Hannover. Der Wechsel an die weiterführende Schule ist ein aufregender und wichtiger Schritt. Wie können Eltern ihr Kind dabei unterstützen?
Indem sie selbst so wenig aufgeregt wie möglich sind und nicht versuchen, die ideale Schule zu finden. Eltern wollen, dass ihre Kinder es besser haben als sie selbst. Das führt leicht zu einer Überforderung von Eltern und Kind.
Das hört sich ja fast so an, als ob Eltern ohne Abitur ihr Kind nicht auf ein Gymnasium schicken sollten?
Doch, natürlich. Was ich sagen will: Die Atmosphäre und die Elternschaft an einer Schule sollten zur Familie und ihrer realen Alltagssituation passen. Wenn beide Eltern arbeiten, sind sie vielleicht schlecht beraten mit einer Schule, die viel Engagement der Eltern bei den Hausaufgaben erwartet.
Eltern schätzen ihr Kind manchmal anders ein als die Lehrer der Grundschule. Ist das eigene Urteil zuverlässiger?
Eltern erleben ihr Kind zu Hause. In der Schule zeigen Kinder aber oft andere Stärken und Schwächen. Bei der Empfehlung der Lehrer geht es um die Frage, wie sich das Kind in der Schule weiterentwickeln könnte.
Sollte man Kinder bei der Schulwahl mitentscheiden lassen?
Grundsätzlich gilt, dass Kinder das behalten wollen, was sie haben. Sie wollen bei ihren Freunden bleiben, wollen morgens nicht aus dem Haus, und sie haben Angst vor der neuen Schule. Kinder können noch nicht entscheiden, was das Richtige für sie ist. Die Eltern müssen das übernehmen und am besten gemeinsam mit den Lehrern.
Und wenn das Kind mit seinen Freunden auf die gleiche Schule gehen will?
Grundschulfreundschaften bewähren sich in der Regel in dem neuen Umfeld nicht lange. Eltern sollten sich eher fragen, in welcher Schulgemeinschaft sie sich wohlfühlen.
Können Eltern ihrem zehnjährigen Kind einen weiten Schulweg mit Bus und Bahn zutrauen?
Es hilft, wenn es eine Fahrgruppe mit anderen Kindern aus dem Stadtteil gibt. Aber es sollte gut überlegte Gründe geben, warum das Kind nicht die nächstgelegene Schule besucht. Schüler sind durch die immer weiter steigenden Anforderungen sehr unter Druck. Mit einem langen Fahrweg sind sie oft über 40 Stunden in der Woche unterwegs, dazu kommen noch die Hausaufgaben. Das geht oft über die normale Belastung eines Erwachsenen hinaus. Ein langer Schulweg macht es den Kindern außerdem schwerer, sich mit Freunden zu verabreden.
Und wie können Eltern helfen, wenn es dann endlich an der neuen Schule losgeht?
Der Schulwechsel im 10. oder 11. Lebensjahr, also mit Beginn der Pubertät, stellt sowieso eine große Verunsicherung dar. Eltern sollten sich nicht irritieren lassen, wenn ihr Kind seine Zeit braucht, um sich in dem neuen sozialen Umfeld zurechtzufinden.