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Geschäftsleute wollen ihr Viertel mitgestalten

In vielen westlichen Stadtteilen haben sich in jüngster Zeit Standortgemeinschaften gebildet, um die lokale Wirtschaft anzukurbeln.

Sie organisieren Stadtteilfeste und mischen sich auch in Debatten um Bauvorhaben ein: Standortgemeinschaften, also Zusammenschlüsse von Gewerbetreibenden, gibt es mittlerweile in fast allen Stadtteilen. Erst vor Kurzem haben sich auch in Limmer und Badenstedt Geschäftsleute zusammen getan. Die Interessengemeinschaft (IG) „Unternehmen Limmer“ hat sich als erste Aufgabe die Organisation des für den 29. August geplanten Stadtteilfestes vorgenommen. „Wir zeigen uns dort, aber vor allem wird das ein Fest für die Anwohner“, verspricht Vorsitzender Nils Peters. Der IG gehören zurzeit zehn Firmen an. Sie wollen vor allem für verbindliche Absprachen unter den Mitgliedern sorgen.

„So etwas hat doch mehr Gewicht, als wenn Einzelne sich zu bestimmten Themen äußern“, meint Peters. Mitreden will die IG auch bei etlichen Bauvorhaben im Sanierungsgebiet Limmer, wie der Nahversorgung des geplanten Wohngebiets Wasserstadt oder dem Umbau der Geschäftszeile an der Franz-Nause-Straße, weil diese die lokale Wirtschaft beeinflussen. Auch der Verein „Wirtschaftskreis Badenstedt“ will nicht nur die wirtschaftlichen Belange seiner Mitglieder vertreten. Er will sich auch für mehr Lebensqualität im Stadtteil einsetzen. „Das bedeutet, dass die Badenstedter auch in ihrem Umfeld einkaufen und unsere Kompetenzen nutzen können“, erläutert Hartmut Remm, Vorsitzender des Wirtschaftskreises, dem 25 Firmen angehören. So sei zum Beispiel der Badenstedter Markt wegen „zu hoher Mieten“ und zu wenig Publikum ein schwieriges Umfeld, meint der Augenoptiker.

Zunächst aber soll im November eine Gewerbeschau das Leistungsvermögen der Gewerbetreibenden zeigen. Ähnliches hat der Ahlemer Wirtschaftskreis für Ende August vor. „Eine solche Schau ist für uns ein Weg zur Selbstdarstellung“, sagt Vorsitzender Dieter Drell. „Andererseits lernen die Bürger auch einmal die Inhaber der Geschäfte aus ihrer Nachbarschaft kennen.“ Diese Transparenz sei wichtig, um Kaufkraft im Stadtteil zu halten. In Linden gibt es mit der „Aktion Limmerstraße“ in Linden-Nord, „LindenGut“ in Linden-Mitte und dem „Deisterkiez“ in Linden-Süd gleich drei Standortgemeinschaften. Diese Teilung entspreche Lindener Gepflogenheiten, sagt „Deisterkiez“-Sprecher Olaf Töpelmann. „Die Deisterstraße ist doch anders, als die anderen Viertel.“

Lange Zeit hatten leere Läden die Straße geprägt. Inzwischen locken Modegeschäfte und Straßenfeste neue Kunden an. „Durch diese Entwicklung nehmen die Menschen ihr Viertel ganz anders wahr“, sagt Töpelmann. Für das nächste Jahr planen die drei Lindener Standortgemeinschaften einen gemeinsamen verkaufsoffenen Sonntag mit Kulturprogramm. Dan soll es vom Freizeitheim über den Küchengartenplatz bis hin zum Ahrbergviertel gemeinsame Aktionen geben. „So etwas macht doch den Charme von Linden aus“, meint Tobias Kriewitz von „LindenGut“. Als „Kaufhaus Ricklingen“ bewirbt die Interessengemeinschaft Ricklingen die Geschäftszeilen im Stadtteil.

Vor allem der Ricklinger Stadtweg brauche jetzt neuen Schwung, sagt Vorsitzender Arnold Wittke. Die Geschäfte dort hätten stark unter den jahrelangen Bauarbeiten für die drei neuen Hochbahnsteige gelitten. „Es gab Umsatzeinbußen, einige Läden mussten schließen“, berichtet er. „Jetzt müssen wir überlegen, wie wir diese Probleme auffangen.“

von Marcel Schwarzenberger


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