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Sportmix Haft für Dopingarzt Fuentes - Blutbeutel-Vernichtung
Sportbuzzer Sportmix Haft für Dopingarzt Fuentes - Blutbeutel-Vernichtung
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17:50 30.04.2013
Eufemiano Fuentes wurde in Spanien zu einem Jahr Haft verurteilt. Quelle: Chema Moya
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Madrid

Im Prozess um die "Operación Puerto" erließ das Gericht in Madrid für Fuentes zudem ein vierjähriges Berufsverbot als Sportmediziner. Der Arzt hatte Dutzenden von Sportlern, vor allem Radprofis, beim Eigenblutdoping geholfen. Er kann innerhalb von zehn Tagen Einspruch einlegen.

Zudem entschied die Richterin Julia Patricia Santamaría, dass die bei Fuentes beschlagnahmten Blutbeutel nicht den Sportinstanzen übergeben werden. Damit können zahlreiche Fuentes-Kunden nicht identifiziert und nachträglich bestraft werden. Die Richterin begründete ihre Entscheidung damit, die in der Verfassung garantierten Grundrechte der Sportler müssten geachtet werden.

Ein großer Teil der mehr als 200 Blutbeutel soll vernichtet werden, sobald das Urteil rechtskräftig ist. Allerdings soll ein Teil aufgehoben werden für den Fall, dass noch ein Prozess gegen den Mediziner José Luis Merino stattfinden sollte. Der frühere Fuentes-Partner war einer der Verdächtigen. Er musste in dem Prozess aber nicht auf die Anklagebank, weil er an Alzheimer leidet.

Der Richterspruch bedeutet, dass Fuentes mit ziemlicher Sicherheit nicht ins Gefängnis muss. Denn Haftstrafen unter zwei Jahren werden in Spanien normalerweise zur Bewährung ausgesetzt. Der frühere Radsporttrainer José Ignacio Labarta wurde wegen Beihilfe zu vier Monaten Haft verurteilt. Freisprüche gab es für die übrigen drei Angeklagten: Fuentes-Schwester Yolanda, die ebenfalls Medizinerin ist, sowie die früheren Radteamchefs Manolo Saiz und Vicente Belda.

Die Richterin sah es als erwiesen an, dass Fuentes die Gesundheit seiner Kunden gefährdet hat. Seine Praktiken hätten "eine erhebliche Gefahr für die Gesundheit der Radsportler" bedeutet. "Die Bluttransfusionen dienten allein dem Zweck, vor einem Wettbewerb die Leistungsfähigkeit von Sportler zu erhöhen", heißt es in dem Urteil. Dies habe Risiken unter anderem für das Herz, das Kreislaufsystem oder die Nieren bedeutet. Zudem seien bei den Übertragungen häufig nicht die hygienischen Bestimmungen eingehalten worden.

Der Gynäkologe war nicht wegen Dopings angeklagt, weil Doping bei der Aufdeckung des Skandals 2006 in Spanien kein Straftatbestand war.

Der spanische Radsportverband RFEC erklärte, er respektiere das Urteil. Er sei mit der Entscheidung aber nicht zufrieden, weil die Justiz die Herausgabe der Blutbeutel abgelehnt habe.

Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre Haft für Fuentes gefordert. Der Mediziner dagegen beteuerte seine Unschuld. "In meiner 35-jährigen Berufslaufbahn habe ich nie der Gesundheit meiner Patienten Schaden zugefügt", hatte Fuentes in seinem Schlusswort betont. Die Tätigkeit von Fuentes war im Vorfeld der Tour de France 2006 aufgeflogen. Die Polizei stellte mehr als 200 Blutbeutel sicher. Mehr als 50 Radprofis gerieten unter Dopingverdacht.

Der Prozess hatte deutlich gemacht, dass Fuentes ein lukratives Unternehmen betrieb, das Dutzenden von Sportlern Transfusionen mit Eigenblut anbot. Einige Kunden sind namentlich bekannt, von anderen kennt man nur die von Fuentes verwendeten Pseudonyme und Kürzel.

Die Welt-Anti-Doping-Agentur und der Rad-Weltverband UCI waren als Nebenkläger vertreten. Sie hoffen wohl vergeblich darauf, die Kunden von Fuentes namhaft zu machen und wegen Dopings zur Rechenschaft zu ziehen. Spanien musste sich während der siebenjährigen Ermittlungen vorhalten lassen, nicht energisch genug gegen Doping vorzugehen.

Fuentes hatte bei seiner Vernehmung ausgesagt, dass er neben Radsportlern auch Fußballer, Tennisspieler und Boxer behandelte. Er bot die Herausgabe der Liste seiner Kunden an, aber die Richterin wollte während des laufenden Verfahrens davon nichts wissen. Zehn Radprofis sagten als Zeugen aus, nur drei berichteten offen über ihre Erfahrungen als Kunden von Fuentes. Dies waren der Spanier Jesús Manzano, der Amerikaner Tyler Hamilton und der Deutsche Jörg Jaksche.

dpa

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