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Leben in Hannover Als Anwalt ist Licht kein Liebling
Hannover Leben in Hannover Als Anwalt ist Licht kein Liebling
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22:00 05.09.2013
Von Andrea Tratner
HARTER HUND:
Simon Licht (rechts) steht als Anwalt 
im „Tatort“ seinem Mandanten 
(Jannik Schümann) bei.
HARTER HUND:Simon Licht (rechts) steht als Anwalt im „Tatort“ seinem Mandanten (Jannik Schümann) bei. Quelle: ARD
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HANNOVER

Sein Anzug wirft keine Knitterfalte, seine Miene ist eiskalt, die Stimme sachlich-arrogant. Den ersten Auftritt im aktuellen Berlin-„Tatort“ (ARD, Sonntag, 20.15 Uhr) hat Simon Licht (47) erst nach 45 Minuten - die Berufsgruppe der Juristen schließt man anschließend nicht gerade ins Abendgebet ein.

Zwei Jugendliche prügeln in einer S-Bahnstation auf einen Mann ein, der stirbt. Der Junge aus reichem Haus versucht sich freizukaufen, schiebt die Schuld auf den Kumpel mit Vorstrafen und Drogen-Vergangenheit. „Man muss auch mal verlieren können“, kanzelt Licht als Anwalt die Kommissare Ritter (Dominic Raacke, 55) und Stark (Boris Aljinovic, 46) ab - die halten den Juristen für einen „kahlköpfigen Kampfhund“.

„Das ist ein Technokrat“, erklärt Licht die Figur. „Er kennt die Winkelzüge des Rechts - und nutzt sie für seinen Mandanten aus. So funktioniert die Welt: Wer genügend Geld und Macht hat, kann sich sein Recht bauen. Und lässt den Freund über die Klinge springen.“ Es ist nicht sein erster „Tatort“-Auftritt. Im Saarbrücken-Krimi hatte er Premiere - „das ist 20 Jahre her, ich war sehr stolz und aufgeregt.“ Ist eine Rolle im berühmten Fadenkreuz etwas Besonderes? „Naja, die Einschaltquote ist auf jeden Fall gesichert“, sagt er und lacht. „Sonntagabend sitzt die Republik vor dem Fernseher - das ist ein Premium-Sendeplatz. Wichtig ist aber, dass die Geschichte gut ist.“ Für „Lösegeld“ und „Der Fall Jakob Metzler“ war Licht für den Grimme-Preis nominiert. „Die liefen beide Mittwochabend“, erinnert er sich.

Die Dreharbeiten zum Berlin-„Tatort“ stimmten ihn nachdenklich. „Das Drehbuch hat mich an Johnny K. erinnert. Man macht sich Gedanken über Zivilcourage. Wie würde ich in so einem Fall reagieren?“ Seit 1998 lebt Licht in Berlin. Und sagt ganz ehrlich: „Ich würde niemandem raten, nachts in bestimmten Bezirken U-Bahn zu fahren.“

War er eigentlich mal wieder in der alten Heimat Hannover? „Kurz vor dem Maschseefest habe ich meine Mutter besucht. Meine Freundin, die ich in Berlin kennengelernt habe, stammt ja auch aus Hannover. Da haben wir eine kleine Tour durch Linden gemacht - und die Plätze meiner Jugend besucht. Das hat sich rund um den Lindener Markt alles toll entwickelt, fast wie am Prenzlauer Berg in Berlin.“ In der Grundschule am Lindener Markt drückte er vier Jahre die Schulbank, später zog die Familie ins Zooviertel. „Ich bin immer wieder gerne in der Stadt. Wo man aufgewachsen ist, wo die Erinnerungen sind - da hängt mein Herz dran.“

Lichts Vater war viele Jahre Studentenpfarrer in der Stadt und ungemein beliebt. Von alten Freunden hört man, dass der 47-jährige ihm immer ähnlicher sehe. „Ob das wohl an den Haaren liegt?“ fragt er mit einem Schmunzeln zurück. „Seine Wurzeln kann man nicht leugnen. Ich habe nun mal einen Charakterkopf.“

Wir merken uns für den „Tatort“-Sonntag: Der „kahlköpfige Kampfhund“ ist ein ganz Netter!