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Aus Liebe zum Baum

In den Straßen der List fällt in diesem Sommer die farbenfrohe Bepflanzung ins Auge – verantwortlich sind die „Baumpaten“.

Wenn Olaf Schaefer morgens die Wohnung in Richtung Arbeit verlässt, wandert sein Blick gewöhnlich zu der meterhohen Robinie vor seiner Haustür, dem davor blühenden Lavendel, den zarten Malven und dem stolzen Buchsbaum. „Ein optimaler Start in den Tag“, sagt der 40-jährige Familienvater, dem beim Anblick der gedeihenden Pflanzen „jedes Mal warm ums Herz“ werde. Für das Blütenmeer entlang des Bürgersteigs ist Schaefer selbst verantwortlich: Gemeinsam mit seiner zehnjährigen Tochter Anika hat er vor vier Jahren eine Patenschaft für zwei Robinien an der Jakobistraße in der List übernommen. Aus freien Stücken treibt es die beiden fast täglich an die Straße, wo sie gießen, harken und die Baumscheibe – den Bereich rund um den Stamm – mit verschiedenen Blumen bepflanzen.

Die Idee der Baumpatenschaft ist simpel: Wer Interesse hat, sich um die Pflege eines Straßenbaumes zu kümmern, kann bei der Stadt eine offizielle Patenschaft anmelden. Das Grünflächenamt bereitet den Boden anschließend so vor, dass dieser bepflanzt werden kann. Die Stadt, die normalerweise für die Pflege der Straßenbäume zuständig ist, erhofft sich durch die Patenschaften eine schnellere und intensivere Betreuung. Diese sei für die Bäume lebenswichtig. Bauarbeiten, unachtsame Passanten und Hundekot stellten eine ständige Gefahr dar, erklärt Antje Laufer vom städtischen Fachbereich Umwelt und Stadtgrün. Doch nicht nur die Natur profitiere von den Patenschaften, auch die Bürger könnten sich „in ihrem Umfeld engagieren und sich stärker damit identifizieren“, meint Laufer. Als Dank bekommt jeder Pate eine vom Oberbürgermeister unterzeichnete Urkunde.

Obwohl es die Baumpatenschaften in Hannover schon seit 1981 gibt, ist die Teilnahme überschaubar: Nur 382 Paten engagieren sich in Hannover, davon kommen allein 99 – also mehr als jeder vierte – aus dem Stadtbezirk Vahrenwald-List. Im Vergleich dazu wohnen nur 24 Paten in den Stadtteilen Groß-Buchholz, Kleefeld und Heideviertel. Sabine Liese, Betreuerin zweier Mehlbeeren an der Bessemerstraße, hat wenig Verständnis für das Desinteresse. „Man will es doch schön haben, und schließlich ist man fast täglich an der frischen Luft“, meint die 63-Jährige.

Die Paten berichten aber auch von Problemen: Monika Peterschmitt, Betreuerin zweier Robinien vor ihrem Restaurant „Neue Zeiten“ an der Jakobistraße, ärgert sich über unachtsame Radfahrer, Olaf Schaefer haben Diebe nachts zwei Buchsbäume geklaut, und Sabine Liese hat mit lästigem Hundekot zu kämpfen. Solche Ärgernisse kämen aber nur selten vor, räumen die Baumliebhaber ein.

Dass für einen gepflegten Baum nicht zwingend eine Patenschaft nötig ist, beweist Christa Buchmeier, deren Robinie an der Jakobistraße wegen ihrer Bepflanzung kaum zu übersehen ist: Kornblumen reihen sich neben Rosen, Eisbegonien und Gartennelken. Eine Urkunde von der Stadt besitzt Buchmeier nicht. „Wichtig ist doch, dass es gut aussieht“, findet die 75-Jährige. Damit die Baumscheibe in den Sommermonaten stets gepflegt bleibt, muss Buchmeier die Pflanzen täglich etwa mit 40 Liter Wasser gießen und einmal in der Woche düngen. „Man hat viel zu tun, aber es lohnt sich“, versichert sie.

Wer eine Baumpatenschaft übernehmen möchte, kann sich bei Antje Laufer vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün, Telefon 16 84 39 96, informieren.

von Dario Sarmadi


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