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Leben in Hannover Bundesverdienstkreuz für Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal
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Bundesverdienstkreuz: Hannovers Menschenrechtsaktivistin Tekkal geehrt

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17:11 30.09.2021
Ausgezeichnet! Düzen Tekkal mit ihrer Urkunde, an ihrem Blazer ist das Bundesverdienstkreuz befestigt.
Ausgezeichnet! Düzen Tekkal mit ihrer Urkunde, an ihrem Blazer ist das Bundesverdienstkreuz befestigt. Quelle: Richard Pflaume
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Hannover

Es ist die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht – und ihr wurde sie zuteil: Düzen Tekkal (43) ist am 30. September mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt worden. Die Menschenrechtsaktivistin, Journalistin und Filmemacherin aus Hannover hat die Auszeichnung in ihrer Wahlheimat und Wirkungsstätte Berlin entgegengenommen.

„Ich habe schon immer für dieses Land gekämpft“, sagte Tekkal kurz vor der Ehrung der NP, „und ich habe schon immer gesagt, dass ich zwei Väter habe: meinen eigenen und das deutsche Grundgesetz.“ Die 43-Jährige ist als eines von elf Kindern in Linden aufgewachsen, schlug zunächst eine journalistische Karriere ein, ehe sie quasi zufällig Kriegsberichterstatterin wurde: Mit ihrem Vater Seyhmus Tekkal (71) reiste sie in den Irak, dorthin, woher ihre jesidischen Eltern stammen. Zu diesem Zeitpunkt war der IS in Dörfer der Jesiden eingefallen, Tekkals private Reise wurde zur beruflichen – und einer Berufung. Daraus entstanden ist die Doku „Háwar – Meine Reise in den Genozid“.

Zwei starke Frauen, die für Menschenrechte kämpfen: Düzen Tekkal (links) und Amal Clooney in New York. Quelle: privat

Sie setzt sich seit jeher nicht nur für ihre Glaubensgemeinschaft ein, sondern legt auch großen Wert auf Integration. Sie schreibt Bücher wie „Deutschland ist bedroht. Warum wir unsere Werte jetzt verteidigen müssen“, ruft die Bildungsinitiative „#German Dream“ ins Leben, ist Dauergast in Talkshows, gründet den Menschenrechtsverein „Háwar“, trifft die Menschenrechtsanwältin Amal Clooney (43) bei der UN in New York, ist die erste, die einen Beitrag über die heutige Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad (28) in einem Flüchtlingslager dreht, als die sich gerade aus den Fängen des IS befreien konnte. Sie sitzt zwei mal in CDU-Schattenkabinetten – 2016 für Julia Klöckner (48), im Jahr drauf für Bernd Althusmann (54) –, wird „Frau Europas“, erhält von unterschiedlichen Organisationen Auszeichnungen. Nun also das Bundesverdienstkreuz.

Auf Augenhöhe: Grünen-Chefin Annalena Baerbock (links) ist Schirmherrin eines Projekts, das von Düzen Tekkals Verein ins Leben gerufen wurde. Quelle: Háwar Help

„Deutschland stand immer hinter mir“, so Tekkal, „und, auch wenn es jetzt pathetisch klingt, ich auch immer hinter Deutschland.“ Die Auszeichnung empfindet sie als Belohnung – für die unermüdliche Arbeit allen Widerständen zum Trotz. „Es ist meine Bürgerpflicht, mich zu engagieren. Das Bundesverdienstkreuz nehme ich stellvertretend für viele Migrantenkinder entgegen.“ Die Ehrung zeige, „dass wir angekommen sind – obwohl wir von weit herkommen, sind wir ganz nah da.“

Stolz: Düzen Tekkal mit ihren Eltern Seyhmus und Fatma Tekkal. Quelle: Richard Pflaume

Ihre Eltern sind nach Berlin gereist, um den Tag mit ihrer Tochter und einigen weiteren Kindern zu verbringen. Mutter Fatma (71) bereitete für das festliche Abendessen selbst Weinblätter zu – eine Spezialität aus der Heimat, die es immer zu feierlichen Anlässen gibt.

Von Mirjana Cvjetkovic