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Der Sieger: Seboka Negussa Erre läuft souverän durch das Zielband.

Der Sieger: Seboka Negussa Erre läuft souverän durch das Zielband.

Hannover-Marathon

Die Sieger genießen und leiden

Der Äthiopier Erre freut sich über das Publikum, die Kenianerin Kiprop läuft unter Schmerzen ins Ziel. Und Mitfavoritin Tola muss unterwegs einem Infekt Tribut zollen.

Hannover. Das Bild des HAJ-Hannover-Marathons 2018 lieferte Michael Kunyuga. Der Kenianer stolperte kurz vor dem Ziel und konnte sich nicht mehr aufrichten. Aber er krabbelte auf allen vieren über die Ziellinie und rettete damit den zweiten Platz vor seinem Landsmann Duncan Koech.

Der Marathon als Kampf und Leidensweg – es traf am Sonntag nicht nur auf Hobbyläufer, sondern gerade auf die Topathleten zu. Der Pole Henryk Szost lief mit einem total verhärteten und verkrampften linken Oberschenkel sowie schmerzverzerrter Miene als Fünfter ins Ziel. Frauensiegerin Agnes Kiprop hatte „ein schlimmes Bein“, wie sie sagte. „Wir mussten sie bitten durchzuhalten, damit wenigstens die Siegerzeit stimmt“, sagte Athletenmanager Christoph Kopp. Die Afrikanerin erfüllte diesen Anspruch mit 2:32:35 Stunden.

Dass sie trotz der körperlichen Beschwerden 23 Minuten Vorsprung auf die Zweite hatte, zeigte den Aderlass im Frauenfeld. Einige Topläuferinnen waren wegen Krankheit gar nicht gestartet. Und Fate Tola (Hannover Athletics) zollte einem Infekt Tribut, den sie sich auf dem Rückflug aus dem Trainingslager in Äthiopien zugezogen hatte. „Ich hatte unterwegs Husten und musste mich übergeben“, sagte die beste deutsche Marathonläuferin. Nach 17 Kilometern war Tolas Hals zu und ihr Rennen zu Ende. „Schade, wir hatten eine richtig gute Vorbereitung“, sagte Ehemann und Trainer Musa Roba-Kinkal. Und Tola ergänzte: „Bevor ich an den nächsten Wettkampf denke, muss ich erst einmal gesund werden.“

Es gab aber auch Glücksgefühle wie bei Männersieger Seboka Erre (Äthiopien). „Ich habe mich gut gefühlt unterwegs, ich bin noch nie so angefeuert worden“, sagte der 33-Jährige, der in Hannover strahlend den ersten Karrieresieg feierte. Und zum lokalen Helden wurde Karsten Meier auf der Halbmarathonstrecke. Der Kleefelder, der für die LG Braunschweig startet, überholte auf dem letzten halben Kilometer die Konkurrenz und kam als deutscher Meister ins Ziel. „Mit einer Medaille hatte ich schon geliebäugelt“, sagte Meier. Angetrieben haben ihn wie Frauensiegerin Franziska Reng das „sensationelle Publikum“.

Riesig freute sich im Ziel auch Steffen Lang (Hannover Athletics), der als Neunter nach 2:30:51 Stunden im Ziel war. „Das war eine deutliche Bestzeit“, sagte der 35-Jährige. Das Prädikat bester Niedersachse musste er knapp Christian Looschen (BV Garrel) überlassen, der 2:29:18 Stunden lief.

Gemeinsam stark waren die Läufer von TuS Bothfeld in der Marathonstaffel. Timo Görtler, Eric Iglesias, Philipp Fahlenholz und Timo Kuhlmann brauchten 2:24:49 Stunden. „Wir hatten uns ausgerechnet, vorn mitzulaufen“, sagten sie. Und die Siegesfeier? „Mal sehen, was kommt“, hieß es.

Von Carsten Schmidt


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