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Leben in Hannover Der "Camino" ist das Ziel: Wischnewski auf dem Jakobsweg
Hannover Leben in Hannover Der "Camino" ist das Ziel: Wischnewski auf dem Jakobsweg
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22:04 23.07.2012
Von Matthias Halbig
Volker Wischnewski fing sagenhafte Bilder ein.
Volker Wischnewski fing sagenhafte Bilder ein.
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Hannover

Der Jakobsweg-Magnetismus. Nach Hape Kerkelings „Ich bin dann mal weg“ sprangen Kohorten von Autoren und Vortragsreisenden auf den „Camino“ (spanisch für ,Weg‘) auf. Das spanische Santiago de Compostela ist seither die neue Stadt der Innerlichkeit, der Spiritualität und des Selbstbeweises. Ein Erfolg wurde von all diesen Unternehmungen nur „Jakobsweg ... die Seele atmen lassen“ des Hannoveraners Volker Wischnowski (54). 75000-mal ging seine DVD bislang über den Tresen, die neueste Version mit drei unveröffentlichten Szenen ist sein „Director’s Cut“, seit kurzem gibt es die Blu-Ray-Version.

Die DVD ist Ergebnis von vier Jakobsweg-Reisen des Doku-Regisseurs. 55 Tage war er unterwegs: „Und ich habe den Weg genossen“. Die Bilder sind denn auch ein Genuss. Man sieht leuchtende Himmel, leuchtende Landschaften, Städte, Burgen, Kirchen, strahlende Menschen. Es ist, als zöge sich da von Saint-Jean-Pied-de-Port bis Santiago ein güldenes Band, in dem Hilfsbereitschaft, Nächstenliebe und Glückseligkeit viel ausgeprägter sind als irgendwo sonst.

Mit zahllosen Pilgern hat Wischnowski über deren Motivation gesprochen. Eine junge Schwedin gab ihm den Untertitel seines Films. Sie machte sich auf den Weg, „um meine Seele atmen zu lassen“. Dieser Titel wird zur Stimmung, die den Betrachter einfängt. Man möchte den Jakobsweg hinterher am liebsten selbst abschreiten. Und zwar sofort.

„Das Thema Spiritualität liegt in der Luft. Warum, weiß ich nicht genau, vielleicht haben die Leute das Materielle über“, mutmaßt Wischnowski, „es ist ein Auftrieb aus der ganzen Welt, den man da antrifft, unglaublich viele Koreaner sind darunter.“ Er kommt aus einer religiösen Familie, sein Film ist aber keine Gottessuche. Eher die Verortung von Sehnsüchten.

Einer Reihe glücklicher Zufälle bedurfte die Veröffentlichung des Films denn doch. Hat man keinen Namen in der Szene, wird man nicht wahrgenommen: „Manche Verlage schickten das Päckchen ungeöffnet zurück.“ Der Chef von Weltbild aber machte sich die Mühe einer Sichtung, war begeistert und empfahl Wischnowski einem Unternehmen (Komplett-Media), das sein Werk sofort in den Katalog aufnahm. Die erste Auflage von 2500 Exemplaren fand der Regisseur arg vorsichtig: „Ich wusste, da steckt mehr drin.“ Mit 75000 (Stand: Ende 2011) hatte auch er nicht gerechnet. Nur fünf professionelle Produktionen seines Verlags, etwa eine aufwendige BBC-Dokumentation über Dinosaurier aus dem Jahr 2000, hatten davor dieses kommerzielle Kaliber gehabt.

Wischnowski ist Angestellter bei einer hannoverschen Bank und filmt schon seit seinem siebten Lebensjahr („Damals auf Schmalfilm Normal 8“). Der Job gibt ihm das finanzielle Polster für seine Leidenschaft. „Mich gibts nicht ohne Kamera“, sagt Wischnowski mit einem Lachen. Jüngst hat er mit 3D experimentiert. Gefällt ihm gut. Kann also sein, dass sein nächster Film in diesem Format entstehen wird.

Wischnowski träumt von einem ganz großen Projekt, das ein Vielfaches des 25000-Euro-Budgets seines „Jakobswegs“ benötigen würde, einem Projekt, über das er nichts verraten will, das sich aber mit dem besten Bankgehalt nicht stemmen ließe. Sponsoren muss er jetzt finden. Er ist guten Mutes. Und wenn das nicht klappt? „Habe ich genügend andere Ideen. Einen Film über Deutschland. Da gibts zwar viele“, schmunzelt Wischnowski, „aber den, den ich mir vorstelle, noch nicht.“