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Ost Wochenmärkten mangelt es an Kunden und Nachwuchs
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12:54 13.09.2012
Von Susanna Bauch
Nicht nur die Stände lichten sich, auch die Kundschaft macht sich am Moltkeplatz häufiger rar. Quelle: Bauch
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Von oben betrachtet ist der Mittwoch-Markt am Moltkeplatz ein einziges bunter Treiben zwischen farbenfrohen Sonnenschirmen über prall gefüllten Ständen voller Obst, Blumen und Gemüse. Aber seit geraumer Zeit zeigen sich im Marktgewimmel auch Lücken. Zur Urlaubszeit fehlen traditionell einige Händler, doch manch einer kommt nach den Ferien nicht wieder. Der Bio-Bäcker etwa an der Voßstraße musste aufgeben, ein Stand mit Wurstspezialitäten an der Husarenstraße ist ebenfalls verschwunden.

„Die Kunden bleiben aus und die Konkurrenz schläft nicht“, sagt ein Obst- und Gemüsehändler, der seit 25 Jahren auf dem Moltkeplatz steht, seinen Namen aber nicht in der Zeitung lesen möchte. Supermärkte mit Billigangeboten würden das Geschäft verderben, außerdem hätten viele Menschen einfach keine Zeit mehr für einen Marktbummel. „Die sind doch heute fast alle berufstätig.“

Auch Hans-Heinrich Riepen, Obstbauer aus dem Alten Land und seit Jahrzehnten im Marktgeschäft, erinnert sich an weitaus bessere Zeiten. „Vor zehn Jahren habe ich 80 Kisten Äpfel verkauft, heute machen wir ein Fass auf, wenn es mal 20 sind.“ Bei einer Bestellung wie „200 Gramm Äpfel“ kann er nur den Kopf schütteln. Bis vor Kurzem sah es daher so aus, als würden seine Äpfel nicht mehr lange auf dem Moltkeplatz verkauft, zumal keines seiner Kinder den Betrieb übernehmen wollte. Jetzt ist Nichte Anke Olters miteingestiegen, der gute Standplatz mitten auf dem Markt wird also nicht frei.

Marktamtsleiter Michael Flohr hat ohnehin wenig Sorge, dass an einem Marktstandort wie dem Moltkeplatz Händlermangel herrscht. „Wenn ein guter Platz frei wird, rutschen erst mal die aus der zweiten Reihe nach. Und für diese Plätze können dann wieder neue Händler aufgenommen werde.“ Am Moltkeplatz gibt es zwar keine lange Warteliste von Händlern, aber eben auch wenig „Leerstand“. „Und der wird - vor allem in Ferienzeiten - oft auch spontan gefüllt“, sagt Flohr. Viele Händler stünden früh morgens auf dem Platz, um sich beim Marktmeister nach freien Optionen zu erkundigen. So seien dann manchmal auch neue Händler anzutreffen, die oftmals keine „grüne Ware“ im Angebot hätten. „Die sind dann nach dem Urlaub wieder weg.“ Grundsätzlich versuche die Stadt, das Angebot eines Wochenmarktes so zusammenzusetzen, dass es attraktiv bleibe. „Wir wollen keine Sonnenbrillen oder Billigschmuck.“

Kai Kaufmann ist einer der wenigen Händler, die in die Fußstapfen der Eltern getreten sind - er hat den Betrieb mit Fleisch- und Backwaren übernommen. „Geplant war das nicht unbedingt, aber es hat sich eben so ergeben.“ Nach den Umsätzen gefragt, zuckt er freundlich mit den Schultern - „meine Mutter kennt da wohl ganz andere Zeiten.“

„Die junge Generation will oft nicht weitermachen“, sagt Michael Flohr. Das ist ein echtes Problem. Das weiß auch der Landersverband Niedersachsen der Markt- und Schaustellerbetriebe. „Schwere Arbeit, ein 15-Stunden-Tag,d er morgens um 3 Uhr beginnt - das will keiner mehr machen“, sagt Verbands-Sprecher Sigurd Wisseroth. Zudem gebe es immer weniger Kunden, „die Leute arbeiten und essen in der Kantine, da brauchen sie keine frischen Vorräte.“ Auch hat Wisseroth zudem die Erfahrung gemacht, dass die Händler Nachwuchssorgen haben. „Wenn einer aufhört, kommt keiner aus der Sippe mehr nach, das war früher ganz anders.“ „Die Leute müssen kämpfen,“ bestätigt auch Michale Flohr.

Je weiter weg von der City die Standorte sind, desto mehr machen große Supermärkte mit viel Parkraum den Marktbeschickern Konkurrenz, weiß Flohr. Grundsätzlich hätten die Händler auf den innenstadtnahen Wochenmärkten noch den größtmöglichen Erfolg. Der Markt am Donnerstag auf der Lister Meile in Höhe Sedanstraße sei aus diesem Grund unlängst sogar vergrößert worden. „Wir haben außerhalb des Marktes Parkraum für die Lastwagen der Händler geschaffen und so eine Mittelreihe mit vier neuen Ständen aufmachen können“, sagt Flohr. Eine Entwicklung, die wiederum auch nicht jedem angestammten Beschicker recht ist. „Da, wo jetzt die Lkw stehen, konnten früher unsere Kunden parken. Optimal ist das nicht“, findet Blumenhändler Heiko Oeser.

Wochenmärkte in Hannover: 29 Märkte gibt es derzeit in den hannoverschen Stadtteilen. Der Markt am Moltkeplatz besteht bereits seit 1919, momentan sind rund 56 Stände auf einer Fläche von 3850 Quadratmetern vertreten. Auf der Lister Meile wird seit 1973 unter freiem Himmel verkauft, hier verteilen sich 35 Händler auf 2100 Quadratmetern. Auf dem Markt an der Klopstockstraße sind 28 Händler vertreten. Im Zooviertel kommen genau wie am Schaperplatz in Kleefeld 25 Beschicker zum Zuge. In Groß-Buchholz und am Sahlkampmarkt bieten jeweils 20 Händler ihre Waren feil, der kleinste Markt in den östlichen Stadtteilen ist mit 12 Beschickern in Misburg.

„Und aus dem Vahrenheider Markt ist leider nie ein echter Markt geworden“, sagt Marktamtsleiter Michael Flohr. Gerade einmal vier Händler hätten sich dort eingefunden, „das ist kein richtiger Markt.“ Hier fehle einfach die Kundschaft für den traditionellen Wochenmarkt. Die Jahresgebühr für einen Marktstand kostet grundsätzlich 104,40 Euro je Frontmeter und einer Tiefe von 2,50 Meter pro Standort. „Die Preise sind recht moderat, weil wir mit der Pacht für die Stände weder Gewinne noch Verluste machen dürfen“, betont Flohr.

Eine Übersicht über die Wochenmärkte in der Region

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