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Leben in Hannover Bülent Ceylan über Humor und den Tod
Hannover Leben in Hannover Bülent Ceylan über Humor und den Tod
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00:15 02.02.2013
Von Laura Zacharias
HEUTE IN HANNOVER: Bülent Ceylan tritt mit seinem Programm„Wilde Kreatürken“ in der TUI-Arena auf.
HEUTE IN HANNOVER: Bülent Ceylan tritt mit seinem Programm „Wilde Kreatürken“ in der TUI-Arena auf. Quelle: Marco Perdigones
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Sie haben letztes Jahr den Deutschen Comedypreis als bester Live-Act gewonnen. Hätten Sie gedacht, dass Sie Mario Barth da mal vom Thron stoßen?
Kaum, denn es geht bei dem Preis ja um Ticketverkauf - und sein Programm hat natürlich den größten gemeinsamen Nenner. Mann-Frau, Frau-Mann, das spricht wirklich jeden an. Mein Programm spricht zwar auch sehr viele an, aber es polarisiert stärker. Ich sage auch Sachen, die weh tun - wenn es gegen Nazis, um politische Statements geht. Ich habe aber gehört, in diesem Jahr kriegt er ihn wohl wieder (lacht).

Klingt nicht nach böser Feindschaft zwischen Ihnen und Mario Barth?
Nein, keine Feindschaft! Er macht ja was ganz Anderes. Dass ich als Deutsch-Türke überhaupt mal ein Stadion fülle, hätte ich nie gedacht. Aber das ist für alle mit Migrationshintergrund eine supertolle Motivation, es zeigt: Man kann es in Deutschland ganz nach oben schaffen.

In Hannover füllen Sie die größte Halle der Stadt.
Ja, die Stadt ist geil! Ich habe mich ja immer über euch Hannoveraner lustig gemacht, weil ihr so ein perfektes Hochdeutsch sprecht. Und damit habe ich die Stadt schließlich total bekannt gemacht. Bei uns in Mannheim sagt man schon „Oxford-Deutschland“ dazu. Aber die Stimmung in der TUI-Arena war so gigantisch, ich habe mich teilweise krasser gefühlt als im Süden. Ihr habt echt mehr Humor, als man so denkt!

Sie kombinieren auf der Bühne ja das Thema „Deutsch-Türke“ mit Metal. Wieso?
Weil man sich als Komiker unterscheiden muss: Ich habe als Teenie Rockmusik gehört und Comedy war meine große Leidenschaft. Da habe ich dann gedacht, das müsste man doch kombinieren können. Das Türken-Thema gab es ja schon bei Kayar Yanar. Und 2008 bin ich bei Stefan Raab einfach mal raus auf die Bühne und habe den Headbanger gemacht. Das war ‘ne kranke Nummer. Und durch meine langen Haare hatte ich dann den Stempel. Aber damit kann ich mich identifizieren.

Sind Sie auch mal in der Türkei, um sich Inspiration zu holen?
Wenig. Die Inspiration kommt schon im wesentlichen aus meinem Alltag in Mannheim. Das entwickelt sich durch spontane Erlebnisse: Wenn mir zum Beispiel die Frau bei der Thai-Massage sagt, sie heißt „Porn“ (lacht). Was die Türken angeht, war vor allem mein Vater bislang eine riesige Inspiration für meine Comedy. Er war so witzig! Ich will ihm jetzt, wo er gestorben ist, als Zugabennummer ein Best-of „Mein Vater“ widmen. Ich glaube, da kann man mit ein bisschen Abstand auch als Zuschauer drüber lachen.

Nach so einem Erlebnis ist es sicher nicht einfach gewesen, als Comedian aufzutreten.
Nein. Aber mein Vater hätte gewollt, dass ich weiter mache. Weil ich das weiß, komme ich auch mit der Trauer besser zurecht. In letzter Zeit fallen mir übrigens so viele neue Gags ein, ich habe manchmal das Gefühl, die schickt mir mein Vater alle vom Himmel (lacht). Aber auch die Fans haben mir sehr geholfen, indem sie mir viele Mails und Briefe geschrieben haben. Das hat mir ganz viel Kraft gegeben.

In ihrer aktuellen Show singen Sie auch. Wollten Sie denn auch mal Rocker werden?
Als Teenie hatte ich eine Rockband, klar wollten wir da mal Stars werden! Aber als ich irgendwann mal einen witzigen Song ausprobiert habe, sind die Leute plötzlich total abgegangen. Ich habe die Menschen schon immer am liebsten zum Lachen gebracht.

Seine Leidenschaft zum Beruf machen, das schaffen im Kulturbereich nur wenige.
Ich habe großes Glück gehabt. Natürlich habe ich mich gefreut, als ich irgendwann damit auch etwas verdient habe. Aber ich habe nie vergessen, wo ich herkomme. Ich bin immer noch ich, und ich glaube, die Leute merken das.

Woran denn?
Wenn ich nach der Show noch zu den Menschen gehe, und mir Feedback hole, dann merke ich ja, dass einige Leute mich als Star behandeln, manche fangen sogar an zu weinen. Aber das versuche ich ihnen ganz schnell auszutreiben. Mein Gott, ich bin doch nur ein Mannheimer!