
AUF DER ÜBERHOLSPUR: Der 28-jährige Volksmusiker Andreas Gabalier.
AUF DER ÜBERHOLSPUR: Der 28-jährige Volksmusiker Andreas Gabalier.
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Hannover

Herr Gabalier, was steht auf Ihrer linken Wade?

„Volks-Rock-’n‘-Roller“! Das Tätowieren hat auch gar nicht wehgetan, sondern sich angefühlt wie eine elektrische Zahnbürste.

Was ist denn bitte ein „Volks-Rock-’n‘-Roll“?

Ein spezieller Mix: Rock ’n‘ Roll, weil das Publikum kreischt und auch mal Mädchen ohnmächtig werden. Dazu heimatliche, erdige Klänge. Mein Dialekt, eine Ziehharmonika. Das steirische Lebensgefühl. Früher, zu Zeiten von Reinhard Fendrich und Falco, hätte man das Austro-Pop genannt.

Und wo ist da die Volksmusik?

Ich bin kein Volksmusiker! Auch kein Schlagersänger! Also hab ich mir die Schublade „Volks-Rock- ’n‘-Roll“ selber gezimmert. Und meine Frisur passt super.

Ihr erster Auftritt im Musikantenstadl war 2009 - mit bravem Pony ...

Ich hatte ein Gedicht für meine Ex-Freundin geschrieben und das Lied „So liab hob I di“ daraus gemacht, meine Freunde haben das gaudihalber zum Radio getragen. Als die Einladung zum Musikantenstadl kam, haben wir gelacht.

Haben Sie Ihren Erfolg eigentlich schon realisiert?

Natürlich. Ich genieße das. Es ist viel passiert. Live-Auftritte, letztes Jahr die erste Österreich-Tournee. Ich spiele in großen Hallen, bin immer wieder im Fernsehen. Bei Musiksendungen, Kochshows - und dann immer wieder zurück zum Musikantenstadl (lacht).

Beschreiben Sie uns Ihre Fans.

Von kleinen Hosenscheißern, die auf den Schultern der Eltern sitzen, bis zu kreischenden Teenagern und zu Omas, die voller Freude dabei sind. Auf jeden Fall ist immer ein Stückerl Tracht zu sehen. Sogar in Norddeutschland.

Das Video zu „I sing a Liad für di“ entstand in Hamburg, oder?

Hamburg ist meine Lieblingsstadt in Deutschland. Auf den Almhütten haben wir früher immer Freddy Quinn gesungen. Norddeutsche sind offen für einen Dialekt.

Sind Sie wirklich der „Retter der Volksmusik“?

Naaa, ich seh mich nicht so. Ich mach ja keine Volksmusik (lacht). Wer nur die Lederhose und Ziehharmonika sieht, schiebt mich in diese Ecke ab. Ich weiß nicht, ob man die Volksmusik retten muss!

Sie singen nicht nur Gute-Laune-Songs, „Amoi seng ma uns wieda“ widmeten Sie Ihrem verstorbenen Vater und der kleinen Schwester ...

Ich hab lang überlegt, ob ich es spielen soll, weil es lange Zeit sehr traurig war. Jetzt ist es hoffnungsvoll und schenkt Mut. Bei Konzerten fließen Tränen, es gibt keinen Applaus, weil sich jeder Gedanken macht. Fast jeder hat im Leben irgendwann jemanden verloren.

Was ist die Geschichte Ihres Fanartikels Nummer eins, dem rot karierten Tuch?

Es ist ein Andenken an meinen Opa. So ein Tücherl hat er immer dabeigehabt, sein Jausenmesser geputzt, Apferl poliert, mir hat er die Rotzfahne weggewischt - das war sein Fetzn für alles (lacht).

Wie ist es so als „Botschafter der ländlichen Heimat“?

Da bin ich stolz darauf! In der neuen Zeit stürmt vieles auf einen ein, man sollte trotz Weltoffenheit nicht auf alte Werte und Traditionen verzichten. Das Wort Heimat klingt ja immer ein bisschen komisch. Da muss man sich aber nicht für schämen. Ich muss auch alle 14 Tage auf einen Berg! Sonst werd ich grantig!

Wird schwierig in Hannover ...

Ich weiß! Deshalb spiele ich immer nur drei oder vier Tage die Woche, damit ich wieder nach Hause komme.

Ihre Platte „Home Sweet Home“ haben Sie zum Teil in Nashville aufgenommen. Warum?

Mein Wunschtraum! Ein Studio im 50er-Jahre-Stil, Live-Musik, der Geist von Johnny Cash - inspirierend, diese Country-Szene. Ich hoffe, dass man das auf dem Album hört.

Was hören Sie privat?

Tina Turner, AC/DC, aber auch Grönemeyer. Ich liebe Musical-Soundtracks, wenn ich mit dem Tourbus unterwegs bin.

Freuen Sie sich auf „Hannover Olé“?

Abgefahren! Zwischen den ganzen Ballermann-Stars kommt ein Steirer Bua daher und spielt auch noch als Letzter!