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Leben in Hannover 20 Jahre Zaza - 20 Jahre Dauerparty
Hannover Leben in Hannover 20 Jahre Zaza - 20 Jahre Dauerparty
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10:32 19.09.2012
Von Maike Jacobs
TRESENLEBEN: Jürgen Uhlenwinkel betreibt neben dem Zaza auch das Leinegold.
TRESENLEBEN: Jürgen Uhlenwinkel betreibt neben dem Zaza auch das Leinegold. Quelle: Natalie Becker
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Hannover

Jeans, schwarze Lederjacke - seinem Kleidungsstil ist Jürgen Uhlenwinkel (56) immer treu geblieben. Er spricht mit leiser Stimme. Nichts scheint ihn aus der Ruhe zu bringen. Uhlenwinkel ist eine der großen Konstanten in Hannovers Nachtleben, vor 20 Jahren hat er die Diskothek „Zaza“ an der Hamburger Allee aufgemacht. Freitag feiert er das Jubiläum, zunächst mit geladenen Gästen, ab Mitternacht öffentlich.

20 Jahre in der Nacht zu überleben, 20 Jahre Dauerparty, das ist eine Leistung. Die Stammgäste der ersten Stunde sind selbst schon lange Eltern, ihre Kinder feiern nun bei ihm die Nacht durch. Uhlenwinkel könnte Geschichten erzählen. Doch der Diskochef hälts, wie er es immer gehalten hat: Er denkt sich seinen Teil und schweigt. „Bei uns sind Ehen gestiftet worden, aber auch Partnerschaften zerbrochen“, sagt er. Mehr nicht.

Trotzdem hat der Mann viel zu erzählen, sein eigenes Leben ist spannend genug. Abi auf dem zweiten Bildungsweg, die Schulbank drückte er mit Leuten, die zehn Jahre jünger als er waren: „Ich war der Einzige, der im Jaguar vorfuhr und sowohl auf Lehrer- als auch Schülerpartys eingeladen war.“ Seine Lieblingsfächer: Mathe und Physik. Tiermedizin wollte er ursprünglich studieren.

Doch dann sog ihn das Nachtleben auf. In der Baghwan-Disko „Osho“ arbeitete er sich über die Garderobe und Bar zum Türsteher hoch und wurde schließlich einer von 25 Teilhabern: „Gastronomie war der erste Job, bei dem ich mich richtig gefreut habe, arbeiten zu gehen.“

Dann ergab sich die Chance mit dem Zaza: „Es hieß damals Shulz und war völlig heruntergewirtschaftet, aber ich fand den Laden sofort toll. Und die Lage sprach für sich“, sagt Uhlenwinkel. Nachtschwärmer nannten damals den Raschplatz „Bermuda-Dreieck“, weil man zwischen Baggi, Palo-Palo und Sub so gut versacken konnte. Und obwohl Uhlenwinkel kaum eigenes Kapital hatte, obwohl viele ihm abrieten, feierte er 1992 die Eröffnung. „Vorne machten wir die Türen auf, hinten fuhren wir noch Bauschutt heraus“, erzählt Uhlenwinkel und lacht: „Mir schlotterten die Knie, doch der Eröffnungstag, ein Donnerstag, lief super. Freitag war tote Hose. Nachts um fünf Uhr schaute Mousse T. noch vorbei. Aber am Samstag kamen wieder die Gäste.“ Sie feierten, flirteten, tanzten und tranken - und das bis lange nach Sonnenaufgang.

Und Uhlenwinkel machte mit. Er verdiente und investierte - nicht immer glücklich: Zoobiergarten, Espada, Mellendorfer Blue und Ex-Senza waren seine Läden oder er war an ihnen beteiligt. Heute betreibt er neben dem Zaza noch das Leinegold, eine Bar an der Königstraße.

Das neue Jahrtausend - für Jürgen Uhlenwinkel begann es mit einem persönlichen Überlebenskampf. Er war an Hepatitis C erkrankt und litt als Folge unter Leberzirrhose. Ein Wettlauf mit der Zeit begann. Drei lange Jahre musste er auf ein Spenderorgan warten. Uhlenwinkel stellte sein Leben um, rauchte nicht mehr, trank nicht mehr. Er nahm extrem ab, es ging ihm zusehends schlechter. „Aber ich wollte leben“, sagt er. Im Oktober 2004 dann der erlösende Anruf von der MHH - eine Spenderleber konnte transplantiert werden.

Geschenkte Jahre erlebt er nun, sie kostet er aus: „Ich bin vernünftiger geworden, gesetzter“, sagt er. Zwar raucht er wieder, trinkt aber meist Cola light statt Alkohol, gönnt sich etwas mehr Ruhe und betreibt ein Hobby, das so gar nichts mit der Nacht zu tun hat: „Ich züchte Pferde - Hannoveraner, Spring- und Dressurpferde für den Profisport.“ Wenn er von seinen Tieren spricht, von den Geburten, den Fohlen, der Körung (Auswahl von Hengsten für die Zucht), dann kommt ein anderer Jürgen Uhlenwinkel zum Vorschein. Ein Tagmensch, der verrückt genug ist, sich einen Kindheitstraum zu erfüllen.

Hat er noch Wünsche? „Ja. Ich habe noch nicht die Frau fürs Leben gefunden“, sagt der alleinerziehende Vater, der seine 14-jährige Tochter mit Hilfe seiner Mutter großzieht: „Ich hätte gern noch weitere Kinder.“