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Hannover 96 "Wenn es gegen Hertha nicht läuft, ist Hannover noch lange nicht abgestiegen"
Sportbuzzer Hannover 96 "Wenn es gegen Hertha nicht läuft, ist Hannover noch lange nicht abgestiegen"
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10:00 16.01.2010
ERKLÄRUNGSBEDARF: 96-Trainer Andreas Bergmann am Freitag bei der Arbeit mit Sportdirektor Jörg Schmadtke (rechts). Quelle: zur Nieden
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VON ANDREAS WILLEKE UND THORSTEN LANGENBAHN

Herr Bergmann, Martin Kind hat von Ihnen mehr Härte gefordert. Üben Sie jetzt jeden Morgen vor dem Spiegel, die Faust zu ballen?

Ich glaube, Herr Kind hat mehr gemeint nach der ganzen Geschichte, die uns alle bewegt hat, dass der Mannschaft mit klaren Vorgaben wieder ein Stück mehr geholfen werden muss. Er hat das mit Härte tituliert. Da wieder einen Weg zu finden, das hat er gefordert, so habe ich das in unseren Gesprächen empfunden.

War es überhaupt möglich, in der kurzen Pause etwas zu ändern?

Das ist schwer. Meinen Führungsstil habe ich aber in keinster Weise geändert. Wir haben von der Trainingsintensität und –häufigkeit ein bisschen zugelegt. Bis zur Tragödie haben wir gute Leistungen abgerufen. Inwieweit die immer noch wirkt, das kann keiner von uns genau beantworten. Fakt ist, dass wir bis Leverkusen auf einem guten Weg waren. Dann haben diese zwei Spiele gegen Gladbach und Bochum vieles wieder kaputt gemacht.

Hat die Kabinenansprache von 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke nach dem 1:2 in Berlin Auswirkungen gehabt?

Das will ich hoffen, dass sich der ein oder andere Spieler da einiges von angenommen hat. Das ist immer schwer messbar. Ich habe es wirken lassen und einen Tag später mit der Mannschaft über das Spiel gesprochen. So hat sich das gut ergänzt. Das verstehe ich dann auch unter Teamarbeit.

Haben Sie es nach Robert Enkes Tod zu sehr schleifen lassen, was die Disziplin angeht?

Nein. Es gab auch keinen Anlass zu sagen, jetzt liegst du auf dem falschen Weg. Auf Schalke war ein Punkt drin, wir hatten vorher anderthalb Wochen kein normales Training. Dann haben wir in den Spielen gegen Bayern und Leverkusen gut gespielt. Auf alle Fälle ist man sensibler miteinander umgegangen. Das ist in so einer Situation normal.

Jan Rosenthal hat in einem Interview gesagt, Sie hätten Enke als Alibi für schlechte Leistungen genommen. Kann da was dran sein?

Da hat Rosi inhaltlich was falsch verstanden. Ich habe es genau umgekehrt gesagt: Wir dürfen Robert nicht als Alibi nehmen und uns dahinter verstecken, sondern müssen wieder in die Spur kommen.

Jetzt mal ohne Alibi-Antwort – wie ernst ist die Lage?

Man kann nicht naiv sagen, irgendwie geht das schon. Aber Hektik und Angst wären jetzt der falsche Ratgeber. Wir müssen klar und besonnen bleiben.

Haben Sie nach nur 15 Bundesligaspielen als Trainer in der Winterpause auch mal darüber nachgedacht, dass es vielleicht schon bald wieder vorbei sein könnte?

Wenn man in der Bundesliga arbeitet, kann man nie Prognosen abliefern. Das Geschäft ist schnelllebig, aber ich beschäftige mich nicht damit. Ich weiß, dass dieser Job auch irgendwann ein Ende hat. Aber das raubt mir keine Energie.

Muss man jetzt versuchen, in den ersten Spielen der Rückrunde die Liga zu sichern, weil am Ende wieder die dicken Brocken warten?

Wer sind die dicken Brocken? Ist Hertha in dieser Situation schon ein dicker Brocken, eine Mannschaft, die alles probiert? Entscheidend ist doch erstmal der Samstag. Und dann gibt es wieder eine neue Situation. Wenn es gegen Hertha nicht optimal läuft, ist Hannover noch lange nicht abgestiegen. Aber natürlich muss man die Erfolge so früh wie möglich einfahren, um nicht am Ende in eine noch schwierigere Situation zu kommen.

Trotzdem ist es besonders bitter, wenn man gegen direkte Konkurrenten patzt.

Ja, natürlich. Wenn man gegen Mitkonkurrenten spielt, wirkt es immer doppelt. Die Punkte, die man woanders holt und nicht einplant, die zählen auch. Ich fange aber nicht an, irgendwelche Schauermärchen oder Schauerbilder aufzubauen, was wäre wenn. Das ist nicht meine Art. Ich habe gelernt, mich auf das nächste Spiel zu konzentrieren. Danach gibts wieder eine neue Konstellation.

