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Sportmix "Ich war ja schon Trainer von Österreich"
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19:21 13.12.2009
VIEL FUSSBALL AUCH OHNE JOB: Mirko Slomka, seit April 2008 ohne Engagement in der Bundesliga, beim NP-Gespräch. Quelle: zur Nieden
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VON JONAS FREIER

Mirko Slomka, Sie sind seit fast 20 Monaten ohne Trainerjob. Ist doch auch ganz nett so ohne Fußball in den Tag hineinzuleben, oder?

Es hat gut getan, mal meine Frau Gunda zu unterstützen. Es gab ja Zeiten auf Schalke, da war ich fünf Wochen am Stück nicht Zuhause und habe meine Familie nur gehört, nicht gesehen. Es ist sehr spannend, in diese täglichen Abläufe des Familienlebens wieder einzugreifen und als Taxiunternehmer zu fungieren: Meine Tochter Lilith zum Schwimmen, zum Klavierunterricht oder zum Schlagzeugunterricht zu fahren - oder den kleinen Luk zum Tennis zu begleiten.

Ihre Tochter spielt Schlagzeug?

Ja, ihr Schlagzeuglehrer ist sogar ein ganz bekannter - ein echter „Fury“ (Rainer Schumann, de. Red.). Seitdem haben wir auch ein original „Fury in the slaugtherhouse“-Schlagzeug bei uns Zuhause. Das konnte ich ihm abkaufen. Ich bin ja ohnehin ein bekennender „Fury“-Fan. Und seit wir das Ding Zuhause haben, probiere ich mich auch am Schlagzeug, um mich ein bisschen auszupowern.

Beschweren sich die Nachbarn nicht?

Unser Haus ist eigentlich ganz gut isoliert, das ist kein Problem. Und die direkten Nachbarn sind meine Schwiegereltern. Ich genieße das sehr. Sich am Familienleben zu beteiligen - das ist schon in der Zeit hier als Kotrainer in Hannover (2001 bis 2004, d. Red.) oder in Berlin (als TB-Trainer 1999/2000), wo meine Tochter zwei Jahre war, viel zu kurz gekommen. Wobei ich nicht sagen kann, dass sich meine Terminlage so entspannt hat, dass ich immer Zuhause bin.

Was machen Sie denn so?

Ich beschäftige mich mit Fußball, um mein persönliches Profil zu schärfen und auf dem neuesten Stand zu sein. Ich war eine Woche bei Real Madrid, ich war bei Arsenal London, bei West Ham United, bei Werder Bremen im Trainingslager, habe jetzt auch einen Kontakt zu Chelsea …

Wie entstehen eigentlich solche Kontakte. Fragt man einfach Carlo Ancelotti: Kann ich mal vorbeikommen?

Das ist etwas einfacher für mich, weil ich in der Champions League mit Schalke dabei war. Und in der Champions League trifft man sich auf Einladung der UEFA mit den Trainern in Genf. Dort spricht man über die Entwicklung der Champions League und beim Mittag- oder Abendessen auch sehr viel untereinander. Da habe ich natürlich alle Kollegen kennengelernt, wie beispielsweise Arsene Wenger, den ich extrem schätze.

Was war denn spannend bei den großen internationalen Klubs?

Mich haben weniger die Trainingsinhalte interessiert, sondern bei einem Weltklubs wie Real Madrid vielmehr: Wie ist der Verein organisiert? Wie ist die Struktur der Lizenzabteilung, wie sind die Räumlichkeiten, was passiert außerhalb des öffentlichen Trainings, wie ist die medizinische Abteilung aufgebaut, wie ist die Platzlage? Und so weiter.

Hat Real Madrid inzwischen ein Ersatztor, falls mal wieder ein Pfosten bricht wie 1998 im Champions-League-Spiel gegen Dortmund?

(Lacht). Sicher. Die Trainingsanlage ist einfach unmenschlich und ein perfekter Arbeitsplatz. Auch motivierende Ideen stecken in der Planung, Beispielsweise trainieren die Jugendteams auf den unteren Plätzen und können Step bei Step platzmäßig und leistungsgerecht nach oben wandern. Die Profis trainieren ganz oben. Immer im Blick: Da willst du hin. Eine sehr besondere Idee!

Welcher Trainerkollege hat Sie denn am meisten beeindruckt?

Am meisten begeistert hat mich schon Arsenals Arsene Wenger. Es gibt zwei Gründe dafür. Ich finde, dass er ein sehr zugänglicher Trainer für die Spieler ist, dass er eine gewisse Entspanntheit auf den Platz bringt, dass die Spieler ihre Spielfreude, ihre Kreativität ausleben können. Auf der anderen Seite verlangt er bei den Trainingseinheiten immer 100 Prozent. Er ist eine starke Persönlichkeit. Ein Trainer, der mit einer gewissen Lockerheit den Spielern alles abverlangt.

Wie lange geht denn so ein Praktikum?

Bei Real Madrid war ich eine Woche. Ich habe das sehr genossen, weil mein Spanisch nicht gerade sensationell ist, aber Bernd Schuster da noch Trainer war. Bernd Schuster war extrem zugänglich. Den Samstagabend haben wir gemeinsam bei der Sportschau verbracht. Ein frisch gezapftes Bier, Chips - bei ihm Zuhause. Ich habe mich wohlgefühlt.

