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Süd Kein schönes Sitzen auf kalten Bänken
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14:15 23.12.2009
Jörg Wächtler setzt sich auf seine Handschuhe, weil die Metallbank an der Station Peiner Straße so kalt ist. Quelle: Karin Vera Schmidt
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Ein Wartehäuschen auf einem Hochbahnsteig, Hildesheimer Ecke Peiner Straße. Die Stadtbahn ist noch nicht in Sicht. Christoph Janikowski setzt sich, springt aber gleich wieder auf. „Das ist ja arschkalt hier“, entfährt es ihm. Und: „Da ist ja Rauhreif drauf.“ Der 43-Jährige trägt die Jeans hinten gern etwas durchgewetzt, einen Moment lang hatte er Hautkontakt mit blankem Metall. Nanya Bartels sieht ihn mitleidig an. Die 80-Jährige trägt zwar einen langen Mantel, hinsetzen will sie sich aber nicht – obwohl sie mit einem Rollator unterwegs ist und nicht gut stehen kann. „Diese Bank ist viel zu kalt“, sagt sie, „ich kann es mir nicht erlauben, mich zu erkälten.“ „Eine Zumutung ist das“, meint auch Uwe Spitzenberger, der – ebenfalls stehend – auf die Bahn wartet, „diese Metallbänke hätten die sich genauso gut sparen können.“ Üstra-Kunde Jörg Wächtler weiß sich zu helfen: Er setzt sich bei Kälte stets auf seine Handschuhe. Der Wintereinbruch hat die Fahrgäste kalt erwischt. Denn in den neuen Üstra-Unterständen gibt es nur noch Metallbänke – unabhängig davon, ob es sich um Bushaltestellen oder Stadtbahn-Stationen mit Hochbahnsteigen handelt.

Die alten grünen Wartehäuschen an Stadtbahnhaltestellen auf Fahrbahnniveau behalten bis auf Weiteres ihre Holzbänke. Bei Üstra-Kunden erfreuen sich diese im Winter größerer Beliebtheit, sind sie doch deutlich wärmer. Warum aber wurden an anderer Stelle überhaupt Metallbänke installiert? „Der Grund ist die höhere Festigkeit von Metallbänken, die Vandalismusattacken viel besser standhalten“, erklärt Üstra-Sprecher Udo Iwannek. An den Holzbänken dagegen werde immer wieder herumgeschnitzt und -gesägt. Es gab Fälle, dass sich Fahrgäste durch Holzsplitter verletzten, manche Bänke waren mit der Zeit sogar bruchgefährdet oder wurden – vereinzelt – sogar komplett zerstört. Iwannek bedauert aber durchaus, dass die Fahrgäste nun auf kühlem Metall Platz nehmen müssen.

Die Werbefirma X-City-Marketing, die als Vertragspartner der Üstra alle alten Wartehäuschen an Bushaltestellen gegen neue austauscht, wird diese Arbeiten bis Mitte 2010 abgeschlossen haben. Dann soll es keine Holzbank mehr in den insgesamt 413 Bushäuschen im Stadtgebiet geben. 403 Einzel-Haltestellen – also Busstopps an jeweils einer Straßenseite – bleiben ganz ohne Unterstellmöglichkeit. „Vielerorts gibt es nicht ausreichend Platz oder nur geringe Einsteigerzahlen, so dass der Aufwand nicht gerechtfertigt wäre“, sagt Iwannek. 272 Unterstände sind im Zuge des Austauschprogramms bereits neu aufgestellt worden.

Auch die Hochbahnsteige für Stadtbahnen, die die Infrastrukturgesellschaft Region Hannover (Infra) baut, werden seit dem Jahr 2000 mit Metallbänken ausgestattet. Nur in den Unterständen auf den ersten Hochbahnsteigen aus früheren Jahrzehnten gibt es noch Holzbänke. „Wir haben nach der Expo die Modelle für die Unterstände standardisiert“, erklärt dazu Martin Vey, Betriebsleiter Bau bei der Infra. Grund sei auch hier der zunehmende Vandalismus gewesen. Zwei Drittel der insgesamt 202 Stadtbahnhaltestellen sind nach Auskunft von Vey bereits mit Hochbahnsteigen und entsprechenden Unterständen ausgestattet. Im Durchschnitt schaffe die Infra pro Jahr den Bau von drei neuen Hochbahnsteigen. Bei rund 70 ausstehenden Umbauten können Stadtbahnfahrgäste also noch rund 20 Jahre darauf hoffen, zur Winterszeit irgendwo auf eine wärmere Holzbank zu stoßen.

Die Allgemeinmedizinerin Ulrike Sommerkamp aus Waldheim empfiehlt den Wartenden, sich bei Kälte auf Taschen oder Mäntel zu setzen statt auf blankes Metall. „Da kann man sich schnell eine Blasenreizung holen, und auch die Prostata ist kälteempfindlich“, erläuterte die Ärztin auf Anfrage des Stadt-Anzeigers. Nicht umsonst rieten Erwachsene ja schon Kindern, dass sie sich nicht auf einen eiskalten Untergrund setzen sollen.

von Karin Vera Schmidt

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