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Hannover Scorpions Toni Krinner kämpft gegen die Cholera auf dem Eis
Sportbuzzer Hannover Scorpions Toni Krinner kämpft gegen die Cholera auf dem Eis
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12:59 05.09.2010
DER UMTRIEBIGE: Für Scorpions-Trainer Toni Krinner ist Stillstand gleich Rückschritt. Quelle: Decker
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Wie war der Spieler Krinner?

Ich war mit Sicherheit ein Spieler, der sehr, sehr viel abbekommen hat – zu Recht. Ich habe als Spieler den Hang zur Lässigkeit, zur Überheblichkeit gehabt. Ich hatte oft schlechte und schlampige Angewohnheiten. Die hat mir Hans Zach in meiner Zeit in Kassel ausgetrieben. Der Spieler Krinner war nicht unbedingt der Traum eines jeden Trainers.

1995 waren Sie mal drei Monate beim EC Hannover …

Das war eine besondere Situation. Wir bekamen schon zwei Monate kein Geld. Wir wurden zuerst vertröstet, dann belogen und dann verarscht. Und das ist das Schlimmste, wenn man nicht offen damit umgeht. Ich war damals verheiratet, hatte zwei kleine Kinder. Nach drei Monaten war ich weg.

Was für ein Trainer sind Sie?

Mein Stil ist keine Kopie eines Trainers, ich habe mich nicht beeinflussen lassen. Bei mir ist die Disziplin das A und O. Nie darf Zufriedenheit eintreten, denn Stillstand ist Rückschritt, auch als Meister. Wer nicht mitgeht, den größtmöglichen Erfolg zu holen, das ist wie Cholera, damit kann ich nicht umgehen. Wenn sich einer nicht profimäßig verhält, schreite ich ein.

Deshalb gibts einen Strafenkatalog …

Es geht darum, dass sich die Jungs in der Kabine selbst erziehen. Die Jungs müssen bei mir eine Stunde vor Trainingsbeginn da sein. Wenn nicht, dann gibts eine Strafe. Wenn einer um fünf nach erst da ist, ist er fällig, zahlt ein paar Euro in die Mannschaftskasse. Was teurer wird, sind Strafen auf dem Eis, die der Mannschaft schaden. Revanchefouls, Undiszipliniertheiten kosten. Tatenlos werde ich da nicht zusehen.

War es klar, dass der Spieler Krinner mal Trainer wird?

(lacht) Nee! Ich war kein einfacher Spieler und habe manche Entscheidung nicht so verstanden. Und habe gesagt: „So einer will ich nicht werden!“ Aber im Endeffekt bin ich gereift und erwachsener geworden. Ich wollte nah am Puck bleiben, und da ist der Trainerjob das Beste.

Ihre letzte Station als Spieler war in Braunlage.

Ich bekam einen Anruf aus Ulm und konnte ins Trainergeschäft einsteigen. Eigentlich wollte ich noch zwei Jahre spielen. Aber das war eine riesige Chance. Nicht gleich ganz oben, sondern erstmal sich selbst zu finden, seine Schwachstellen auszubessern.

Und jetzt sind Sie beim Meister gelandet. Wie schwer ist es vom Kopf her, einen Meister zu übernehmen?

Für mich wars nicht schwer. Ich will jedes Spiel gewinnen. Das ist eine große Herausforderung, eine riesige Geschichte. Jetzt kommt nicht mehr Hannover, jetzt kommt der deutsche Meister.

… den es beinahe nicht mehr gegeben hätte.

Mir war klar, es konnte Schluss sein. Es konnte sein, dass Papenburg (Scorpions-Chef und Eigner der TUI-Arena) die Reißleine zieht und den Laden dichtmacht. Ich war aber immer Optimist, habe mit Marco (Stichnoth, Geschäftsführer) nicht nur einen Manager an der Seite gehabt, da hat sich mehr entwickelt, eine Freundschaft. Diese Zeit hatte auch eine positive Wirkung. Man wächst schneller zusammen, lernt sich schneller kennen. Es gibt keinen Schaden, wo nicht auch ein Nutzen dabei ist.

Hatten Sie einen Plan B?

Das gibts für mich nicht, weil ich privat und beruflich ein loyaler Mensch bin. Erst wenn der Lichtschalter aus ist, dann mache ich mir Gedanken. Ich lasse mir nie ein Hintertürchen offen.

Wie sehen Sie die langfristige Entwicklung der Scor­pions?

Das Ziel ist es, den Verein langfristig zu festigen. Das funktioniert nicht, wenn man sich nur auf Günter Papenburg verlässt. Wenn man keine weiteren Quellen erschließt, dann gehts nicht mal mittelfristig.

Auch die Fans haben das verstanden.

Richtig. Als Küni (Kotrainer Christian Künast) hier angefangen hat, waren es 400 Dauerkarten. Aktuell sinds über 2000. Das braucht alles Zeit. Aber es liegt auch am Spielplan, der ist völlig unfreundlich für den Konsumenten. Die Dienstagspiele sind Gift, für alle Teams. Ich bin dankbar, wenn ich dienstags auswärts spielen kann. Dann ist die Stimmung mau, es kommen nicht so viele Leute. Die Schiedsrichter werden nicht so unter Druck gesetzt und beeinflusst.

Wie sieht Ihre eigene Planung aus?

Ich habe hier einen Dreijahresvertrag. Ich fühle mich superwohl, wohne superschön. Wir haben eine tolle Arena, ein tolles Umfeld. Ich hatte sofort einen Draht zu Hannover. Hannover – da musste ich nicht lange überlegen. Wenn nach drei Jahren beide Seiten zufrieden sind, spricht nichts dagegen weiterzumachen.

