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Leben in Hannover Amerika will Cindy aus Marzahn
Hannover Leben in Hannover Amerika will Cindy aus Marzahn
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20:45 18.03.2013
Von Nora Lysk
DA SOLL ICH HIN?
Der Broadway ruft nach
Cindy aus Marzahn. Schon im Sommer soll die 41-Jährige dort mit Stand-up-Comedy 
auftreten.
DA SOLL ICH HIN?Der Broadway ruft nachCindy aus Marzahn. Schon im Sommer soll die 41-Jährige dort mit Stand-up-Comedy auftreten. Quelle: Uwe Anspach
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Berlin

Dass die laute Frau im pinken Frotteeaufzug gut mit US-Stars kann, hat sie mittlerweile schon mehrfach bewiesen: Richtig rührend kümmerte sie sich als Kunstfigur Cindy und Assistentin von Markus Lanz (44) bei „Wetten dass...?!“ um die Crème de la Crème aus Hollywood. Da war zum Beispiel Denzel Washington(58), dem sie so richtig nahe kam.

Vermutlich hat sie den ganzen USA-Trubel aber Pop-Schnuckel Justin Timberlake (32) zu verdanken: Mit dem 32-Jährigen rappte sie in der Februar-Ausgabe von „Wetten dass...?!“ so lustig, dass er mit ihr kuschelte, dann ein Ständchen sang - und zack: Beide landeten im „People“-Magazin. Zuvor hatte es die Wuchtbrumme mit Kodderschnauze schon auf die Titelseite der „New York Times“ geschafft - was für ein Ritterschlag.

Und Talkmaster Jay Leno (62) hat auch schon längst von der schillernden Cindy gehört und will die Ulknudel mit dem vorbildlichen Mut zur Hässlichkeit gerne in seiner legendären „Tonight-Show“ auftreten lassen.

Vielleicht ist es die amerikanische Faszination für die Geschichten aus der ehemaligen DDR. Oder eben die Tatsache, dass es eine dicke, laute Frau im rosa Frotteeanzug von ganz unten bis in den Olymp der Fernsehunterhaltung geschafft hat. Vom Tellerwäscher zum Millionär - kaum jemand bedient dieses Klischee vom amerikanischen Traum derzeit besser als Cindy aus Marzahn.

Keine Arbeit, keinen Mann und dazu noch keinen Geschmack. Cindy sei ein stereotypes Bild für den deutschen Sozialstaat, erfuhren die Amerikaner. Und sie lernten, dass Cindys Heimat Marzahn das Synonym für den sozialistischen Wohnungsbau sei.

Die Frau ohne Nachnamen stammt aus Luckenwalde in der ehemaligen DDR. Da arbeitete die heute 41-Jährige zunächst in einer Großküche. Doch mit der Wende kam die Arbeitslosigkeit. Ganz schlicht als Ilka Bessin startete sie erste Versuche in der Unterhaltungsbranche und alberte als Animateurin auf einem Kreuzfahrtschiff herum. Zurück in Berlin gab es statt Arbeit jedoch erst einmal Hartz IV. „Hartz VIII“, nennt Cindy das heute. „Zweimal Hartz IV und Kindergeld“.

Damals entwickelte Bessin ihre Kunstfigur Cindy. Eine schrille Langzeitarbeitslose mit lauter Berliner Schnauze. Eine gescheiterte Prinzessin, mit schief sitzendem Diadem in den blonden Locken, die mittlerweile die Suche nach Arbeit aufgegeben hat. Stattdessen hofft Cindy jetzt auf den Traummann.

Von Hartz IV lebt sie natürlich längst nicht mehr, Geld ist genug da - zum Beispiel für einen Sprachkurs: „Wahrscheinlich muss ich mein Englisch noch ein bisschen aufpolieren, damit die Amis mich auch gut verstehen“, ulkte sie neulich.

Wer weiß, vielleicht lernt sie im Land der unbegrenzten Möglichkeiten den Mann an ihrer Seite kennen - auf Englisch.