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Mitte Wo die Nacht voller Leben ist
Thema Specials So lebt Hannover Mitte Wo die Nacht voller Leben ist
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10:46 25.11.2009
Das Historische Museum, mit dem beleuchteten Leibniz-Zitat.
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In der Leine spiegelt sich der Landtag. Es ist Mitternacht, der Verkehr am Ufer ist fast zum Erliegen gekommen, das „Flohmarktgrenze“-Schild nur schemenhaft zu erkennen.

Im Rücken das Historische Museum, mit dem beleuchteten Leibniz-Zitat. Immer klarer werden die Konturen im Wasser, immer weiter schweifen die Gedanken. Die Augen verfolgen Fledermäuse, bis sie wieder in der Dunkelheit verschwinden. Ein Entenpärchen quakt. Der Landtags-Nachtwächter bleibt auf seinem Rundgang stehen. „Wenn bei Vollmond der Himmel klar ist, und der Mond genau zwischen Landtag und Rathaus steht – dann ist die Nacht hier am Schönsten.“

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Oper: Er ist kein Unbekannter in der Stadt – und auch für die Oper verantwortlich: Georg Ludwig Laves, von 1814 bis 1864 Hofbaurat Hannovers. 1852 wurde das klassizistische Bauwerk eingeweiht. 1943 brannte das Gebäude während des Krieges aus, bereits fünf Jahre später gab es wieder die erste Vorstellung.

Wummernde Bässe. Das schummerige Licht flackert, macht Menschen zu Silhouetten, die sich dem Diktat des DJs beugen. Ekstase – alkoholbefeuert, schweißnass. Raschplatz heißt der wilde Hinterhof des Stadtteils Mitte. Die Jungen, die Schönen, und die, die es gern wären, verwandeln das „Palo Palo“ in einem Schmelztiegel des Nachtlebens. Lange Schlangen vor der Kult-Disco „Baggi“, Dutzende warten auf Einlass ins „Studio 6“. Sie eint ein Traum: Die Nacht zum Tag zu machen. Um Montag angeben zu können.

Zweimal Hannover. Zwei Nächte. Zwei Welten. In der Innenstadt liegt alles nahe bei-, manchmal sogar nebeneinander. Wie am Steintor, wo sich Feier- und Freiervolk mischen. Zunächst nicht Party-, sondern schlicht Rotlichtquartier, hat es sich nach dem Vorbild Reeperbahn zum Szeneviertel gewandelt.

Wer sich von hier nur einige hundert Meter in Richtung Altstadt treiben lässt, hängt das Zwielicht ab. Die Marktkirche strahlt über allem. Altstadt bei Nacht, das ist Romantik. Die kleinen Gassen. Die Cafés und Restaurants, in denen laue Sommernächte ewig dauern könnten. Der Ballhof. Und das Gefühl, die Stadt hinter sich gelassen zu haben, den Lärm, das Aufdringliche. Nicht alles ist hier erleuchtet, aber was strahlt, strahlt zurecht. Zu später Stunde, wenn die Theateraufführung in Ballhof vorbei, der kleine Club „3Raum“ noch nicht geöffnet ist, hat man hier seine Ruhe. „Eine ganz eigene, kultivierte Atmosphäre“, findet Mareike de Vronies. „Erst ins Schauspiel, dann noch einen Wein – perfekt!“

„Unterm Schwanz“ der Pferdestatue, auf der Ernst August thront, treffen sich am frühen Abend Menschen, um aufzubrechen ins Nachtleben. Benjamin aus Barsinghausen hat ein Schweinekostüm angezogen, verkauft Schnapsfläschchen. Junggesellenabschied mit Freunden, die auch gleich die besten Kunden sind. Schwarz gekleidete Jugendliche, die Gleichgesinnte treffen. Pfandflaschensammler. Fußball-Fans auf dem Rückweg vom Stadion. Und Paare, die in Abendkleid und Smoking auf Freunde warten, die mit ihnen in die Oper wollen. Oder vielleicht auch unter dem Schein des Kristallleuchters, der über der Sophienstraße pendelt, ins Künstlerhaus.

Mitte hat nachts viele Gesichter. Wenn das größte Licht aus ist – und Platz für kleine Lichter lässt.

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