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Leben in Hannover Darum zählt Mateo Jasik auf die Fans in Hannover
Hannover Leben in Hannover

Culcha Candela: Darum zählt Sänger Mateo Jasik auf die Fans in Hannover

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18:57 10.09.2021
Cooler Typ: Mateo Jasik alias Itchyban von der Band Culcha Candela.
Cooler Typ: Mateo Jasik alias Itchyban von der Band Culcha Candela. Quelle: dpa
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Hannover

Culcha Candela touren gerade durch die Republik, machen am 11. September auch wieder in Hannover Halt, spielen auf der Gilde Parkbühne. Die NP sprach mit „Culcha Candela“-Sänger Maeto Jasik (42).

Herr Jasik, was beschäftigt Sie in diesen Tagen mehr: die Tour oder die Kommentare in den sozialen Medien? Sie machen ja bei der Kampagne „Impfen schützt“ mit.

Da schlage ich die Hände über dem Kopf zusammen und frage mich, ob Leute das wirklich ernst meinen mit dem, was sie da schreiben. Etwa, ob wir Geld vom Staat dafür bekommen, dem korrupten System, der Merkel-Diktatur. „Ja, 90 Millionen“ habe ich dann geschrieben. Und da wird dann auch noch ernsthaft darauf geantwortet! Wir Künstler sind so sehr im Stich gelassen worden, sich jetzt kaufen zu lassen, wäre sowas von inkonsequent. Krank, dass Leute das glauben. Ansonsten beschäftigt mich das nicht so sehr, es überwiegen fröhliche Gedanken. Ich genieße unsere Auftritte – besser so als gar keine.

Die Art der Reaktionen und die Vehemenz – was sagt das über unsere Diskussionskultur aus?

Ich glaube, dass es einigen Leuten schlichtweg zu gut geht und sie offensichtlich zu viel Zeit haben. Anstatt sich mit sich selbst zu beschäftigen, basteln sie sich eine eigene Wahrheit zusammen und belegen die dann mit irgendwelchen Links. Ein Mangel an Selbstverwirklichung. Das Internet ist Fluch und Segen zugleich: Es macht das Leben leichter. Aber es ist damit auch leichter, sich eine alternative Realität aufzubauen – über Algorithmen wissen einige Nutzer offenbar wenig.

Woher nehmen Sie persönlich die Kraft, sich von der Pandemie nicht kleinkriegen zu lassen?

Da helfen meine Freundin, meine Familie, mein Beruf, Sport. Aber auch ich hatte schlechte Momente, habe jedoch gleichzeitig festgestellt, dass ich mental gefestigt bin. Ich habe mich dann gefragt, wie es Leuten gehen muss, die das nicht sind. Grundsätzlich sollte mentale Gesundheit mehr in den Fokus gerückt werden.

Was waren das für schlechte Momente, von denen Sie sprechen?

Ich hatte das Gefühl von körperlicher Unfreiheit. Ich bin als Kind aus einem menschenfeindlichen System in eine freie Stadt, nach Berlin, abgehauen. Mit einigen der Maßnahmen habe ich mich unwohl gefühlt, empfand sie als Freiheitseinschränkung. Diese Maßnahmen habe ich kritisiert – und zwar ohne mich in eine Reihe mit Querdenkern oder irgendwelchen rechten Spinnern zu stellen – und einen Shitstorm abbekommen. Hinterher ist man immer schlauer.

Monstermäßige Stimmung: Schon im Juni haben Culcha Candela bei „Back on Stage“ für maximale Feierlaune auf der Gilde Parkbühne gesorgt. Quelle: Franson

Sie sind derzeit ja auf Tour, in kleinerem Rahmen als sonst. Macht es trotzdem Spaß?

Voll! Das Beste, was es gibt, sind Live-Auftritte – ob vor 2000 Leuten oder vor 20. Es ist eine Wohltat für Geist, Körper und Seele. Mir geht’s so und den Leuten, die zu unseren Konzerten kommen, auch.

Wie sind die Reaktionen für die neuen Nummern Ihres aktuellen Albums so ausgefallen?

Davon spielen wir nur ein paar, die kommen aber super an. Wir haben so viele Alben gemacht, haben Hits – wenn wir die nicht spielen, sind die Leute sauer. Die können wir nicht einfach so streichen.

