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GESCHAFFT: Ruth Sophia Spelmeyer nach ihrem Lauf bei den  Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften am 08.07.2017 in Erfurt.

GESCHAFFT: Ruth Sophia Spelmeyer nach ihrem Lauf bei den Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften am 08.07.2017 in Erfurt.
© dpa

NP-Sportlerwahl 2017

Langsprinterin Ruth Sophia Spelmeyer

Was für ein bewegtes Jahr für Ruth Sophia Spelmeyer! Hannovers Top-Leichtathletin musste zunächst die Hallen-EM wegen einer Grippe sausen lassen. Nächster Rückschlag: die Disqualifikation bei der Staffel-WM wegen eines Meldebogen-Fehlers verschuldet von einem DLV-Mann. Es folgten Gold bei der Team-EM und Titel-Hattrick bei der Freiluft-DM. Für die WM-Staffel war das 400-Meter-Ass vom DLV gesetzt. Nicht jedoch als Einzelstarterin in London. Für die Nicht-Nominierung gab’s nur Unverständnis der Psycholgie-Studentin und ihres Umfeldes. Dann die Rolle rückwärts des Verbandes: Spelmeyer durfte doch im Einzel bei der WM starten. Dort schaffte es die gebürtige Oldenburgerin ins Halbfinale. Ihre 51,77 Sekunden reichten aber nicht fürs Finale. Mit der Staffel schaffte Sie es in den Endlauf: Platz sechs. Seit der WM fällt die 27-Jährige wegen einer Schambeinentzündung aus. Dennoch ist sie nominiert für die NP-Sportlerwahl 2017 – zehn Fragen an die Langsprinterin.

Hannover.  

Frau Spelmeyer, Disqualifikation bei der Staffel-WM wegen eines Meldebogen-Fehlers verschuldet von einem DLV-Mann, Team-EM-Gold, DM-Titel-Hattrick, Nicht-Nominierung für die WM, dann doch WM-Start – ein komisches Jahr für Sie oder?

Definitiv. Es war kein einfaches Jahr, ziemlich verkorkst. Lehrreich war es auf jeden Fall. Es fällt mir sehr schwer, zufrieden zu sein mit dem Jahr. Weil ich große Ziele hatte mit dem Rio-Rückenwind. Gefühlt folgte aber einer Katastrophe die nächste. Die Staffel-WM zum Beispiel war ein Schlag ins Gesicht, die Quali fürs Finale wäre sicher gewesen. Trotzdem habe ich einiges erreicht. Ich bin meine erste WM gelaufen, stand mit der Staffel im WM-Finale. Im Vergleich war ich sogar besser als in Rio, als 14. statt 16. in der Welt, zweitbeste Europäerin. Nur mit der Bestzeit hat es leider nicht geklappt. Im Training war ich deutlich besser, ich konnte es nur nicht auf die Bahn bringen.

Auch wegen der vielen Rückschläge?

Der Schwachsinn mit meiner Nicht-Nominierung für die WM, dann doch die Nach-Nominierung – das war richtig schlimm und hat mich echt Kraft gekostet. Trotz all der Rückschläge habe ich es geschafft, in vielen Situationen in der Saison, im Kopf stark zu bleiben.

Ihre schönen Momente 2017?

Auf jeden Fall die WM. Und die Stimmung in London war toll, einmalig, sogar besser als bei Olympia in Rio.

Seitdem sind Sie aber verletzt?

Ja. Eine Schambeinentzündung. Eine Stressreaktion aufgrund einer Fehlbelastung. Mein Becken verschiebt sich oft. Der Zug der Adduktoren auf das Schambein war entsprechend zu hoch. Die Diagnose habe ich Anfang November bekommen. Schmerzen im Adduktorenbereich hatte ich allerdings auch schon vor der WM. Bei der WM waren die Schmerzen so stark, dass ich sogar das Staffel-Finale infrage gestellt habe.

Wie ist der Stand der Verletzung?

Ich trainiere viel, mache Aquajogging oder gehe auf den Stepper. Ich laufe aber nicht. Seit zwei, drei Monaten schon nicht mehr. Ich fühle mich mittlerweile wieder gut, habe keine Schmerzen mehr.

Zwischendrin haben Sie einen Abstecher in die Show-Welt unternommen. Sie haben bei dem TV-Format „Beginner gegen Gewinner“ mitgemacht. Wie war das?

Das war cool und hat richtig Spaß gemacht, auch wenn alles ewig gedauert hat. Aber es war spannend, mal hinter die Kulissen zu schauen. Wir hatten das vor der WM aufgezeichnet. Ich musste gegen eine Amateurin über 400 Meter antreten, mit Handicap, damit die Chancen ausgeglichen sind. Ich musste ein sieben Kilogramm schweres Barockkleid tragen. Ich habe knapp gewonnen, aber weit mehr als eine Minute gebraucht. Das war wohl mein langsamster 400-Meter-Lauf (lacht).

Was sind ihre Ziele für 2018?

Das wird für mich ein extrem wichtiges Jahr. Die Verletzung spielt mir natürlich nicht in die Karten. Dennoch halte ich an dem Traum fest, mich bei der EM in Berlin im Finale gut zu präsentieren. Es ist eine Heim-EM – und zudem in dem Stadion, wo ich 2008 mit 18 Jahren das erste Mal deutsche Jugend-Meisterin geworden bin. Allerdings über 200 Meter. Die EM hat also einen großen Stellenwert. Der Weg dorthin ist schwierig. Aber ich denke, dass die Chancen gut stehen.

Wann können Sie denn überhaupt wieder laufen?

Geplant ist Mitte Januar. Am 3. Januar fahren wir ins Trainingslager nach Teneriffa. Da werde ich sicher auf der Bahn schon lockere Koordinationsübungen machen. Ich warte aber lieber im Zweifel noch zwei Wochen, als zu früh loszulegen.

Wie kommen Sie parallel mit ihrem Psychologie-Studium voran?

Ich habe in diesem Semester meinen Master begonnen. Aber das handhabe ich wie gehabt. Ich gucke, was ich mir zutraue, ohne den Sport zu gefährden.

Bleibt Olympia 2020 noch ein Fernziel?

Nach Rio 2016 habe ich gesagt, dass ich auf jeden Fall bis zur EM 2018 weitermache. Vielleicht mache ich aber doch noch länger. Ich kann mir jedenfalls noch nicht vorstellen aufzuhören.

Von Simon Lange


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