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Marienwerder Helge Michael Breig: "Das "Wohnghetto" ist heute eine grüne Oase"
Thema Specials So lebt Hannover Nord Marienwerder Helge Michael Breig: "Das "Wohnghetto" ist heute eine grüne Oase"
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13:13 11.11.2009
Das Künstlerpaar Helge Michael Breig und seine Frau Jutta in ihrem Atelier in Marienwerder. Ihre Wohnungim Quastelholz wurden wie viele andere extra für Künstler geschaffen. Breig arbeitet häufig an Kirchenmotiven. Quelle: Christian Behrens

Was hat Sie nach Marienwerder verschlagen?

Als vor 40 Jahren der Stadtteil entstand, hörten meine Frau und ich davon, dass hier Atelierwohnungen entstehen sollen. Als wir uns angemeldet haben, hieß es allerdings, es sei schon alles belegt. Ein Professor der Fachhochschule, der sich beworben hatte, war den Planern aber als Künstler zu mickrig. Sie kamen auf uns zurück.

Es gibt hier viele Reihenhäuser, Ihr Grundstück ist von weißen Mauern umgeben. Engt das nicht ein?

Als wir in den 60ern hierher gezogen sind, kamen kurz danach einige Architekturstudenten, die diese Mustersiedlung, die aus dem Nichts entstanden war, anschauen sollten. Die standen also alle am Fenster meines Ateliers und meckerten, dass die Aussicht deprimierend sei. Sie empfanden es als Wohnghetto.

Hatten sie denn recht?

Na klar, das war es damals auch, es war ja alles ganz neu. Sie sollten sich dann vorstellen, wie es aussehe, wenn erstmal Bäume gewachsen sind, alles grün ist. Das konnten sie nicht. Heute ist es genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich sitze an meinem Tisch, male, sehe den wunderschönen Himmel und die Baumkronen.

Abgesehen von der Aussicht, wie ist das Leben in Marienwerder?

Man ist schnell in der Natur, aber auch schnell in der Stadt. Die Anbindung ist gut, trotzdem sind wir außer in Richtung Havelse von Grün umgeben. Nur in bestimmten Monaten haben wir ein Geruchsproblem. Je nachdem, wie der Wind steht. Mal riecht es nach Gülle von den Feldern der Bauern. Oder nach Chemie – von De Haën aus Seelze. Aber es ist auszuhalten.

Und die Nachbarn? Nett?

Sind sie, ja. Nach 40 Jahren in der Siedlung kennt man natürlich auch viele. Nicht alle, das ist bei mehr als 120 Häusern schwer möglich. Und dann müssen Sie bedenken, dass viele hierher gezogen sind, als die Siedlung entstand. Die sind jetzt im Seniorenalter, ihre Kinder sind lange aus dem Haus. Aber es ist schön zu sehen, dass neue Familien kommen und die Grundschule bleiben kann.

Woran arbeiten Sie gerade?

Erstmal stellt meine Frau im Kloster aus. Sie war eine von denen, die vor zehn Jahren angeregt haben, dort Ausstellungen abzuhalten. Und ich mache einfach, was mir Spaß und Geld bringt.

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