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ERSTER: Christian Haupt gewann den Maschsee-Triathlon.

ERSTER: Christian Haupt gewann den Maschsee-Triathlon.
© Farys

NP-Sportlerwahl 2017

Triathlet Christian Haupt

Christian Haupt ist Wiederholungstäter: Der Triathlet aus Hemmingen verteidigte seinen Titel bei der Ironman-WM auf Hawaii in seiner Altersklasse (35 bis 39) und wurde zudem bester Amateur aller Altersklassen. Der nächste WM-Titel! Für seine Top-Leistung benötigte der Triathlon-Spätstarter (fing erst 2013 an) 8:55:28 Stunden – eine Wahnsinns-Tortur durch die Lava-Felder auf der Vulkan-Insel. Der 37-jährige 96-Triathlet gewann davor auch den Maschsee-Triathlon. Nach dem erneuten WM-Titel hat sich Haupt für eine neue Herausforderung entschieden: 2018 geht er bei Triathlon-Rennen als Profi an den Start. Und er ist nominiert für die NP-Sportlerwahl 2017 – zehn Fragen an den Triathleten.

Hannover.  

Was war ihr Highlight der Saison?

Ganz klar die WM-Titelverteidigung beim Ironman auf Hawaii und der Sieg in der Gesamtwertung aller Amateure. Auf das Rennen war die ganze Saison ausgerichtet. Ich hatte das ganze Jahr über eine bessere Form als das Jahr davor. Ich habe gewusst, dass ich besser drauf bin – aber eine Garantie für Hawaii gibt das trotzdem nicht. Irgendwann während des Rennens fing ich dann an, daran zu glauben.

Wie fühlt sich so einen wahnsinniger Ironman an – mental und körperlich?

Die Schmerzen sind für alle gleich, egal ob man acht Stunden, neun Stunden unterwegs ist oder bis zum Daylight-Finish braucht. Da gibt es mehrere Hochs und Tiefs zu überwinden. Beim Schwimmer tun dir die Arme weh, auf dem Rad brennen irgendwann die Oberschenkel. Dann denkt man das erste Mal: Ich packe das nicht. Irgendwann kommt der Mann mit dem Hammer. Dann muss man sich beschäftigen im Kopf. Ich setze mir Zwischenziele. Je schlechter es einem geht, desto kleiner werden die Ziele. Dann sucht man sich einen markanten Stein, eine Barke oder einen Verpflegungspunkt. Um die Tatsache zu umgehen, dass man noch zwölf Kilometer laufen muss, ohne eine Idee zu haben, wie man überhaupt laufen soll. Ein Trost: Die anderen leiden genauso.

Wie lange nach dem Rennen hat man danach zu knabbern?

Man ist schon kaputt, hat tagelang Muskelkater. Dazu kann eine mentale Leere kommen, wenn es nicht so gut lief. Bei mir waren es ja immer Glücksgefühle. Damit lässt es sich schneller regenerieren.

Gab es denn einen Tiefpunkt in der Saison?

Da gab es einige. Im Winter, wenn du dein Ziel noch nicht direkt vor Augen hast, ist es problematisch. Dann ist es schon zäh, gerade wenn es kalt ist. Und im letzten Monat vor dem Ironman geht das Training an die Substanz. Das schlaucht schon. Da ist man am Ende seiner Kräfte. Das sind schwierige Momente. Einen richtig schlechten Wettkampf hatte ich 2017 aber nicht.

Ihr Training ist so zeitaufwendig – wie schalten Sie in ihrer wenigen Freizeit ab?

Ich versuche viel Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen. Das ist mir gerade auch in diesem Jahr sehr bewusst geworden, weil ein Kumpel von mir verunfallt ist nach einem Konzert und seitdem im Koma liegt. So etwas erdet einen immens und zeigt, egal wie erfolgreich du bist: Es gibt immer Rückschläge im Leben. Und es zeigt, was wirklich wichtig ist. Und das ist nicht nur Arbeiten und Triathlon.

Und nächstes Jahr der Hattrick auf Hawaii?

Das geht nicht, weil ich mich entschieden habe, 2018 in den Profibereich zu wechseln. Und als solcher kann ich mich nicht mehr für den Ironman 2018 qualifizieren. Erst wieder für 2019.

Warum werden Sie Profi?

Nicht des Geldes wegen. Es sind die Ziele. Ich bin ein Mensch, der sich selber sehr hohe Ziele setzt und diese auch sehr konsequent verfolgt. Mit meinem Sieg in der Altersklasse und dem Gesamtsieg der Agegrouper habe ich auf Amateurebene alles erreicht. Mehr als Amateurweltmeister geht nicht. Darum habe ich mir im Urlaub auf Maui die Frage gestellt, was ich in den nächsten Jahren noch erreichen will? Für mich ist es reizvoller, mich im Profifeld zu beweisen und in den großen Rennen nicht mehr als Erster über die Ziellinie zu gehen, als den Weltmeistertitel in der Altersklasse ein drittes Mal zu gewinnen. Ich könnte mich im nächsten Jahr eigentlich nur selbst enttäuschen, wenn es nicht läuft.

Wie wollen Sie diesen Schritt schaffen?

Die große Unbekannte: der Wechsel ins Profigeschäft unter Nicht-Profi-Bedingungen. Ich habe ja keinen Großsponsor, der dafür sorgt, dass ich nicht mehr arbeiten muss. Ich kann auch nicht mit Prämien rechnen. Ich finanziere mich in erster Linie selbst. Ich arbeite ja weiter, nur etwas reduziert. Ich mache das, weil ich wahnsinnig Bock darauf habe. Es wird die ultimative Herausforderung. Zudem sind es andere Rennen, taktischer geführt. Meine Planung ist auf zwei, drei Jahre ausgerichtet.

Welche Rennen nehmen Sie in Angriff?

Das steht noch nicht genau fest. Vielleicht die Challenge in Venedig und im Herbst auf jeden Fall mindestens noch mal ein Ironman-Rennen, um anzufangen, Punkte für 2019 zu sammeln. Hawaii 2019 als Profi ist mein Traum, auch wenn es schwer wird.

Und was hält ihre Frau Sara davon?

Die unterstützt das. Zu hundert Prozent. Sie findet das cool und gibt mir Grünes Licht.

Von Simon Lange


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