Menü
Neue Presse | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Leben in Hannover Ben Becker über Hannover-Auftritt
Hannover Leben in Hannover Ben Becker über Hannover-Auftritt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 21.02.2013
Von Andrea Tratner
DER TOD:Mit seiner Rolle in „Jedermann“ sorgte Ben Becker bei den Festspielen in Salzburg für Furore.
DER TOD: Mit seiner Rolle in „Jedermann“ sorgte Ben Becker bei den Festspielen in Salzburg für Furore. Quelle: dpa
Anzeige

John Donne ist ein englischer Prediger des 17. Jahrhunderts. Was verbindet Sie mit seinem „Todesduell“?
Als ich bei den Festspielen in Salzburg angetreten bin, um den Tod zu spielen, kam der Intendant mit diesem Text auf mich zu. Meine erste Reaktion war: „Bist du wahnsinnig?“ Dann habe ich mich reingekniet und versucht, irgendetwas zu verstehen - und fand das sehr spannend. John Donne schreibt quasi die Grabrede für seine eigene Beerdigung. Das war seine Auseinandersetzung mit dem Tod, der unwiderbringlich auf ihn zukam. Ich habe mich in diesen Abend verliebt, er ist etwas Besonderes.

Sie waren auch mit „Die Bibel“ auf Lesereise. Sind Religion und Glaube wichtige Themen für Sie?
Ich habe ein Faible für große, existenzielle Sachen auf der Bühne. Die Mick Maus habe ich abonniert - die lese ich aber alleine zu Hause.

Wird der John-Donne-Abend genauso laufen wie bei den Ruhrfestspielen?
Das kann ich noch nicht so genau sagen. Wenn ich auf der Bühne bin, ist immer alles offen.

Aha?
Na ja, da habe ich jetzt kokettiert (lacht). Ich bin ein präziser, minimalistischer Arbeiter. Äußerst konservativ. Was mir im richtigen Leben meist keiner zutraut ...

Stimmt. Sie gelten nicht gerade als unkomplizierter Zeitgenosse.
Ach, ich bin eigentlich sehr unkompliziert. Es kommt eben immer darauf an, mit welcher Banalität oder Dummheit man mir kommt. Da kann ich eventuell kompliziert werden. Ansonsten bin ich eher handzahm.

Schlagzeilen gibts trotzdem ...
Jaaa, es gab viele. Ich fand Grenzüberschreitungen eine Zeitlang sehr spannend. Aber dann wird man in eine Schublade geschoben, aus der man nur sehr schwer wieder rauskommt. Weil alle auf irgendetwas Deppertes warten, das dann aufgeblasen wird. Dass mal jemand schreibt: „Der Becker liest aber wunderbar Heinrich Heine“ - das kommt bei bestimmten Zeitungen nicht vor. Ich war es dann irgendwann leid und dachte mir ,Macht doch, was ihr wollt‘ - und lese Heine trotzdem!

Aber 2004 haben Sie „Traumschiff“ gedreht. Wie passt das denn?
Das hat Spaß gemacht. Ich durfte mit meinem Papa Otto Sander zusammen spielen. Ich fand „Traumschiff“ so ausgeflippt, dass es schon wieder gut war. Außerdem hatte ich im Vertrag stehen, dass ich in Papua-Neuguinea von Bord gehen darf. Ich war drei Wochen da, diese Zeit möchte ich nicht missen.

Sie haben 2012 geheiratet. In Gol-degg im Salzburger Land, auf einem Badesteg, in Tracht ...
Das ist mein kleines Versteck. Wenn ich aus dem Fenster gucke, sehe ich einen wunderschönen See, der auf mich wartet. Und dann habe ich mir gedacht: „Ja, hier machen wir das.“ Das war wie Alice in Wonderland, ganz wunderbar und ziemlich ausgeflippt.

Was mögen Sie an Österreich?
Ich komme da sehr gut zurecht. In Künstlerkreisen passieren interessante Dinge, ich mag den Zynismus, die Ironie. Außerdem verehren die Österreicher ihre Künstler und Schauspieler sehr. Da gibt es größeren Respekt als in Deutschland. Hier sind Unterhaltung und Kunst eher eine Industrie.

Ben Becker: John Donnes „Todesduell“ und Joseph Brodskys „Große Elegie an John Donne“, Sonntag, 19.30 Uhr, Karten für 39 bis 45 Euro.