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Zoo Große Tiere und mächtige Menschen
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15:41 08.09.2009
Die Hindenburgvilla: der Alterswohnsitz von Reichspräsident Paul von Hindenburg Quelle: Frank Wilde

Es geht wirklich staatsmännisch zu im Zooviertel. Wer abends essen geht, der reserviert im „Hindenburg-Klassik“, wer einen Cappuccino trinken will, der bestellt ihn im „Hindenburg-Kaffee“. Und wen die Sommergrippe erwischt hat, der steuert die „Hindenburg-Apotheke“ an. Die Namensgleichheit kommt nicht von ungefähr. Zwischen stattlichen Villen, Eilenriede und Zoo hat in den 20er Jahren schon Reichspräsident Paul vonHindenburg seinen Ruhestand genossen.

Die Prominenz gehörte schon immer wie selbstverständlich zum Zoo. Obwohl Altkanzler Gerhard Schröder mittlerweile in Waldhausen lebt – seine alte Heimat wird den Namen Kanzlerviertel nicht wieder los. Gleich neben der leicht klotzig wirkenden Hindenburgvilla – übrigens ein Geschenk der Stadt an den Reichspräsidenten – quartierten sich auch schon etliche Ministerpräsidenten ein. Gerhard Glogowski nutzte die kleine Wohnung im Gästehaus der Landesregierung, und auch Christian Wulff machte es sich hier schon mal für eine kurze Zeit gemütlich.

Die richtig großenTiere allerdings leben auf der anderen Seite der Adenauerallee, die das Wohnquartier von der Eilenriede trennt – im Erlebnis-Zoo. 2000 Tiere haben ihr Zuhause zwischen Dschungelpalast und Sambesi-Landschaft und locken jährlich rund 1,2 Millionen Besucher an.

Kerstin Flimm kann sich kaum einen schöneren Ort zum Leben in der Stadt vorstellen. „Hier geht es ländlicher zu als in Burgwedel“, meint sie. Flimm wohnt nicht nur, sie arbeitet auch im Zooviertel. An der Seelhorststraße betreibt sie das „Hindenburg-Kaffee“. Hier treffen sich bei Pasta und Pellegrino in der Mittagspause die unzähligen Anwälte und Notare, die sich im Zooviertel niedergelassen haben.

Kerstin Flimm steht hinter der kleinen Bar ihres Bistros und schwärmt davon, wie bequem es sei, stadtnah und gleichzeitig mitten imGrünen zu leben. „Wie neugeboren“ fühle sie sich, seit sie hier lebe. „Mittlerweile habe ich das Gefühl, ich kenne fast jeden hier. Wie auf dem Dorf.“

Der Vergleich mit dem Dorf fällt auch, wenn man mit Anke Kasper spricht. Der Besitzerin von Hannovers wohl berühmtestem Supermarkt. Damals, als Gerhard Schröder samt Familie direkt gegenüber von dem kleinen Edeka-Markt an der Plathnerstraße sein Reihenendhaus bezog, da sammelte Kasper erste Fernseherfahrung. Doch egal, ob Schröder oder Künstler Bruno Bruni – die Prominenz imViertel interessiert Kasper weniger. Vielmehr sind es die Ruhe, die netten Kunden und die ländliche Atmosphäre.

Die Eilenriede, Hannovers grüne Lunge, ist für viele das Argument, das Zooviertel zu ihrem Viertel zu machen. Der Sonnenspielplatz im vorderenTeil des Stadtwaldes ist oft so gut besucht, dass das Kindergeschrei sogar den Klangteppich der nebenan probenden Musikhochschulstudenten übertönt.

1972 wurde das Hauptgebäude der Musikhochschule am Zipfel der Eilenriede errichtet. Interessant ist die Architektur mit den vielen Ecken und Winkeln im Inneren. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich:Hier wurde ein menschliches Ohr nachempfunden. Verwinkelte Gänge, auf denen schon Schauspielerinnen wie Katja Riemann oder Ulrike Folkerts ihre Texte lernten.

Ein Viertel mit prominenter Besetzung eben.

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