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Mitte Wo das Herz von Hannover schlägt
Thema Specials So lebt Hannover Mitte Wo das Herz von Hannover schlägt
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10:43 25.11.2009
Das Neue Rathaus steht auf 6000 Buchenpfähle und ist Hannovers Wahrzeichen.

Ob es schon im Mittelalter diese unbelehrbaren Hannover-Spötter gab, ist nicht überliefert. Falls ja, werden sie wenigstens schon damals anerkannt haben müssen: Die Verkehrslage ist Eins a! Zwei uralte Fernstraßen kreuzten sich an einer Leine-Brücke, wo sich alsbald Händler und Fischer niederließen und ihre Waren auf einem Markt feilboten.

Für seinen Broterwerb geht der 82-jährige Teeverkäufer Alaettin Unat heute in die wind- und wetterfeste Markthalle: „Früher gab es zehn, 20 Gemüse- und Fleischhändler hier drin.“ Die Zeiten haben sich geändert: Es gibt Snacks aus allen Kontinenten, weshalb die Markthalle mittags wie ein Magnet die Büros in der Umgebung leersaugt.

Nicht weit von hier hat die Zeit eine Rolle rückwärts gemacht. Die Altstadt ist ein Schmuckstück aus Kopfstein und Fachwerk, und käme jetzt der Herzog von Calenberg um die Ecke, man würde ihn untertänigst grüßen anstatt sich zu wundern.

Der Duft von Apfelkuchen. Es ist schwer, am Teestübchen am Ballhof vorbeizugehen. Imke Matull und Kamila Kriger haben es nicht geschafft und schwärmen: „Nirgendwo kann man so schön draußen sitzen wie hier.“ In der Tat: Es gibt kaum eine hübschere Ecke in dieser Stadt, wo dereinst die Hofgesellschaft von Herzog Georg Wilhelm Federball spielte. Und erst das Kreuzkirchenviertel: Als sei die Großstadt hinter einer dicken Stahltür ausgeschlossen. Nur eine Krähe ist zu hören, die auf einem Mauervorsprung der gotischen Kreuzkirche sitzt. Auf den Fensterbänken stehen Blumenkästen, Efeu klettert die Wände empor.

Die Großstadt ist nur zwei Kurven entfernt, so wie alles in Hannover-Mitte nah beieinander liegt. Amüsierviertel, Fußgängerzone, Hauptbahnhof. Ein paar Schritte mehr nehmen Marissa Voß (18) und Franziska Wulf (23) heute in Kauf, 4200 Meter wollen die beiden insgesamt beim Sightseeing-Rundgang entlang des Roten Fadens zurücklegen. Momentan ruhen sie sich an den Nana-Skulpturen aus. „Nun wohnen wir schon so lange hier und kennen nur die Einkaufsstraße. Deswegen wollen wir Hannover heute endlich näher kennen lernen“, sagt Marissa.

„Sehr entspannt und sympathisch“, findet Daniel Nerlich (30) seine neue Heimat. Der Schauspieler, der gerade vor der Cumberlandschen Galerie seinen Text probt, ist aus Düsseldorf hierher gezogen. Er würde sich jetzt vielleicht trefflich mit Georg Ludwig Laves unterhalten können, so von Künstler zu Hofbaumeister. Der jedenfalls setzte architektonische Glanzlichter in der Stadt. Das klassizistische Opernhaus gehörte dazu, das Mitte des 19. Jahrhunderts auf der „grünen Wiese“ errichtet wurde, wie König Ernst August zunächst lästerte. Ein Spaziergang entlang dem Prachtboulevard Georgstraße ist eine Wonne, zwischen Bars und feinen Restaurants sind die Schaufenster edel geschmückt.

Scarlett Bilsky (18) und Frederic Burg (25) haben die Stadt auch in ihren Herzen eingeschlossen, wollen immer wieder zurückkommen zu den Maschteichen hinter dem Neuen Rathaus. „Vor einem knappen Jahr hatten wir hier unsere erste Verabredung“, sagt Scarlett und blickt auf Hannovers berühmtes Wahrzeichen.
Am Ende ist die verkehrsgünstige Lage herzlich egal. Denn wozu soll man hier weg?

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