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Leben in Hannover Busse: „Im Alter kommt die Abgeklärtheit“
Hannover Leben in Hannover Busse: „Im Alter kommt die Abgeklärtheit“
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17:20 10.10.2014
Von Mirjana Cvjetkovic
BELIEBT:Jochen Busse.
BELIEBT: Jochen Busse. Quelle: Stephanie Pilick
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Herr Busse, Sie wissen, warum ich Sie anrufe, oder?
Sie wollen ein Interview machen.

Ich meine ja nur, Ihre Show heißt „Wie komme ich jetzt da drauf?“. Sie spielen aufs Älterwerden an.
Ich weiß ja nicht, ob das mit zunehmenden Alter an der Durchblutung des Gehirns oder der Fülle der Informationen liegt, mit der man so zu tun hat. Aber ich muss schon sagen, dass ich mir Namen nicht mehr so leicht merken kann. Früher, da konnten Sie mich um drei Uhr in der Nacht wecken und fragen: Wer hat das und das inszeniert? Und ich hätte es sofort hingespuckt. Ich weiß, es geht mir nicht alleine so, aber der Satz ‚Namen konnte ich mir noch nie merken kann mich nicht wirklich trösten.

Hat Altern Vor- oder Nachteile?
Wenn man keine altersbedingten Krankheiten, Schmerzen oder sonstige Wehwehchen hat, merkt man das Alter gar nicht! So kann ich nicht so recht von Vor- oder Nachteilen sprechen. Aber ich muss sagen, dass ich heute nach Auftritten gerne nach Hause gehe und schlafe. Vor 25 Jahren war ich so aufgeputscht, dass ich ins nächste Etablissement gegangen bin, Freunde getroffen, Wein getrunken und gegessen habe. Im Alter kommt die Abgeklärtheit, ich brauche mich nicht mehr in der Disko auszutoben (lacht).

Was tun Sie, um fit zu bleiben?
Ich mache Yoga. Seit 32 Jahren. Alle zwei Jahre eine Ayurveda-Kur auf Sri Lanka. Jeden Morgen trainiere ich zehn Minuten mit dem Hula-Hoop-Reifen, gehe eine Stunde spazieren und halte bei allen Dingen Maß. Die Disziplin, die man im Alter haben muss, macht mir wirklich Spaß.

Machen Sie in diesem Jahr wirklich mit Ihrem Programm Schluss? Das war doch so erfolgreich.
Am 19. Dezember ist es vorbei. Aber ich werde es im Kopf frisch halten und nicht zu den Akten legen. So etwas in der Art macht ja keiner mehr. Und es gibt auch nicht mehr viele, die mit 73 Jahren um eine Deutschland-Tour bemüht sind. Nach Dieter Hildebrandt bin ich jetzt der Dienstälteste – und er hatte noch 13 Jahre mehr auf dem Buckel...

Sehen wir Sie bald mal wieder im Fernsehen?
Ich rechne nicht damit, dass da etwas ansteht. Ich war zehn Jahre lang jede Woche zwei, drei Mal prominent auf dem Schirm. Das Gesicht ist für die Macher einfach verbraucht. Vor allem bei den Formaten, die ich gemacht habe.

Was fällt Ihnen zu Hannover ein?
Viel! Das klingt jetzt so, als wollte ich der Stadt schmeicheln. Ich habe früher schon gesagt: Diese Stadt ist unterschätzt! Als mein Bruder in Pension gegangen ist, habe ich ihm gesagt: ‚Zieh nach Hannover, da hast du alles, was man braucht. Kulinarisch die Markthalle, viele schöne Geschäfte. Und nicht selten sitzt das beste Kabarett-Publikum dort. Ich quetsche mir das jetzt nicht aus der Birne, das Publikum ist wirklich sehr aufgeschlossen. Ein mittelständisches Bürgerpublikum, das uns aber langsam abgeht – durch subkulturelle Entwicklungen und das Internet. Wo spiele ich da eigentlich nochmal?

Im Pavillon. Der ist sogar frisch renoviert.
Das war aber auch nötig (lacht).

(Zwei Minuten nach Gesprächsende klingelt das Telefon in der Redaktion.)

Na, was vergessen?
Ich wollte nur sagen, mit Ihrer Stimme könnten Sie auch zum Radio gehen. Das hatte ich wirklich vergessen.

Jochen Busse im Pavillon, 16.Oktober, 20 Uhr. Tickets zwischen 18,60 und 25,20 Euro (Vorverkauf).