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19:03 01.01.2018
Duo Bazaliy-Trapez Quelle: Maike Lobback
Hannover.

Erst drei von 32 Shows gespielt, und dann schon diese Unterarme: zerschrammt, aufgeschürft, kleine blaue Flecken. „Andras Toba gibt hier nicht den Star“, sagt Heidi Aguilar, seit einer Ewigkeit die Regisseurin des Feuerwerks der Turnkunst, mit großem Respekt in der Stimme: „Der haut sich hier richtig rein. Das kann man sehen.“

Besonders an den Unterarmen des Olympioniken, der sich nach schweren Verletzungen und Operationen gerade wieder an die Turnelite rankämpft. „Ich habe in jeder Show drei Nummern: am Barren, am Pauschenpferd und am Reck. Das sind bis zu sechs Auftritte am Tag. Das macht wahnsinnig Spaß. Und tut maximal weh“, so der 27-Jährige lachend: „Das ist Hardcore, aber für die nächste Wettkampfsaison das beste Training, das es gibt. Ich werde hinterher so fit sein wie noch nie in meinem Leben.“

Für Toba war das Silvester-Feuerwerk vor 10 000 Zuschauern in der fast bis auf den letzten Platz ausverkauften Tui-Arena in mehrfacher Hinsicht ein besonderes Ereignis. „Ich bin echt aufgeregter als sonstwo“, erklärte der Hannoveraner: „Zu Hause im Scheinwerferlicht zu stehen ist irgendwie magisch. Man kennt die Halle, das Umfeld, so viele Freunde sind da.“ Zum zweiten turnt er erstmals mit seiner Freundin zusammen. Die Rhythmische Sportgymnastin Daniela Potapova hat für ihren Schatz extra nochmal ein Comeback nach dem Karriereende mit 21 gewagt, weil „es ein Traum ist, mit Andreas zusammen aufzutreten. Eigentlich erzählen wir vor dem ganzen Publikum unsere ganz persönliche Liebesgeschichte.“

„Hero de Janeiro“ Andreas Toba begeistert die Fans in der Heimat beim Feuerwerk der Turnkunst in der Tui-Arena.

Die, und das war die dritte Besonderheit für Toba, genau am Silvestertag vor zwei Jahren in Berlin begann. „Ich habe privat mit Marcel Nguyen und seiner Freundin gefeiert, und da war eben auch die Daniela.“ Irgendwie logisch, dass Olympia-Silber-Turner Nguyen und Freundin und Kunstturnerin Michelle Timm am Sonntag in der Halle saßen, Marcel seinem besten Kumpel die Daumen drückte und alle hinterher mit dem Feuerwerks-Tross im Courtyard-Hotel am Maschsee ins neue Jahr reinfeierten. „Ein besonderer Tag für uns“, fand Andreas Toba - und diesen Satz hätten wohl auch alle Besucher unterschrieben.

Da war die schwungvolle Lateinformation des TKH als Lokalgruppe zum guten Start. Da war Stangenakrobat Noah Chorny aus New York, der in elf Metern Höhe ungesichert auf einer schwingenden Laterne turnte. Da waren vier Österreicher, die unter dem Künstlernamen Jonglissimo LED-Keulen in der Luft tanzen ließen. Da waren die Breakdancer von ArtCore, die sogar auf den Ellenbogen wippen konnten. Da war das Quartett von Lift, das mit Kraft und Fangstühlen spektakuläre Würfe und Drehungen präsentierte. Da war das Feuerwerks-Showteam mit den „Got to Dance“-Siegern Timo Gödeke und Pierre Büchner, dem die meisten Minuten auf den Matten gehörten. Und da waren die fünf Jungs von „Motus & Friends“, die besten Tumbler Dänemarks. Mit welchem Tempo sich die fünf über die stark federnde Trampolinbahn katapultierten, faszinierte jung und alt, Einheimische und weit Angereiste gleichermaßen.

Star der knapp drei Stunden war allerdings auch das Licht. Bei der hochmodernen Lichtsteuerung „Tracking“ zeichnen Infrarotkameras die Bewegungen der Künstler auf und projezieren sie simultan auf die Bodenfläche oder Gaze-Wände, die vor den Tribünen aufgespannt werden. „Die Effekte sind einfach genial“, befand Turnverbands-Präsident Heiner Bartling: „Das ist Feuerwerks-Technik in einer neuen Dimension.“

Für viele Künstler hieß das, dass sie ihre Geräte in einer stark abgedunkelten Halle fangen mussten. Aber auch das klappte zumeist, wie eigentlich alles bei „Aura“, der 31. Tournee von Europas größter Turnshow.

Für die Hannover-Feuerwerke zwei und drei am Sonnabend, 6. Januar, um 14 und 19 Uhr in der Tui-Arena gibt es noch weniger Restkarten. Tickets gibt es auch in allen Geschäftsstellen von HAZ und NP.

Von Christoph Dannowski

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