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Leben in Hannover Bastian Pastewka über Fernsehen und Gernsehen
Hannover Leben in Hannover Bastian Pastewka über Fernsehen und Gernsehen
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15:25 02.12.2013
Von Stefan Gohlisch
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Wenn Sie eine Tex-Avery-Figur wären: Welche wäre das?
Ich glaube, ich wäre gerne Droopy, der Hund: ein kleiner weißer Basset, der sehr schlaff in die Cartoons reingeht, langsam in die Kamera schaut und sagt: „Wissen Sie was? Ich bin sehr glücklich.“ Doch sein Gesicht zeigt das Gegenteil. Aber wenn er dann leicht grinst, geht einem das Herz auf.

Was ist das Tolle an Tex Avery?
Tex Avery war ein Cartoonist, der in den 30er und 40 er Jahren in amerikanischen Studios die Zeichentrickabteilung unter sich hatte und bekloppte Ideen in seine eigenen Cartoons einbrachte. Cartoons waren damals noch Vorfilme von Kinofilmen, waren eine Art Trommelwirbel, bevor der Hauptfilm startete, und ausschließlich für Erwachsene gedacht. Und bei Tex Avery merkt man das, anders als bei Walt Disney, bis heute sehr deutlich.

Er gilt als sehr anarchisch.
Ja, denn seine Figuren machen wirklich ganz unglaubliche Dinge. Sie können nicht nur alle miteinander sprechen, gerne auch in verschiedenen Sprachen. Sie laufen auch manchmal am Cartoon vorbei und müssen am Ende der Filmspur bremsen. Bei der lustigen Verfolgungsjagd zwischen einem Wurm und einem Raben laufen sie ein bisschen durch die Heide, bis ein Schild kommt „Achtung, hier ist uns die Farbe ausgegangen.“ Und dann laufen Wurm und Rabe in Schwarzweiß weiter.

Was können wir im Apollo erwarten?
Roberto Cappelluti und ich werden das geneigte Publikum ein wenig durch die verschiedenen Zeichentrickphasen Tex Averys führen. Wir zeigen Highlights aus seinen rund 150 Cartoons und erzählen ganz kurz, was wir an ihnen mögen.

Es ist eine Veranstaltung des Berliner Gernsehclubs. Was verbirgt sich dahinter?
Oliver Welke, Oliver Kalkofe, Michael Kessler, Roberto Cappelluti und ich haben vor fünf Jahren gesagt: Wir machen ein paar öffentliche Veranstaltungen, bei denen wir ein Publikum einladen und besonderes Fernsehen vorstellen. Mal gibt es mal ganze „Sex and the City“-Abende, auch mal ein paar Folgen von „The Shield“, die ganze Bandbreite. Wir gucken auch gerne mal in die Vergangenheit. Aber so weit wie bei Tex Avery sind wir noch nie zurückgegangen. Das macht großen Spaß. Man hat nur Gleichgesinnte zu Gast, Nerds, die uns auch über den Abend hinaus Fragen stellen dürfen, und das gilt für das Hannoveraner Publikum natürlich auch. Wir wollen einfach mit guten Freunden ein wenig fernsehen.

Bei Oliver Kalkofe spielte auch der Leidensdruck angesichts des heutigen Fernsehens eine Rolle. Geht Ihnen das ähnlich?
Wir sind auf jeden Fall alle Überzeugungstäter und wollen eine Alternative zum derzeitigen 20.15-Uhr-Fernsehen bieten. Ich habe inzwischen auch gemerkt, wie ich aus dem analogen Fernsehen immer mehr aussteige. Noch in den 90er, da habe ich in einem Format namens „Wochenshow“ gearbeitet ...

Ich erinnere mich dunkel ...
Ich mich nicht mehr (lacht). Da haben wir uns auch sehr, sehr gerne des Trashs angenommen, der täglichen Talkshows, der ersten „Big Brother“-Staffeln. Aber ich bin inzwischen in einem Alter, indem mich das wirkliche Showfernsehen des Tages nicht mehr interessiert, genauso wenig wie beispielsweise der „Tatort“.

