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Eishockey

Eishockey-Trainer stirbt mit 49 an Krebs

Meine letzte Whats App an ihn bleibt für immer unbeantwortet. „Hallo Herr Krinner“, habe ich ihm am Dienstag geschrieben, „ich wünsche Ihnen schnelle Genesung. Sie werden auch das schaffen!“ Da hatte ich erfahren, dass sich der Eishockeytrainer Toni Krinner einer Gallenblasenoperation unterziehen musste. Ich machte mir Sorgen. Kurz vor Weihnachten hatte mir der ehemalige Trainer der Hannover Scorpions ein großes Interview gegeben. Ich war erst überrascht und dann dankbar, dass er so offen über seine schwere Krebserkrankung sprach. Am Ende dankte er mir, „denn möglicherweise können andere Leidgenossen daraus Kraft und Motivation ziehen“.

Hannover. Weil Toni Krinner immer auf meine Nachrichten reagierte, befürchtete ich nach zwei Tagen ohne Antwort das Schlimmste. Gestern die traurige Gewissheit: Er lebt nicht mehr, ist in der Nacht zum Donnerstag gestorben. Er wurde nur 49 Jahre alt. Vor unserem langen Gespräch hatte ich ihn nur flüchtig gekannt, danach hatte ich größten Respekt vor dem Kämpfer Krinner. Deshalb musste ich gestern weinen.

Der verdammte Lymphdrüsenkrebs hat ihn also doch besiegt. „Wenn du ein Kämpfer bist, dann nimmst du dich zusammen und marschierst. Es gibt nur nach vorne. Es gibt keine Schmerzgrenze – so groß kann der Schmerz gar nicht sein. Da musst du durch, fertig!“ So angriffslustig war er noch im Dezember. Dazu passend sein Whats-App-Status: „Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Er sagte mir aber auch: „Wenn ich früher zum Arzt gegangen wäre, wäre mein Befund wahrscheinlich nicht so heftig gewesen.“ Im Juni 2015 hatte Krinner erfahren, dass er Krebs hat. Die Ärzte gaben ihm damals noch zwei Jahre. Mir sagte er im Dezember-Interview: „Du darfst nicht glauben, du bist geheilt. Ein Krebspatient wird immer Krebspatient bleiben. Im Moment habe ich eine Top-Lebensqualität.“

Zuletzt trainierte Krinner, der Mitte der 90er Jahre für den EC Hannover gespielt hatte, die Ravensburg Towerstars in der DEL 2. Geschäftsführer Rainer Schan sagte gestern, dass Krinner die Rückkehr der heimtückischen Krankheit offenbar für sich behalten habe. „Er hat in den letzten drei, vier Wochen hier wahrscheinlich sehr gelitten und hatte enorme Schmerzen“, meinte Schan, „er hatte wohl nur noch eines im Kopf: ,Ich muss die Mannschaft vor den Play-downs bewahren.‘ Und das hat er durchgezogen.“

Krinner war ein Familienmensch. Seine Lebensgefährtin, mit der er eine dreijährige Tochter hat, wollte er im April heiraten. Aber er hatte sich auch Gedanken „für den schlimmsten Fall“ gemacht. „Ich habe da schon das eine oder andere in die Wege geleitet, damit meine Frau wirtschaftlich problemlos weiterleben kann. Da habe ich ja auch eine Verantwortung“, sagte er mir.

Zu seiner DEL-Zeit galt Krinner als streitlustiger Trai-
ner. Auf meine Frage, ob er jetzt alles gelassener sehe, auch seine merkwürdige Trennung von den Scorpions
2012, sagte er: „Die Gelassenheit kommt da schon in
 manchen Situationen, das
heißt aber nicht, dass der
Ehrgeiz und der Stolz schwinden. Die sind nach wie vor groß und ausgeprägt.“

Wie sehr, zeigte sich, als ich ihm kurz vor Weihnachten eine Whats App aus der Tui-Arena schickte: „Hallo Herr Krinner, kennen Sie die Halle noch? Hier läuft gerade Handball.“ Seine Antwort: „Ja, die kenne ich noch. Da haben 6000 gerufen: Krinner raus.“ Dahinter hatte er in der Whats-App-Zeichensprache dreimal den angespannten Bizeps gesetzt. Er war ein starker Typ. Stark bis zuletzt. Das Gespräch mit ihm werde ich nie vergessen.


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