„Hope“ hat es dank Corona ja noch auf die Platte geschafft. Wie kam’s?

Ganz spontan (lacht), geplant war es jedenfalls nicht. Wir haben rumexperimentiert, schließlich hatten wir ja Zeit. Und wir haben Bovann kennengelernt und mit ihm den Song gemacht. Das hat so gut funktioniert, war so cool, dass wir ihn aufs Album gefriemelt haben.

Mateo Jasik

*23. November 1978 in Breslau (Polen). 1986 verlässt seine Mutter Teresa mit ihm das Land, sie ziehen nach West-Berlin. Er macht das Abitur, absolviert diverse Praktika, geht in die USA, schreibt sich 2001 an der International Business School in Berlin ein – und verlässt sie nach drei Monaten. Zeitgleich etabliert er in der Hauptstadt eine Partyreihe, die er Culcha Candela nennt, 2002 entsteht daraus die Band mit Stilrichtung Hip-Hop, Reggae, Dancehall. Die Band hat sechs Studioalben rausgebracht. 2011 sitzt Jasik in der Jury von „Sing, wenn du kannst“, außerdem ist er im Jahr 2013 in der zehnten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ bei RTL zu sehen. Da sorgt er für Furore, weil er ohne Absprache Schlagerstar Andrea Berg (55) als Jurorin in die Show einlädt, außerdem in der Live-Sendung RTL sowie Juror Dieter Bohlen (67) kritisiert. Nach Bohlens Ausscheiden in diesem Jahr wird Jasik als Nachfolger gehandelt. Er ist mit PR-Profi Tanya Ernst liiert, das Paar lebt in Berlin.

Was hat Sie diese eigenartige Zeit noch gelehrt, außer dass Stücke ungeplant ein Hit werden können?

Ich habe jetzt nicht sonderlich mehr zu mir gefunden, angefangen Yoga zu machen oder so. Mir hat die Zeit gezeigt, dass bei Leuten gute wie schlechte Seiten hervorgehoben wurden. Ich weiß jetzt jedenfalls, wen ich nicht mehr zum Feiern einlade und mit wem ich in Zukunft lieber feiern möchte. Das hat sich extrem verstärkt.

Lang ist’s her: Schon 2005 haben Culcha Candela ihre Fans im Musikzentrum Hannover begeistert. Quelle: Archiv

Die Hannoveraner wollen garantiert mit Ihnen feiern.

In der Stadt haben wir eine echt starke Community. Unsere Konzerte sind meist ausverkauft und die Leute gehen ab. Hannover war schon immer unter den Top fünf, von Anfang an. Hannover und wir sind so „eine Seele“-mäßig. Ein echt treues Nest, euer Hannover.

Treu ist noch jemand ganz anderes: Ihre Mutter Teresa, die auch Band-Managerin ist.

Viele fragen mich, wie das denn gehen kann, können sich das nicht vorstellen. Normalerweise machen Eltern ja etwas anderes (lacht). Bei uns hat sich das so eingegroovt, wir haben absolutes Vertrauen. Von ihr gibt es ungeschönte Kritik, immer direkt. Es ist wichtig, so jemanden zu haben, der einem nicht nach dem Mund redet, weil er bezahlt wird.

Familienbande: Teresa Pijek ist nicht nur Mutter von Mateo Jasik, sie ist auch Managerin seiner Band Culcha Candela. Außerdem haben die beiden Ende 2018 das Musiklabel „MNF“ („Meine neuen Freunde“) gegründet. Quelle: MNF

Nächstes Jahr wird besonders, die Band feiert Jubiläum. Was wünschen Sie sich für Ihr 20-jähriges Bestehen?

Kaum zu glauben, dass es soweit ist. Ich wünsche mir mehr Freude bei den Leuten und etwas mehr Normalität wäre auch geil. Und mindestens ein Album!

Culcha Candela spielen am 11. September bei „Back on Stage“ auf der Gilde Parkbühne. Los geht es um 20 Uhr. Tickets gibt es ab 41,90 Euro, sie sind in den NP-Ticketshops (etwa Lange Laube 10) oder online erhältlich unter neuepresse.de/tickets

Von Mirjana Cvjetkovic