Innenverteidiger Jan Durica spielt nach nur drei Tagen mit der neuen Mannschaft. Ist das vertretbar?

Es nützt mir nichts, hier jetzt zu jammern. Egal, welche Konstellation ich mir ausdenken werde, jede birgt irgendein Grundrisiko. Ein Eggimann ist dabei, der lange nicht gespielt hat, aber einen stabilen Eindruck macht. Dazu fällt Leon Andreasen aus, Hanno Balitsch ist gesperrt. Diese Personaldynamik habe ich, seit ich hier bin – und ich werde sie lösen.

Ist Durica schon so weit?

Wenn er jetzt als Sechser, Zehner oder im Sturm spielen würde, wo man eine intensivere Laufleistung hat, wäre das eine andere Geschichte. Auf der Innenverteidigerposition, wo auch viel mit Erfahrung gemacht werden kann, ist er dagegen eine Überlegung.

ImSturm hat sich die Personallage entspannt. Wie wollen Sie die Situation lösen?

Ich hätte gerne die Qual der Wahl auf beiden Seiten. Vor Wochen wars umgekehrt, da hieß es, wen stellt er vorne noch hin. Jetzt stoßen mit Jan Schlaudraff und Mike Hanke zwei Spieler nach einer langen Verletzungspause langsam wieder dazu. Das tut gut, wieder Alternativen zu haben und reagieren zu können, wenn Zwei nach einer hohen Laufleistung platt sind. Die genaue Konstellation will ich aber noch nicht verraten.

Hat sich in der Pause jemand aufgedrängt oder besonders gut entwickelt?

Anderthalb Wochen sind natürlich sehr kurz. Ich bin da immer vorsichtig. Es ist wichtig, dass ein Spieler über einen längeren Zeitraum eine Stabilität in seiner Leistung kriegt. In der Vorbereitung macht mir Valdet Rama viel Freude. Er hat jetzt auch im taktischen Bereich dazugelernt, spielt organisierter. Er ist ein Spieler, der aus dem Bauch heraus immer wieder das Eins gegen eins sucht, darin eine hohe Fähigkeit hat. Das hatte er im Mannschaftsverbund bisher noch nicht so hinbekommen. Im Training und gegen Bielefeld hat er das gut gemacht. Er ist auf einem guten Weg.

Reicht das für ein so wichtiges Spiel wie gegen Hertha, um ihn von Anfang an zu bringen?

Manchmal muss es reichen, wenn sich Situationen so ergeben.

Wo sehen Sie Jiri Stajner, eher im Mittelfeld oder im Sturm?

Im Sturm. Stajni ist Stürmer.

Arnold Bruggink hat bislang immer in der Rückrunde aufgedreht. Erwarten Sie von ihm noch mehr?

Wenn man die letzten zwei Spiele nimmt, müssen alle wieder mehr leisten. Das weiß die Mannschaft und gilt nicht nur für Brugg. Er ist ein wichtiger Führungsspieler für die Mannschaft, genau wie Hanno. Ich hoffe, dass Christian Schulz durch seine beständige Leistung in eine Führungsrolle reinwächst. Und auch Jan Schlaudraff hat klare Ziele und viel Erfahrung. Er kann uns auch auf dieser Ebene sehr gut tun, weil er mit allen Sachen wenig zu tun hatte und als erfolgsorientierter Spieler der Mannschaft zusätzlich Impulse gibt.

Trotzdem ist die Mannschaft zuletzt zweimal wieder eingebrochen, gegen Bochum und bei Union Berlin. Macht Ihnen das Sorgen?

Wir müssen uns wieder daran erinnern, was wir in den ersten Wochen gemeinsam erarbeitet haben. Dass wir da wieder Rückstände aufgeholt haben, dass wir stabil waren, mit viel Selbstbewusstsein ins Spiel gegangen sind. In einer schweren Situation hat die Mannschaft dann Charakter gezeigt und jetzt muss man wieder funktionieren, das ist der Leistungssport. Wir müssen diese Robustheit wieder an den Tag legen.

Wie motivieren Sie die Mannschaft vor dem Spiel, gibts in der Kabine Berliner?

Nein, das wird ein sehr kampfbetontes und intensives Spiel. Es geht für beide Mannschaften um einiges, aber nicht um unser Leben. Ich möchte, dass meine Mannschaft mit großer Lust in dieses wichtige Spiel geht. Wir fahren nicht zum Arbeiten ins Bergwerk, sondern spielen in einer tollen Atmosphäre. Da sind 30000 Fans draußen, deren Unterstützung wichtig ist. Wir versuchen sie mit einer engagierten Leistung zu begeistern, damit sie Lust haben, uns zu unterstützten.

Wo steht 96 nach dem 34. Spieltag?

Im gesicherten Mittelfeld. Wir wollen mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Aber klar ist, es wird keine einfache Saison.

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