Reizt Sie der Job als Bundestrainer?

Das wäre mir zu wenig. Da bin ich noch zu jung. Ich brauche das Tagesgeschäft.

Als Ex-Indianer und jetziger Scorpions-Trainer wären Sie die ideale Person, um beide Vereine zusammenzuführen.

Ich glaube, dann bin ich nicht mehr in dem Geschäft, wenn das passieren sollte. Ich kann das verstehen, jeder Verein hat seine Philosophie. Aber vielleicht profitieren sie auch vomZweikampf in der Stadt. Auch 1860 und Bayern werden nie ein Verein. Das will auch keiner im Fanlager sehen.

Was könnte das deutsche Eis­hockey voranbringen?

Es gibt so viele Baustellen. Normal müsste es zur Lizenzierung gehören, dass jede DEL-Mannschaft ein DNL-Team hat. Mit dem Unterbau im Nachwuchs mit zwei hauptamtlichen Nachwuchstrainern. Ohne diesen Apparat dürfte es keine Lizenz geben. Dann würden die deutschen Spieler qualitativ gefördert werden. Jetzt reichts, wenn einer geradeaus laufen kann.

Was läuft noch schief?

Mir kann kein Mensch erklären, warum es die DEL nicht schafft, fünf oder zehn Minuten in den regionalen Sendern Sendezeit zu bekommen. Im ersten Jahr bekämen sie es umsonst. Wenn ich zehn Minuten im NDR habe, dann kommen Hamburg,Wolfsburg und wir drei Minuten zum Zuge. Dann kann ich bei der Wirtschaft ganz anders auftreten. Dann kann man ganz andere Gelder erwirtschaften, die man dann in die Jugend steckt.

Und weiter?

EinFünfjahresplan wäre gut: Im ersten Jahr bekommen die Sender Eishockey umsonst. Erst im fünften Jahr kostet es dann richtig was. Dann würde die Wirtschaft anspringen. Es wird die dritte Fußball-Liga in der ARD am Samstag zehn Minuten gezeigt, Rostock gegen Unterhaching 7:2. Und der deutsche Meister im Eisho­ckey, der bekommt nicht eine Minute im Regionalprogramm. Wer ist da schuld? Nicht das Fernsehen, sondern die Leute, die für uns das aushandeln, die sind schuld. Die sind unfähig.

Wie sieht es mit Auf- und Abstieg aus?

Wir übernehmen zu viel aus Amerika. Aufstieg, Abstieg:Das ist deutsche Sportkultur. Wir kastrieren uns selbst, wenn wir dieses Spektakel wegnehmen. Man nimmt sich so viel selbst weg, was einfach hingenommen wird.

Wie würden Sie sich beschreiben?

Ich bin ein optimistischer Mensch, der immer in der Realität lebt. Einer, der mit Spaß und dem nötigen Ernst versucht, das Beste aus dem Tag herauszuholen.

Hans Zach hat mal gesagt, in Bad Tölz gibts nur den Knabenchor oder den Eishockeyverein. Im Knabenchor sind Sie nicht gelandet …

Ich habe mit vier Jahren angefangen, Eishockey zu spielen. Es gab Schlittschuhe, dann bin ich aufs Eis gestolpert. Aber ich habe zu Hause Gehorsam gelernt, dem Wunsch meiner Eltern entsprochen und eine Lehre als Zahntechniker gemacht. Dann durfte ich mit 18 Jahren profimäßig Eishockey spielen und bin nach Frankfurt gewechselt. Allerdings komme ich immer regelmäßig zurück. Mit Nürnbergs Trainer Andy Brockmann und Lenz Funk (Ex-Scorpions-Spieler) habe ich seit 30 Jahren Kontakt, gehe in die Berge, fahre Mountainbike.

Wer aus Bad Tölz kommt, der geht also nie ganz weg …

Wer aus dem gelobten Land kurz einmal rausgeht, kommt ins gelobte Land sicher zurück. Ich bin ein leidenschaftlicher Fischer, gehe auch zur Jagd. Manchmal, wenn ich an der Isar laufe, steht der Hans Zach im Wasser oder umgekehrt. Der Hans ist einer, der nicht ruhig ist, der ist immer unterwegs.

Sind Sie auch so umtriebig?

In diesem Sommer hatte ich nicht viel Zeit. Aber sonst in den Sommermonaten gehe ich gern an den Berg, fische gerne, fahre unheimlich gern Mountainbike. Und ich mache auch gern Touren von zwei, drei Tagen mit Übernachtungen auf der Hütte. Das ist für mich Entspannung pur. Ich muss nicht drei, vier Wochen wegfliegen. Da, wo ich herkommen darf, da kann man es aushalten.

Was ist für Sie Luxus?

Wenn ich in der Früh aufstehe und es geht mir gut und ich habe Spaß rauszugehen. Und wenn es meiner Freundin gut geht: „Happy wife, happy life.“ So einfach ist das Leben.

Ist Essen auch ein Genuss?

(lacht) Ja! Ich esse gerne, gehe oft essen. Materiell bin ich nicht eingestellt, bin ganz einfach gestrickt. Aber am Ende des Tages esse ich gern jede Variation von Fleisch. Nudeln habe ich genügend gegessen.

Können Sie auch kochen?

Ich kann kochen, Fleisch natürlich. Gemüse? Dann kann ich mich in den Hasenstall setzen.

Bleibt dazu noch Zeit?

Im Moment ist sehr wenig Zeit für so etwas. Morgens um halb sieben bin ich im Stadion, abends um sieben, halb acht wieder draußen. Da bin ich froh, wenn ich mir einen gemütlichen Abend mit der Freundin machen kann. 

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