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Hannover 96 Vor Risiko-Derbys: Experte fordert weniger Polizei
Sportbuzzer Hannover 96 Vor Risiko-Derbys: Experte fordert weniger Polizei
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14:11 17.09.2010
Derbys bedeuten Gewaltpotenzial - ob Dortmund gegen Schalke spielt oder Hannover 96 gegen Braunschweig. Quelle: dpa
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Von Manuel Schwarz

Berlin. Höheres Risiko gleich mehr Polizei: Mit dieser Formel versuchen Sicherheitskräfte häufig, Gewalt bei Fußballspielen zu verhindern - für Fanforscher Gunter A. Pilz eine falsche Annahme. „Es macht keinen Sinn, den Fans mit einem riesigen Polizeiaufkommen entgegenzutreten“, sagte der Universitätsprofessor der Deutschen Presse-Agentur am Freitag. „Das Problem ist, dass sich innerhalb der Ultras dann häufig die Friedlichen mit den Gewaltbereiten solidarisieren.“

Als Vorbild bezeichnete Pilz das Fanprojekt Hannover, mit dem seit 25 Jahren die Kommunikation zwischen Fans und Polizei gefördert wird. „Das findet in anderen Bundesländern Nachahmer“, sagt Pilz. „Die Polizei lernt, dass es das Wichtigste ist zu kommunizieren, und nicht mit gewaltiger Montur aufzutreten.“ Bei den Derbys in Hamburg und auf Schalke bleibt es am Wochenende aber beim alten Muster: Für beide Duelle wurde das Polizei-Aufgebot erhöht, allein rund um die Reeperbahn werden weit mehr als 1000 Sicherheitskräfte im Einsatz sein.

Das grundsätzliche Problem der Gewalt im Fußball gehe laut Pilz aber ohnehin nicht von den eigentlichen Fans - auch nicht den Ultras - aus. Die wahren Krawallmacher benutzten die Spiele nur als Vorwand. „Bei Auswärtspartien sind plötzlich 50 bis 100 „Fans“ dabei, die man bei Heimspielen gar nicht sieht“, erklärt Pilz.

In dieser Hinsicht war vor allem der Osten immer wieder negativ in die Schlagzeilen geraten. „Dort gibt es noch großen Nachholbedarf“, sagt Pilz, „aber ich denke, das verbessert sich.“ Die Zahlen aus den Innenministerien geben dem Uni-Professor zum Teil recht. Bei einer dpa-Umfrage konnten Thüringen und Brandenburg mit positiven Daten aufwarten: In Erfurt wurden in der vorigen Saison 83 Strafanzeigen registriert und damit rund 35 Prozent weniger als noch in der Spielzeit zuvor. Brandenburg zählte 39 Straftaten weniger als 2008/09, die Anzahl der Festnahmen sank von 82 auf 31.

Anders die Lage in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt: Einen deutlichen Anstieg der Gewalt registrierte Schwerin, wo 232 Strafanzeigen eingingen - zum Vergleich: 2008/09 waren es 142. Vor allem in Rostock war die Polizei gefordert: 68 700 Einsatzstunden und damit beinahe doppelt so viele als in der Saison zuvor kamen zusammen. In Magdeburg sehe man zwar die hohe Bereitschaft von Clubs und Fanprojekten, „andererseits gab es ja zuletzt in Sachsen-Anhalt einige spektakuläre Fälle, die es verbieten, von einer Entspannung zu sprechen“, sagte Ministeriumssprecher Martin Krems.

Andernorts trägt die Zusammenarbeit zwischen Fanbeauftragten und Polizei hingegen Früchte: In Baden-Württemberg sprach Innenminister Heribert Rech jüngst von einer „Trendwende“, die Zahl der Straftaten ging um 38 Prozent zurück - in Niedersachsen waren es 27 Prozent. Wenig Veränderungen verzeichneten Berlin, Rheinland-Pfalz und Hamburg. Die anderen Bundesländer gaben keine Zahlen bekannt. Eine detailliertere Auswertung der Gewalt auf den deutschen Fußballplätzen für die vergangene Saison kündigte die zuständige Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) in Duisburg für November an.

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