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Leben in Hannover Backstage bei Fürst zu Schaumburg-Lippe
Hannover Leben in Hannover Backstage bei Fürst zu Schaumburg-Lippe
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06:16 09.07.2012
Von Laura Zacharias
POPPIG: Der knallorange Telefunken-Wecker des Fürsten konntenicht nur Dudelfunk, sondern auch informieren – zum Beispiel über den Mauerfall.
POPPIG: Der knallorange Telefunken-Wecker des Fürsten konnte nicht nur Dudelfunk, sondern auch informieren – zum Beispiel über den Mauerfall. Quelle: Rainer Dröse
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Bückeburg

Kein Schlossgespenst, aber eine schöne Erinnerung versteckt sich in dieser Kiste: Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe (53) bückt sich, zieht einen orangefarbenen Radiowecker heraus - und muss schmunzeln: „Ich weiß noch, wie ich am 10. November 1989 von diesem Teil geweckt worden bin. Normalerweise kam immer Musik, aber an diesem Morgen kam die Nachricht, dass die Mauer gefallen war!“ Er schaut sich weiter auf dem Dachboden um - zwischen Wäschebergen, die aussehen, als wären sie seit dem Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr angerührt worden, vorbei an Biedermeiersofas, denen die Polster fehlen, an antiken Tischen und Rüstungen.

Der NP gestattete der Fürst einen exklusiven Blick hinter die Kulissen von Schloss Bückeburg - auch in jenen Bereich, wo man sich gut vorstellen könnte, dass nachts der eine oder andere Poltergeist sein Unwesen treibt - den Dachboden. Doch woher kommen all die Möbel, woher die Wäsche und diese Rüstungen? Alter Familienbestand, erklärt Schaumburg-Lippe: „Vieles stammt direkt aus dem Schloss, manches war schon immer hier oben, denn hier hat früher das Personal gewohnt.“ Teile des Bestands kämen allerdings auch aus Schloss Arensburg bei Rinteln, das heute nicht mehr dem Fürsten gehört - zum Beispiel die Ritterrüstungen. Und manches sei eben auch von ganz persönlichem Wert, sein altes Rhodes Piano zum Beispiel, das der Fürst in einer Ecke entdeckt.

Doch die versteckten Zimmer des Schlosses sind keinesfalls nur Abstellkammern: So zeigt uns Alexander zu Schaumburg-Lippe auch einen Raum, der wie ein Schrein anmutet. Hier befinden sich Uniformen seines Großvaters Wolrad zu Schaumburg-Lippe: „Meine Großmutter hat die alle behalten und nach seinem Tod 1962 hierher gebracht“, sagt er.

Es ist eine Sammlung, die viel über deutsche Geschichte erzählen kann - genau wie die Hofbibliothek, die der Fürst an diesem Tag ebenfalls ausnahmsweise öffnet. Rund 20000 Bücher gehören zum Bestand, der bis ins 16. Jahrhundert zurückreicht: „Zum Beispiel eine prunkvolle Ausgabe des Hexenhammers, oder Literatur über magische Rituale, die so gebunden ist, dass man sie offenbar nicht finden sollte.“