Was gucken Sie gerne?
Amerikanische Serien.

Kalkofe sagt auf diese Frage immer: „heute-show“ und „Pastewka“. Sagen Sie jetzt bitte nicht „heute-show“ und „Kalkofe“.
Ich muss tatsächlich „Kalkofes Mattscheibe“ sagen, weil ich das nach wie vor gerne gucke. Und die „heute-show“ ist die interessanteste, innovativste und beste Comedyshow der letzten Jahre. Aber ich verbeiße mich momentan lieber 20-teiligen britischen Period-Dramen wie „Downton Abbey“ oder „Parade‘s End“.

Was geht überhaupt nicht im Fernsehen?
Immer dann, wenn Menschen vor eine Kamera gezerrt werden, um der Lächerlichkeit preisgeben zu werden, werde ich ganz schnell unruhig. Das muss aber nicht nur in Castingshows oder bei „Schwiegertochter gesucht“ stattfinden. Das passiert leider auch im öffentlichrechtlichen Fernsehen, und das beleidigt mich einfach als leidenschaftlichen Zuschauer.

Woher kommt diese Fernsehleidenschaft?
In unserer Familie wurde viel gemeinsam ferngeschaut, Hans Rosenthal zum Beispiel oder „Stan und Olli“ oder „Western von gestern“, woran ich mich immer gern zurückerinnere: das berühmte 18.20-Uhr-Fenster im ZDF damals. Man muss sich mal anschauen, was heute um diese Uhrzeit kommt: seltsame Krimiserien - und weniger subversive Sachen, die mit Komik tun haben, wie seinerzeit „Tom und Jerry“ und die „Muppetshow“.

Wie ist Ihre Perspektive als Fernsehmacher? Man hat den Eindruck, dass Sie eine gewisse Narrenfreiheit genießen.
Ich bin ja gar kein so universeller Fernsehmacher, der von Genre zu Genre springt. Speziell Sat1 lässt mir freie Hand, worüber ich sehr glücklich bin. Ich kann jetzt meine Serie „Pastewka“ im siebten Jahr machen. Das ist doch fantastisch und wäre uns bei keinem anderen Sender geglückt.

Es geht im nächsten Jahr weiter?
Richtig: Es kommt jetzt am 20. Dezember eine Spezial-Folge. Die reguläre siebte Staffel beginnt voraussichtlich im Frühjahr 2013.

Die Sonderfolge ist eine Weihnachtsgeschichte. Was hat es damit auf sich?
Jede Serie, die auf sich hält, braucht ein Christmas-Special und unsere eben auch. Es ist eine Doppelfolge, eine Stunde lang, und wir zeigen, wie Bastian mit seiner verrückten Familie Weihnachten feiert. Dummerweise hat er mittags noch mit seiner Kollegin Anke Engelke einen Auftritt in Düsseldorf in ihren Rollen als Wolfgang und Anneliese, für den guten Zweck. Abends ist dann das große Fest mit der Familie geplant. Und natürlich geht an diesem Tag alles schief - ausgelöst dadurch, dass Anke Engelke, weil sie Heiligabend auf Gerechtigkeit setzt, Bastians Weihnachtsbaum einer Mitarbeiterin schenkt, weshalb Bastian keinen eigenen Baum mehr hat und eventuell von seiner Familie gegrillt wird ...

Und es basiert natürlich alles auf realen Ereignissen.
Sagen wir es mal so: Alles ist dem wahren Leben entliehen. Aber am 24. 12. ist mir so etwas glücklicherweise noch nicht passiert.

Sind sie ein weihnachtlicher Mensch?
Ja. Meine Frau und ich haben unglaublich viele Verwandte abzuarbeiten. Im Grunde fängt Weihnachten bei uns am 18. Dezember an und endet nicht vor Mitte Mai.

Und bei Pastewkas daheim ist alles schön dekoriert?
Absolut. Das kann meine Frau hervorragend. Und ich liebe es, Geschenke hektisch aufzureißen.

Wenn Sie drei Wünsche zu Weihnachten frei hätten, welche wären das?
Ich nehme einen 9er Chicken Mc Nuggets und zwei Fishmac.