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Kleefeld Ein dreiblättriges Klee-Feld
Thema Specials So lebt Hannover Ost Kleefeld Ein dreiblättriges Klee-Feld
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10:34 25.11.2009
Für viele zählt das Kleefelder Bad zu den schönsten der Stadt.
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Ein vierblättriges Kleeblatt bringt Glück, heißt es. Weil es so selten ist. Doch normaler Alltagsklee hat drei Blätter, und Hannovers Kleefeld macht da keine Ausnahme. Der Stadtteil ist dreifach geteilt – mit einer Art Wurmfortsatz um den Hermann-Löns-Park.

Bahntrasse und Kirchröder Straße zerschneiden den Stadtteil in drei ungleiche Tortenstücke. Trennlinien nicht nur der Architektur. Nördlich der Bahn liegt das Handwerker- und Arbeiterviertel. In der Mitte die Gartenstadt für den gehobenen Mittelstand und im Philosophenviertel am Rand der Eilenriede leben die, die sich wohl am wenigsten um ihre Rente sorgen müssen: Unternehmer, Vorstände, Ärzte. Auch Ministerpräsident Chris­tian Wulff wohnte hier.

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Annabad: Für viele zählt das Kleefelder Bad, im Volksmund Annabad nach dem benachbarten Annateich genannt, zu den schönsten der Stadt. Franziska Hohenstein (24) kommt extra aus der Südstadt hierher. 1937 eröffnet, wurde das Annabad im Jahr 2004 in die Liste der Baudenkmale aufgenommen.

„Jenseits des Bahndamms“ heißt es auf beiden Seiten. Orte der Begegnung gibt es in der Grundschule, im Sportverein, auf dem Wochenmarkt. In einem aber sind sich alle Kleefelder einig: „Wir leben gern hier, mitten im Grünen“, meint Rainer Voltmer vom Bürgerverein.

Grün ist die Farbe des Stadtteils, ausladende Kastanien verwandeln nicht nur die Berckhusenstraße in eine Allee. Spielplätze gibt es jede Menge. Doch es fehlt an Einrichtungen für Jugendliche. Die wenigen Vereine können das nicht auffangen.

„Kleefeld war nie ein eigenes Dorf“, erklärt Heinrich Drewicke. „Wir haben keine gewachsene Vereinskultur.“ Drewicke ist ein Urgestein der Kleefelder Sozialdemokratie. Während der Nazi-Zeit sei Kleefeld eines der lokalen Widerstandszentren gewesen, berichtet er. Wobei die katholischen Mönche von St. Antonius eine Rolle spielten: „Immer wenn mein Vater sich verstecken musste, kam er im Kloster unter.“

Die Wohnungsgenossenschaft Kleefeld-Buchholz hat viel zur Aufwertung des Arbeiterviertels beigetragen: Balkons wurden angebaut, Fassaden bunt gestrichen, einige Häuser behindertengerecht ausgebaut, Grünstreifen bepflanzt, ein Mietertreff eingerichtet. „Es geht voran“, meint auch Bezirksbürgermeister Ge­org Fischer, der besonders stolz auf den offenen Bücherschrank am Schaperplatz ist.

Voranbringen will auch der Bürgerverein das Miteinander im Viertel. Kleefeld – ein Ort der eher stillen Freude. Für manchen zu still. Ein bisschen mehr Leben dürfte es da schon sein. Der Bürgerverein will den sozialen Kontakt im Stadtteil verbessern. Auf den monatlichen Kinoabenden gelingt das bereits ganz gut. „Gemeinsam einen Film sehen und darüber reden macht doch viel mehr Spaß“, so der Vorsitzende Rainer Voltmer. Ziel aber sei ein sozio-kulturelles Stadtteilzentrum.

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... ich nach einem Tag mit viel Trubel die Nähe der Eilenriede genießen kann. Das Vogelgezwitscher ist einfach ein Traum! Margrit Gieseke, Parfümerie Liebe

Voltmer wohnt in dem denkmalgeschützten Reihenhaus-Ensemble der Gartenstadt – ein Versuch der 20er Jahre, die Stadtflucht einzudämmen. Ein Neubaugebiet schließt sich harmonisch an. In Vorgärten stehen grüne Schildchen: „Bitte spielen“ oder „Bitte tief durchatmen“. Galerist Robert Drees hat sie seinen Nachbarn angeboten. Sie stammen von dem isländischen Künstler Hlynur Hallsson, der zur deutschen Schilderwut etwas Aufmunterndes habe beitragen wollen, so Drees. Vor seinem eigenen Haus steht die Aufforderung „Bitte vor Freude hüpfen!“. „Es kommt schon vor“, schmunzelt der Galerist, „dass ein paar Schüler davor lachend in die Luft springen. Ist doch schön, wenn Kunst so wirkt.“

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