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VORFREUDE AUF DENMARATHON: Veranstalterin Stefanie Eichel und Christoph Kopp, der die Top-Athleten verpflichtet.Foto: Petrow

VORFREUDE AUF DEN MARATHON: Veranstalterin Stefanie Eichel und Christoph Kopp, der die Top-Athleten verpflichtet.© Florian Petrow

NP Interview

Hannover-Marathon 2017: „Ein Weltrekord ist möglich“

Wenn Christoph Kopp nicht wäre, würde es wohl nicht so rund laufen beim HAJ-Marathon. Jedenfalls nicht so schnell. Seit 2009 sorgt er als Sportlicher Leiter und „Einkäufer“ dafür, dass die Topläufer an den Start gehen. Die NP sprach vor dem Hannover-Event am Sonntag mit ihm über die deutsche Marathon-Szene, Weltrekord-Hoffnungen und das Läuferland Kenia.

Sind Sie selbst mal einen Marathon gelaufen?
Noch nie. In Jugendjahren war ich Sprinter, aber bei 1000 Metern habe ich aufgehört.

Was genau machen Sie als Marathon-Chefeinkäufer?
Ich bin vom Veranstalter da-mit beauftragt, so gut es geht, die Schnellsten einzuladen. Und ein homogenes Feld zusammenzustellen, entsprechend der Philosophie und dem Wunsch des Veranstalters. Das ist natürlich auch von der Budgetgröße abhängig.

Und wie sind Sie dazu gekommen?
Ich bin da reingewachsen, das ist ja kein Lehrberuf. Ich war Übungsleiter, dann Cheftrainer bei meinem Verein in Berlin, Abteilungsleiter, Sportwart, habe die Funktionärskarriere eingeschlagen. Und bei dem Verein lagen die Anfänge für den Berlin-Marathon. Da habe ich die Aufgabe bekommen, mich um die Topathleten zu kümmern. Das habe ich 18 Jahre gemacht, zum ersten Mal 1980. Mich haben dann auch andere Veranstalter angesprochen. Seit 2003 mache ich Frankfurt, Hannover seit 2009.

Wann haben diesmal die Planungen begonnen?
Vor sechs Monaten haben wir die ersten Gespräche mit dem Veranstalter geführt, was er sich wünscht für dieses Jahr: mehr schnelle Frauen, Rekord bei den Männern, bestimmte Athleten? Es geht immer auch darum, Athleten als Highlight zu verpflichten. So wie in diesem Jahr Arne Gabius oder Lusapho April. Wir wollen ja nicht nur 20 Kenianer haben, die zwar schnell sind, die aber keiner kennt. Wir haben wirklich wieder ein gutes Feld.

Wie kommen Sie eigentlich an die Topläufer?
Marktkenntnis ist nicht verkehrt, wie in jedem Beruf. Die Manager von Läufern bieten sie an. Oder wenn ich einen Wunsch habe, spreche ich die Manager an. Natürlich muss man die ganzen Ergebnislisten permanent studieren, die Biografien der Athleten. Das ist ein Studieren von Zahlen. Man muss nicht regelmäßig nach Kenia fahren, um Talente zu sichten. Das tue ich aber trotzdem regelmäßig.

Was machen Sie dort genau?
Es ist gut, wenn man die Läufer nicht nur in Deutschland starten sieht und kennenlernt, sondern auch in ihrer normalen Umgebung. Da bekommt man eine andere Einschätzung. Ich gehe zum Beispiel regelmäßig zu den Crossmeisterschaften in Kenia. Dort sieht man die Läufer in Aktion, da kann man schon ablesen, wer in guter Form ist. Und auch einfach mal mit den Läufern sprechen.

Bei den Herren haben 14- mal in Folge Athleten aus Afrika gewonnen. Warum kommen dort die besten Läufer her - und warum gibt’s verhältnismäßig wenig deutsche Top-Marathonis?
Es gab viele Untersuchungen. Sie haben eine gute Genetik fürs Laufen, einen guten muskulären Aufbau. Talente haben wir eigentlich auch hier in unseren Breitengraden, es ist aber schwer, die für den Leistungssport zu begeistern. So ein Marathon-Training ist schon ein bisschen umfangreicher als bei einem 100-Meter-Läufer. Und Kenianer leben zum Beispiel in der Höhe, trainieren permanent in 2000 bis 2500 Meter. Wie ein dauerhaftes Höhentrainingslager. Da haben sie oft die Nase vorne. Das andere Problem ist unsere Struktur, der Verband hat einfach zu wenig Mittel für die Athleten.

Die Strecke in Hannover ist sehr schnell. Welche Rekorde sind dieses Jahr drin - und ist auch mal ein Weltrekord möglich?
Bei den Frauen rechne ich mit einem Streckenrekord, bei den Männern muss man einfach sehen, wie gut die Form der Athleten am Ende ist. Möglich ist es immer. Vom Höhenprofil wäre hier sogar ein Weltrekord möglich. Aber es gibt noch einige Spitzkurven, die etwas störend und nicht ganz leistungsfördernd sind. Wir sprechen schon mit den Veranstaltern darüber, die zu entschärfen. Mal sehen, was dann passiert!

Jonas Szemkus