Wie lange hat es eigentlich gedauert, bis Sie nach Ihrer Entlassung im April 2008 bei Schalke wieder in ein Bundesligastadion gegangen sind?

Damals habe ich eigentlich festgelegt, dass ich bis zum Ende des Jahres nicht zu einem Bundesligaspiel gehe. Zwischendurch war ich dann ja im Grunde auch schon Nationaltrainer von Österreich. Der Vertrag war ja fertig, dann aber gab es die Kommunikationsstörungen mit Schalke (sie ließen ihn nicht aus dem Vertrag, d. Red). Leider haben wir uns viel zu spät einigen können. Ich musste handeln und dem österreichischen Präsidenten absagen (sie holten Karel Brückner, d. Red.). Das wäre aus meiner Sicht ein interessanter Schritt gewesen. Ich habe damals auch Franz Beckenbauer angerufen, weil er ein guter Freund des damaligen österreichischen Verbandspräsidenten Friedrich Stickler war. Franz hat mir zugeraten: ,Das wird dir noch mal einen neuen Horizont eröffnen.'

Also hat Schalke verhindert, dass Sie Nationaltrainer von Österreich geworden sind?

Das hat Schalke definitiv verhindert.

Noch sauer?

Ich war irritiert, sehr irritiert, weil es ja eine Zusage vom Präsidenten Josef Schnusenberg gab. Aber Manager Andreas Müller war für mich nicht erreichbar.

Wie ist das Verhältnis jetzt zu Andreas Müller?

Wir haben aktuell überhaupt keinen Kontakt. Wir haben eine wunderbare Zeit gehabt, ich habe ihn sehr intensiv, sehr privat kennengelernt. Ich finde, er ist ein guter Manager. Aber manchmal passt es eben nicht mehr.

Aber eigentlich wollen Sie doch wieder Bundesliga trainieren?

Ja, natürlich. Ich habe im Sommer konkrete Verhandlungen geführt. Es ist ja leider kein Geheimnis, dass ich in Wolfsburg und beim HSV zu Gesprächen war. Bruno Labbadia und Armin Veh sind hervorragende Trainer, und Armin hat zudem einen Meistertitel vorzuweisen - ich war in Schalke nur Vize. Beim 1, FC Köln waren die Gespräche mit Manager Michael Meier sehr zielführend. Wolfgang Overath konnte ich anmerken, dass er andere Vorstellungen hatte. Aus meiner Sicht war zu erkennen: Overath wollte jemanden, der selbst Profi war. Auch das kann ich akzeptieren.

Kann ja sein, dass Köln den Ex-Profi Zvonimir Soldo bald rauswirft. Sind Sie dann wieder im Rennen?

Ich weiß nicht, ob Köln nochmal anfragen wird. Aber sie wissen jetzt zumindest, wie ich ticke.

Würden Sie auch in die zweite Liga gehen?

Ja, aber der Verein muss eine Idee, eine Vision haben. Ich arbeite gerne mit jungen Spielern zusammen, dafür war ich ja auch lange genug Jugendtrainer und habe auch bei Schalke vielen Talenten ihre ersten Einsätze national und international gegeben. Das Ziel Wiederaufstieg muss eindeutig definiert sein.

Warum bekommen Sie keinen Job mehr?

Das fragen sich die Vereine, die einen Trainer suchen, natürlich auch: Warum ist der Slomka so lange raus - da muss doch irgendwo ein Haken sein? Ist der zu teuer? Ich kann nur sagen: In keinem der Gespräche, die ich geführt habe, ging es um Geld.

Was machen Sie, wenn Sie keinen Trainerjob mehr bekommen?

Ich habe mir ein klares Limit gesetzt: Nach zwei Jahren musst du wieder im Geschäft sein. Das wäre konkret im nächsten April, aber ich setzte mir als Deadline die WM. Wenn danach nichts kommen sollte, werde ich auch die Anfragen aus dem Ausland prüfen, die ich bisher nicht so sorgfältig behandelt habe.

Von wo gibt es Anfragen?

Aus Griechenland, der Türkei und dem asiatischen Raum. Aber das wäre, glaube ich, nicht der richtige Karriereschritt.

Würden Sie auch was anderes machen als Trainer zu sein?

Nein. Ich gehöre auf den Platz. In 21 Jahren als Trainer habe ich den Beruf lieben gelernt.

Was haben Sie in den fast 20 Monaten ohne Trainerjob noch gelernt?

Ich konnte auch mal die andere Seite des Geschäfts kennenlernen, habe als Kolumnist, für das Radio oder als TV-Experte gearbeitet. Jetzt bin ich ja auch nicht arbeitslos, sondern arbeite für „Liga total“ (das Bundesliga-Angebot der Telekom über Internet, d. Red.). Da verdiene ich ordentliches Geld. Früher habe ich Journalisten auch mal links liegen gelassen und nicht mit ihnen gesprochen. Das würde mir heute nicht mehr passieren. Die machen genauso einen Job wie ich und versuchen ihn gut zu machen.

  

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