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Leben in Hannover Bibi ist der heimliche Tatort-Star
Hannover Leben in Hannover Bibi ist der heimliche Tatort-Star
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11:13 13.05.2013
Von Andrea Tratner
SEIT 2010 DABEIi: Major Bibi Fellner (Adele Neuhauser) ermittelt Pfingstmontag schon zum sechsten Mal.
SEIT 2010 DABEIi: Major Bibi Fellner (Adele Neuhauser) ermittelt Pfingstmontag schon zum sechsten Mal. Quelle: ARD
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Harald Kassnitzer ermittelt schon zum 30. Mal. So richtig Fahrt nehmen die Quoten des Wien-„Tatorts“ aber erst auf, seitdem Sie an seiner Seite ermitteln. Freut sie das?
Natürlich freut mich das, das ist eine Bestätigung für uns beide. Ich war ja schon mal auf der anderen Seite des Gesetzes - bei einer Folge in Tirol habe ich eine Verdächtige gespielt. Harald Krassnitzer hat mich vorgeschlagen als Partnerin. Ich finde, wir sind ein wirklich gutes Team. Die Idee ist also aufgegangen.

Major Bibi Fellner ist nicht gerade eine Vorzeigekommissarin. Was macht die Figur so besonders?
Genau das! Sie ist kein perfekter Mensch - sie ist einfach Mensch. Bibi neigt zu Notlügen, sie hat eine Geschichte, trägt ein großes Paket an Leben mit sich herum. Das sieht man ihr an. Das macht sie manchmal stark und wissend, aber auch verletzlich und verzweifelt. Eine großartige Mischung. Sie hat 20 Jahre Sitte hinter sich, ein Burn-out, hat ein Alkoholproblem. Bibi ist keine reine Fantasiefigur, sondern nah an der Realität.

Müssen „Tatort“-Kommissarinnen unbedingt gut aussehen?
Das darf nicht das Thema sein! Bibi ist auch mal eitel. Aber wenn es hart auf hart geht, ist es egal, wie man aussieht.

Sie haben eine lässige Haltung zum Alter, oder?
Es bleibt einem ja nix anderes übrig (lacht). Man kann viel dafür tun, den Prozess zu verlangsamen. Aber man wird alt. Man sollte Alter als Qualität und nicht als Last empfinden.

Der neue „Tatort“ spielt in Kärnten, in Bad Eisenkappel. Im Film vertragen sich Dorfbevölkerung und die Ermittler aus Wien nicht besonders gut ...
Da wird auf beiden Seiten mit Vorurteilen gespielt. Das Gute ist, dass es keine einseitige Geschichte ist. Beide Seiten machen große Fehler, und es wird auch manches überspitzt ausgedrückt. Man muss Verständnis füreinander haben, tolerant sein. Sonst kommen wir in Österreich nicht weiter - und nicht nur in Österreich. Aber wir sind während der Dreharbeiten sehr herzlich aufgenommen worden. Die Leute haben uns mit viel positiver Energie unterstützt.

Dieser „Tatort“ hat historische Hintergründe: Auf dem Persmanhof wurde im Zweiten Weltkrieg eine ganze Bauernfamilie von SS und Polizei umgebracht.
Das hat mich sehr berührt, ich wusste zuvor nichts davon. Regisseur Sascha Bigler hat den historischen Teil sehr mutig eingebunden. Die Dorfbewohner waren dankbar, dass dieser fast in Vergessenheit geratener Vorfall sensibel ans Tageslicht geholt wurde.

Erinnert Sie das an die eigene Familientragödie?
Wie mans nimmt. Bei allem Tragischen hat diese Geschichte ja auch einen schönen Anteil: Meine Urgroßmutter ging freiwillig mit ihrem Mann ins KZ - obwohl sie keine Jüdin war. Er ist im KZ gestorben, sie hat zum Glück überlebt. Das ist im Grunde eine ganz große Liebesgeschichte.

In Deutschland gibt es einen wahnsinnigen Hype um den „Tatort“. Kriegen sie das in Österreich auch mit?
Ja, natürlich. Ich war zwar nie so ein „Tatort“-Fan, der am Sonntag unbedingt schauen muss. Aber die Krimis sind immer faszinierend, weil sie aktuelle und sozialkritische Themen aufgreifen. Und die Kommissare waren auch immer großartige Schauspieler.

„Unvergessen“ ist ihr sechster Fall.
Ja, Kollegen vom LKA haben mich schon als „Frau Kommissarin“ angesprochen. Es ist erstaunlich, wie schnell das geht (lacht).Das ist auch eine Auszeichnung für mich, wenn die sich nicht verraten fühlen durch die Darstellung meiner Bibi Fellner.

Im Juni zeigt die ARD ihre Erfolgsserie „Vier Frauen und ein Todesfall“.
Endlich, endlich! Ich drehe gerade die sechste Staffel. Meine Figur Julie Zirbner ist eine verwitwetet Großbäuerin, die der Motor einer Gruppe von vier Hausfrauen ist und hinter allem und jedem ein Verbrechen wittert. Sie ist plump, direkt - hat aber ein großes Herz. Und sie trinkt gerne einen (lacht). In diesem Dorf haben alle einen kleinen Schuss. Man erfreut sich an jeder dieser Figuren.

Haben Sie auch Theater-Pläne?
Das geht zurzeit terminlich nicht. Ich drehe jetzt. Es macht mir Spaß, Fernsehen ist ein tolles Medium. Es wird aber auch wieder die Zeit für die Bühne kommen.

Sie sind in Griechenland geboren, mit vier Jahren nach Österreich gekommen. Was haben Sie mitgenommen aus ihrem Geburtsland?
Sehr viel. Meine Rollen am Theater - wie die Medea - zeigen ja, dass ich zu Tragödien neige (lacht). Ich habe aber auch Sonne, Meer, Temperament und Energie aus Griechenland mitgenommen.