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Leben in Hannover Das wohl ungewöhnlichste Paar der Stadt
Hannover Leben in Hannover Das wohl ungewöhnlichste Paar der Stadt
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00:16 07.02.2014
Von Mirjana Cvjetkovic
GRANDE DAME:Helene Gisy ist eine starke Frau. Das war sie schon immer. Hier sitzt die 100-Jährige auf dem hei-mischen Sofa mit Andreas Pfeifer, dem Mann an ihrer Seite. „Es gibt Männer, die fördern Frauen. Und Frauen,die Männer fördern“, sagt sie.Fotos: Heusel (3), privat
GRANDE DAME: Helene Gisy ist eine starke Frau. Das war sie schon immer. Hier sitzt die 100-Jährige auf dem heimischen Sofa mit Andreas Pfeifer, dem Mann an ihrer Seite. „Es gibt Männer, die fördern Frauen. Und Frauen, die Männer fördern“, sagt sie. Quelle: Heusel
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Hannover

Wenn Helene Gisy (100) von ihrer Kindheit rund um Berlin, dem Zweiten Weltkrieg und ihrer Ehe mit Gerhard († 68) spricht, sitzt Andreas Pfeifer (48) neben ihr in ihrem Haus in Isernhagen-Süd, hört zu. Der Mann, der seit acht Jahren nicht von ihrer Seite weicht, war bei vielen ihrer Geschichten schließlich noch nicht auf der Welt. Trotzdem hat sich der hochgewachsene Mann dafür entschieden, sein Leben mit ihr zu verbringen. Genau wie sie.

„Spannend, wie die Dinge einmal waren und wie sich entwickelt haben“, sagt der selbstständige Finanzberater. Heute haben alle Menschen in Deutschland Schuhe, das war im Umfeld von Schuhkönigin Gisy nicht immer so. Etwa, wenn sie als Kind Ferien auf dem Land verbracht hat und Gleichaltrige riefen: „‚Kiek mal da, die Feine!‘ Sie trugen Holzpantinen, ich hatte Lederschuhe an“, erinnert sich die Frau, die mit ihrem Mann 1934 das Schuhhaus an der Georgstraße gründete und bis zu ihrem 85. Lebensjahr mitanpackte. „Danach konnte ich zehn Jahre nicht wieder hingehen“, erzählt die adrette Dame - so schwer war ihr es gefallen, aufzuhören.

Doch zurück in die Gegenwart. Man merkt, dass Gisy die Anwesenheit von Pfeifer genießt. Oder besser: Sie vertraut ihm, scheint sich mit ihm sicher zu fühlen. Der 48-Jährige begleitet sie zu Konzerten: „Ich liebe Klassik und die gute, alte Oper. Entsetzlich, wenn alte Stücke verunstaltet werden, entsetzlich“, erzählt die Frau, die immer noch Wert auf die Frisur und das Make-up legt. Zum Opernball Ende Februar will sie auch, ein Kleid hat sie - „das hatte ich 1949 auch schon.“ Sie lacht.

Dann lässt Helene Gisy die Gegenwart wieder los, erzählt von Sylt-Urlauben, dem Skifahren, rasanten Autofahrten. „Ich hatte einen elfenbeinfarbenen Porsche“, gerät sie ins Schwärmen. „Ein Cabrio, ich habe es geliebt.“ Und damit ist sie Anfang der 40er-Jahre durch Hannover gebraust, „Menschen sind an der Georgstraße stehen geblieben und haben geguckt.“ Eine Lebefrau, die gutes Geld verdient und auch gern ausgeben hat.

Pfeifer dagegen fährt einen VW Golf. „Ich bin bescheiden“, gibt er zu verstehen. Ans Steuer des goldenen Mercedes 280 SL aus dem Jahr 1970, der in der Garage steht, darf er aber auch. So wie er auch den Vorstandsvorsitz der „Helene und Gerhard Gisy Stiftung“ innehat. Gegründet wurde sie 2009, drei Jahre nachdem sich Pfeifer und Gisy bei einem Reitturnier kennengelernt hatten. „Ich war erst ihr Fahrer, dann Begleiter, nun Betreuer und Freund.“ Aktiv ist die Stiftung noch nicht - „mein Nachlass fließt dort nach meinem Tod hinein“, so Gisy. Gedacht ist die Institution für Studenten, eine gute Investition.

Für andere Frauen ist kein Platz in Pfeifers Leben, weil „Helen“ ja da ist. „Das ist exklusiv“, betont er, „mein Herz ist vergeben.“ Sie schweigt dazu. Sie hat ja jemanden, der sich kümmert. Wie am Freitag, wenn Pfeifer sie ins Krankenhaus fährt, ein Leistenbruch muss operiert werden. Alles Gute.