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Hannover 96 Slomka spürt "Angst um 96"
Sportbuzzer Hannover 96 Slomka spürt "Angst um 96"
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16:44 22.01.2010
SPÜRT ANGST UM 96: Mirko Slomka. Quelle: lni
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Mirko Slomka, wie fühlt es sich an, wenn man in der Stadt, in der man seit 20 Jahren lebt, plötzlich den wichtigsten Job neben dem Oberbürgermeister hat?

Das ist eine besondere Situation. Auf der einen Seite freue ich mich, dass ich der Stadt etwas zurückgeben kann, an der ich mit dem Herzen hänge. Auf der anderen Seite ist es auch so, dass ich gerne in dieser Stadt leben bleiben möchte. Und das geht natürlich besser, wenn man hier auch erfolgreich arbeitet. Ich möchte nicht mit meiner Familie auf der Straße beschimpft werden. Ich möchte ihr gerne ersparen, dass sie die Schattenseiten des Fußballgeschäfts so direkt mitbekommt.

Gab es die Überlegung, lieber in Ruhe hier zu leben und nicht bei 96 zu unterschreiben?

Nein. Das war nie eine Überlegung wert. Ich hatte mich vorher mit der Situation auseinandergesetzt, was passiert, wenn mal ein Angebot kommen würde. Wir haben das familienintern diskutiert. Sonst hätten wir in den eineinhalb Tagen nicht zur Unterschrift kommen können.

Sie haben eine lange 96-Strecke hinter sich, als Jugendtrainer und Kotrainer bei Ralf Rangnick. Sind Sie jetzt als Profi-Cheftrainer am Ziel?

Ich bin hier nie weggegangen mit dem Ziel, wieder als Cheftrainer zu beginnen, den Gedanken hatte ich ja nie so richtig. Es war für mich eine tolle Zeit hier in Hannover, etwa die Feierlichkeiten nach dem Aufstieg. Aber jetzt geht es leider gegen den Abstieg.

Wie kanns langfristig wieder aufwärtsgehen?

Es muss kontinuierlich und konzeptionell vorangehen. Mit konzeptionell meine ich, dass man auch in der Nachwuchsförderung einen Schritt voran macht. Nur durch Entdeckungen kann man vielleicht außergewöhnliche Einnahmen erzielen, indem man halt Spieler ausbildet und dann auch mal weitergeben kann zu anderen Vereinen. Das muss eine Philosophie des Vereins sein. Ich habe bei all meinen Stationen, auch bei Schalke, wo es ja dann auch eher um Platz zwei bis fünf ging, immer den Nachwuchs in den Vordergrund gestellt. Dabei waren großartige Spieler, wie Mesut Özil, Benedikt Höwedes oder Manuel Neuer. Solche Spieler müssen wir in Hannover entdecken.

Hat Ralf Rangnick zum neuen 96-Job gratuliert?

Wir haben ein normales Verhältnis, es ist leider nicht mehr so freundschaftlich, wie es mal war. Da ist etwas hängengeblieben zwischen uns. Ich finde das sehr schade, ich hab die Arbeit sehr genossen mit ihm. Aber jetzt geht jeder seinen Weg.

Wie ist Ihre Spielphilosophie?

Meine Philosophie ist grundsätzlich, dass man in der Defensive ganz stabil sein muss. Ich habe als Trainer immer großen Wert gelegt auf eine geringe Anzahl von Gegentoren, das wird auch hier Hauptaugenmerk sein. Und ich war immer ein großer Freund davon, vor und nach Ballverlusten des Gegners den Blick nach vorne zu richten und dann auch Konterchancen zu nutzen. Aber auch das Verwerten von Standardsituationen ist für mich ein großes Thema. Das macht mitunter den Unterschied aus, ob man einen oder drei Punkte holt.

Wie wird die Rollenverteilung mit Sportdirektor Jörg Schmadtke sein?

Jörg Schmadtke ist ein ganz wichtiger Partner für mich. Wir werden gemeinsam Entscheidungen treffen. Ich habe die Verantwortung für den sportlichen Part auf dem Platz. Und alle anderen Dinge, die neben dem Platz umzusetzen sind, sind in den Händen von Jörg Schmadtke. Wenn wir über eine Spielerverpflichtung nachdenken, werden wir gemeinsam entscheiden: Diesen Spieler wollen wir. Dann klinke ich mich komplett aus. Ich erwarte auch, dass die Entscheidungen, die ich im sportlichen Sinne des Vereins treffe, komplett respektiert werden.

Wird Schmadtke weiter auf der Bank sitzen?

Jörg und ich haben gemeinsam vereinbart, dass er nicht vorne bei mir auf der Bank sitzen wird, auch nicht bei Heimspielen. Ob er in der Nähe der Spieler auf der Bank sitzt oder oben auf der Tribüne, wird er entscheiden.

Nach so vielen Jahren bei 96 - was läuft schief?

Es lief ja vieles gut, ich bin auch sehr erfreut über die Bedingungen, die mich hier erwartet haben. Dennoch herrscht ein bisschen Angst vor dem Abstieg, das spürt man. Das gilt für die Menschen in der Stadt und alle, die sich mit 96 beschäftigen. Und diese Angst überträgt sich auch auf die Mannschaft. Selbst die Zuschauer haben sich ja zuletzt beim Hertha-Spiel ergeben. Das ist so ein Schockzustand, den muss man aufbrechen und der Mannschaft Mut geben. aw/boh

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